konzert #137: paul plut @ mö.e vienna | 04.12.2016

als am samstag eine nachricht von bloggerkollegin katrin eintraf, mit der einladung und einer adresse für einen secret-gig von paul plut, war ich wirklich schon sehr neugierig: welche location, welche menschen, welche stimmung würden wir vorfinden? einen tag später war es dann soweit: wir machten uns auf den weg zu einer seitenstraße in der nähe des wiener gürtels, suchten die genaue adresse und standen vor einem tor, das nicht gerade einladend aussah. dieses tor sah viel eher wie eine in die jahre-gekommene werkstatt-tür aus. ob sich dahinter etwas verbirgt? die hausnummer war auf jeden fall mal richtig. also erst mal abwarten. „einlass“ war zwischen 19:30 uhr und 20:00 uhr und wir waren einigen minuten zu früh da.

kurze zeit später wurde uns die tür geöffnet; wir wurden weitergeschickt, sollten noch durch 2 weitere türen und einen hof gehen, ehe wir am ort des geschehens ankamen. irgendwie war das gruselig, irgendwie aber auch sehr spannend. ich fühlte mich ein bisschen wie im horrorfilm „saw“. was wir dann vorfanden war ein raum, beige-weiße, abgenutzte wände, einige bänke und sofas, ein tisch mit getränken, und überall im ganzen raum waren kerzen verteilt. dazu dieser leicht abgefuckte touch. ich mochte diesen ort sehr.

bitterkalt war es in dieser kammer, wir wärmten uns mit tee, der uns angeboten wurde, auf. langsam füllte sich der raum mit menschen, knapp über 20 leute waren dann schließlich anwesend. es konnte losgehen. paul plut, den man vor allem als frontmann von viech kennt, war schick zurecht gemacht und nahm seine position neben seiner mit technik-befüllter gitarrenbox ein. ganz ruhig war es, als die ersten klänge zu hören waren und sofort bekam man ein düster, schauriges aber gleichzeitig warmes, angenehmes gefühl. das behutsame gitarrenspiel, die dumpfen beats, die durch leichtes stampfen fabriziert wurden und die tiefe, jauchzende stimme vereinten sich zu einer seltsamen mischung. in diesem kahlen, muckmäuschenstillen, spärlich ausgeleuchteten raum wirkte dieser todtraurige blues-sound um ein vielfaches stärker als auf platte.

aufgelockert wurden die düsteren dialekt-songs mit kleinen anekdoten. er erzählte von orten, die zum schreiben inspiriert haben. von graz über spanien bis mexiko, beinahe überall wurde er angeregt, texte zu papier zu bringen. was an jenem (wahl-)sonntag ebenfalls nicht fehlen durfte: ein kleines, politisches statement.

danach ging es aber wieder weiter mit musik. einmal sogar ganz ohne technische verstärkung. zum abschluss durfte man der ersten single „lärche“ vom album „lieder vom tanzen und sterben“ lauschen, ehe er zum gemeinsamen bier-trinken aufrief. wir huschten aber schnurstracks davon, es war einfach viel zu kalt in diesen räumlichkeiten. aber trotzdem: es war ein schöner, herzlicher, außergewöhnlicher abend. durch diesen secret-gig hat es paul plut geschafft, seine musik zu etwas sehr besonderen zu machen. gerne wieder!

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konzert #136: therapy? @ porgy & bess | 27.11.2016

ein tag wie im winter-märchen-buch: begonnen hat mein spätnachmittagsprogramm mit einem besuch am lieblichen weihnachtsmarkt in schönbrunn, mit punsch und gospel-singer. danach eine freundin abgeholt um mit ihr durch die mittlerweile bitterkalte nacht zum hübschen porgy & bess zu tingeln und einen akustikabend mit therapy zu erleben. es kommt noch besser: da mein favorisierter platz vorne rechts in besagter location bereits mit riesengroßen männern besetzt war, huschten wir auf den balkon. da war tatsächlich eine freie sitzgelegenheit inklusive tisch und – jetzt kommt der haken – mit einem reserviert-schild drauf. no risk no fun dachten wir und setzten uns trotzdem hin. wenn die herrschaften, die reserviert haben, kommen würden, würden wir einfach wieder gehen. easy!

vielleicht ist an dem spruch „kleine sünden straft gott sofort“ wirklich etwas dran, denn kurze zeit später meldeten sich schlimme zahnschmerzen bei mir. und das geht einfach gar nicht, vor allem nicht wenn man sich auf ein konzert gefreut hat und sich die gedanken plötzlich nur noch um schmerzbekämpfung drehen. zum glück hatte meine liebe begleitung eine schmerztablette mit. noch besser: sie bestellte mir ein glas mit eiswürfel, mein abend war gerettet. also ab dem zeitpunkt dann, als ich unter tabletteneinfluss stand und die backe eingefroren war. hui.

die vorband konnte ich gar nicht wahrnehmen, erst pünktlich zu beginn von therapy war ich geistig wieder anwesend. welch glück. das bühnenbild versprach schon viel: sitzgelegenheiten und kerzen, mehr braucht so ein konzertabend mit dem titel ‚wood & wire‘ nicht. war es beim support-act vergleichsweise richtig laut, weil sehr viele der anwesenden andauernd quatschen mussten, so stellte sich der gesprächspegel nahezu auf null als die hauptband des abends die bühne betrat. die seit 1989 (!) bestehende formation wirkte unglaublich gut gelaunt und begann zu jedem song eine kleine geschichte zu erzählen, oder zumindest: auf welchem, der zahlreich veröffentlichten alben, das stück zu finden sei.

was „kurz“ nach der us-präsidentschaftswahl natürlich nicht fehlen durfte, waren die politischen anmerkungen zu trump. natürlich alles andere als positiv. ebenfalls obligatorisch war es, die (nord)irische herkunft der band zu thematisieren und die frage zu beantworten, ob alle (nord)irischen bands mit u2 oder zumindest bono von u2 befreundet sind. die antwort ist nein. wäre das nun auch geklärt. das sehr textsichere publikum war etwas in die jahre gekommen, bewegte sich nicht viel aber ließ sich öfter doch dazu hinreissen, die arme in die luft zu strecken. was ebenfalls auffiel: kein einziges handy bzw kamera war in der luft. im jahr 2016 eine echte seltenheit und eine sehr positive nebenerscheinung, bei konzerten von etwas älteren bands.

im letzten drittel der show baten die herrschaften dann zwei weitere musiker auf die bühne. mit vier saiteninstrumenten und einem schlagzeug wurde dann weitergerockt. und gerockt wurde wirklich: das „akustikthema“ war ein gut gemeinter rahmen, der rock’n’roll ging trotzdem nicht verloren. es machte sogar richtig spass, den sitzenden rockern zuzusehen, auch wenn relativ wenig passierte während dem gig. das besondere war das drumherum, die vielen anekdoten zu den nummern und die wahnsinnig gute stimmung. therapy schienen sich sehr wohl auf der bühne im porgy & bess zu fühlen.

das set schien unendlich lange zu dauern, das vermeintliche ende war gar kein ende, denn es folgten noch zahlreiche zugaben. langsam meldeten sich auch meine zahnschmerzen wieder zurück und die vorstellung in einer ewigen gaderobenschlange zu stehen, schien nicht gerade einladend. deswegen entschieden wir uns beim anfang des letzten songs uns heimlich aus den staub zu machen, auch wenn ich gerne bis zum schluss in diesem schönen ambiente den tollen gitarrentunes zugehört hätte. wie auch immer: ein wunderbarer abend war das. und das beste war dann doch irgendwie, dass wir die gesamte show über von den reservierten plätzen nicht vertrieben worden sind. glück im zahnschmerzenunglück!

Therapy? Setlist Porgy & Bess, Vienna, Austria 2016, Wood and Wire

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auf den letzten metern in diesem jahr wird nochmal kräftig radau gemacht! zahlreiche acts tummeln sich diese woche in den konzertlocations in wien und laden zum tanzen ein. den überblick bekommt ihr nun hier!

schwedischer punkrock gefällig? könnt ihr haben! und zwar am montag in der arena von den guten alten „the bones„.

am nikolaustag solltet ihr euch selbst beschenken und zur album-release-show von „polkov“ ins chelsea gehen! zur einstimmung hört bitte mal hier rein, dann habt ihr eh keine andere wahl mehr! okay – na gut, andere möglichkeiten gibts natürlich schon, zum beispiel „las kellies“ aus argentinien im rhiz oder die japanischen „electric eel shock“ im bach.

sehr abwechslungsreiches programm gibts am mittwoch abend! zuallererst: „parov stelar“ werden die stadthalle zum kochen bringen (und danach solltet ihr ins loft zur „after the show“ party gehen – meine wärmste empfehlung!)! wer auf den menschenauflauf keine lust hat, kann auch in ganz kleinen rahmen zu schönen souligen tunes hin und her wippen und zwar im b72 bei „myles sanko„. ein paar meter weiter rocken im rhiz „bell etage“ – kann man auch hingehen. und die punkrocker versammeln sich natürlich mal wieder in der arena, denn „ignite“ werden dort kräftig einheizen!

am donnerstag ist feiertag! und das sollten wir natürlich feiern. am besten geht das im fluc! oben gibts schöne elektronische tunes von „len sander“ und als support eine fijuka-hälfte mit dem projekt „mandy & judith“ zu hören – unten in der wanne gibts „johann sebastian bass“ und „powernerd“ auf die ohren. ich glaub ich will überall dabei sein, hmmm. ausserdem am donnerstag: schmusesongs von „nick howard“ im chelsea und bier-trink-songs von „ken dolman“ im polkadot.

das dritte adventwochenende kann man auf viele arten beginnen: entweder mit tausenden leuten in der stadthalle, während man „seiler & speer“ lauscht oder in kleinerem, festlicheren rahmen bei „clara luzia“ im konzerthaus (leider schon ausverkauft). wer im indie-rock zuhause ist, darf sich ins chelsea begeben und „a life a song a cigarette“ sein ohr schenken. ein bisschen würziger wirds im b72 bei „nevada„. und: in die arena pilgern könnt ihr euch sparen, weil das konzert von „187 strassenbande“ eh schon ausverkauft ist.

am samstag so? lust auf ein weihnachtskonzert? dann ab in die szene zur dialektkünstlerin „birgit denk„. weniger weihnachtlich aber schön romantisch wirds im gasometer, wenn „milow“ mit seinen liedern den kuschelkurs einschlägt. ein bisschen lustiger und heiterer wirds im chelsea bei „attwenger“ und totale eskalation gibts wahrscheinlich bei der band „eskalation“ im bach.

auch am sonntag solltet ihr euch am gürtel aufhalten. das chelsea trumpft mit „christoph & lollo“ auf und der kramladen lockt euch mit „fesch“ und „pilot jr„. euer glück: sehenswert ist eh alles, also könnt ihr nichts falsch machen! viel vergnügen!

hard facts:
05.12.2016 / the bones / arena / vvk: 20,30 euro (via öticket)
06.12.2016 / polkov / chelsea / vvk: 13 euro (via ntry)
06.12.2016 / las kellies / rhiz / ak: 10 euro
06.12.2016 / electric eel shock, go go gorillo / das bach / vvk: 13,20 euro (via öticket)
07.12.2016 / myles sanko / b72 / vvk: 17,50 euro (via öticket)
07.12.2016 / parov stelar / wiener stadthalle / vvk: ab 39,90 euro (via öticket)
07.12.2016 / ignite / arena / vvk: 20,30 euro (via öticket)
07.12.2016 / bell etage / rhiz / ak: 7 euro
08.12.2016 / nick howard / chelsea / vvk: 25,60 euro (via öticket)
08.12.2016 / len sander, mandy & judith / fluc / ak: 10 euro
08.12.2016 / johan sebastian bass, powernerd / fluc wanne / vvk: 12 euro
08.12.2016 / ken dolman / polkadot / FREIWILLIGE SPENDEN
09.12.2016 / a life a song a cigarette / chelsea / vvk: 15 euro (via ntry)
09.12.2016 / nevada / b72 / ak: 5 euro
09.12.2016 / seiler & speer / wiener stadthalle / vvk: ab 39,90 euro (via öticket)
09.12.2016 / clara luzia / konzerthaus (ausverkauft)
09.12.2016 / 187 strassenbande / arena (ausverkauft)
10.12.2016 / attwenger / chelsea / vvk: 19 euro (via ntry)
10.12.2016 / milow / gasometer / vvk: 32,20 euro (via öticket)
10.12.2016 / denk / szene / vvk: 23,50 euro (via öticket)
10.12.2016 / eskalation, box social / das bach / ak: 10 euro
11.12.2016 / christoph & lollo / chelsea / vvk: 17 euro (via ntry)
11.12.2016 / fesch, pilot jr. / kramladen / ak: 5 euro

konzert #135: neil halstead, moddi, sarah jaffe @ blue bird festival im porgy & bess | 26.11.2016

man glaubt es kaum, aber auch ein gemütliches indoor-festival zehrt an den kräften. für den dritten und letzten tag auf dem blue bird festival im porgy & bess nahm ich mir ursprünglich vor etwas früher vor ort zu sein, im endeffekt kam ich aber erst gegen 21 uhr an und verpasste somit die ersten drei acts. aber ich war wirklich müde und irgendwie auch froh, es überhaupt in diesen schönen club geschafft zu haben. das alter, ihr kennt das.

der samstag am blue bird festival war ausverkauft, dementsprechend schwierig war es auch ein plätzchen zu finden um überhaupt die bühne zu erspähen. „neil halstead“ spielte bereits und ganz vorne rechts war dann doch noch ein schlupfloch. im holzfällerhemd, mit vollbart und gitarrenkoffer auf der bühne wirkte das setting von neil schon sehr geerdet. als er dann auch noch ganz sanft seine lyrics ins mikro hauchte und ganz behutsam die gitarre zupfte, war man plötzlich mitten drin in einer kleinen traumwelt. abschweifen und kurz mal gedanklich wegfliegen inklusive. schön war das.

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zugegeben: wahrscheinlich am meisten freute ich mich auf die beiden letzten acts des abends und des festivals gesamt. „moddi“ aus norwegen machte den anfang. ein junger mann mit blonden, gelockten wuschelhaaren und gitarre betrat gemeinsam mit einer dame inklusive cello die bühne. wieder wurde es ganz besinnlich und geräuschlos im porgy & bess. und das obwohl seine stimme doch ein paar ecken und kanten hatte, und manchmal auch einen schnelleren rhythmus. gewonnen hatte er schon ziemlich früh, denn ziemlich am anfang seines sets spielte er bereits „house by the sea“ – wahrscheinlich einer seiner zauberhaftesten songs. mich musste er ab diesem zeitpunkt nicht mehr beeindruckten, ich war es schon.

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ich konnte mir eigentlich keine steigerung mehr vorstellen, aber als „sarah jaffe“ aus texas ihren auftritt begann und sich gleich mal gegen donald trump aussprach wusste ich: da war eine powerfrau am start, das sollte noch gut werden! und so war es auch. ihr stimmorgan war eines der imposantesten während dem gesamten blue bird festival. glasklar und ungetrübt, richtig mächtig bohrte sich ihr gesang in meine gehirnwindungen. sie wechselte immer mal wieder von der akustikgitarre auf die e-gitarre und brachte somit noch mehr dimensionen in ihre musik. ihre von herzen kommenden ansagen und danksagungen wirkten so authentisch und greifbar, ich hätte sie am liebsten umarmt.

und das fazit nach drei tagen in diesem lieblichen, rot-gefärbten jazz & music club während dem blue bird festival? es war wunderbar. ein schöner ausflug in eine genusswelt in der musik wirklich noch was wert ist. die leute waren wirklich hier um der musik zu lauschen, um sich entführen zu lassen in klangwelten, die sie vielleicht noch nicht kannten. sie waren hier um vieleicht ein gläschen wein zu trinken weil die atmosphäre einfach so einladend war. aber das hauptaugenmerk lag ganz klar auf den tönen, auf den schönen gesängen. und auf der torte. die darf nämlich auch niemals fehlen. danke liebes blue bird festival, auf viele weitere musik-genuss-jahre!

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konzert #134: haley heynderickx, i have a tribe, alice phoebe lou, lee ranaldo & el rayo @ blue bird festival im porgy & bess | 25.11.2016

ich wollte unbedingt superpünktlich für haley heynderickx am start sein, aber dieser bitterkalte abend hinderte mich daran, meine wohlig warme wohnung rechtzeitig zu verlassen. ich schaffte es dann doch zu einem guten zeitpunkt im porgy & bess anzukommen und huschte auch gleich auf den balkon um einen blick zur bühne zu ergattern und der dame mit dem dunklen pony zu lauschen.

„haley heynderickx“ war mir sofort sympathisch – ihr trockener und sehr schwarzer humor ließen mich gleich zu beginn schmunzeln. sie erzählte zum beispiel bei einem song, dass dieser sich um ein thema handle, das uns alle verbindet, nämlich dass wir alle eines tages sterben werden. wenig später wurde auch gleich mein liebstes lied von ihr – nämlich „drinking song“ – angestimmt, und das stellte sich auch gleich als mein erstes, großes musikalisches highlight heraus. abseits der schönen musikstücke, waren es die vielen geschichten, die das publikum und vor allem auch mit amüsierten. da gab es eine story, wie sich ihre eltern kennengelernt haben und eine story darüber, wie das erste date in hong kong beim fischsuppe essen war (kurze inshaltsangabe dieser geschichte: man kann einfach nicht cool aussehen wenn man eine suppe mit fischköpfen isst) – auch darüber hatte sie eine nummer geschrieben und vorgetragen. superwitzige frau, super unterhaltsam. fast hätte ich vergessen, dass ich auf einem singer-songwriter-festival war und nicht in einem kabarett.

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meine freunde waren zwischenzeitlich angekommen also war die bar mal wieder eine unserer anlaufstellen. das gute im porgy & bess: man sieht selbst mit einem soda-himbeere in der hand ultra-fancy aus, weil diese soda-mischgetränke in so hübschen gefäßen serviert werden, dass die bierflasche daneben fast langweilig aussieht. gut versorgt konnten wir uns auf den nächsten künstler konzentrieren, „i have a tribe“ aus irland.

hauptakteur der gruppe war der herr, der am piano platz nahm, nämlich patrick o’laoghaire – die irische abstammung war aufgrund von name und frisur fast nicht von der hand zu weisen. gemeinsam mit einem schlagzeuger und einem herrn am kontrabass war das live-set komplett. was aus dieser kombination zu ohren kam? sehr bedächtige und entspannte folk-tunes, die manchmal fast schon ins jazzige abdrifteten. anfangs fand ich das wirklich himmlisch, vor allem weil ich großer fan von klavierklängen bin. mit der zeit war es wurde es aber etwas eintönig – auch weil patrick kaum was sagte. gerade bei sehr sehr sehr stillen tönen ist ein schuss humor oder eine witzige anekdote ganz gut um das eis zu brechen. das fehlte mir ein bisschen. aber vielleicht beim nächsten mal dann, ja?

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zur nächsten künstlerin auf der porgy & bess – bühne hatte ich keine erwartungen: die blonde „alice phoebe lou“ aus südafrika würde wahrscheinlich auch unaufgeregt auf der gitarre klimpern. aber als die junge dame dann auf die bühne kam, mitsamt ihrer band, war klar, dass dieser auftritt wieder etwas sehr besonderes werden würde.

als sie erklärte, dass sie diese location so schön finde und deswegen extra ein kleid angezogen hatte um sich wie eine lady zu fühlen, war sofort eine connection zwischen ihr und den anwesenden menschen zu erkennen. diese wertschätzung war ein großer sympathie-punkt für das wiener publikum. und gleichzeitig sicherte sie sich damit auch einen platz auf meiner das-war-gut-am-blue-bird-festival-liste. was ebenfalls noch gut war: ihre hingabe. in jeden der songs verlor sich die sängerin aber auch die band regelrecht, und das publikum bekam das zu spüren und ließ sich ebenfalls treiben, mitnehmen und entführen in diese schöne sound-welt. manchmal wurde das ganze sogar richtig schwungvoll und lud zum angeregten mitwippen an.

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last but not least on stage: „lee ranaldo & el rayo“. von vielen wurde ex-sonic-youth-mitglied lee als höhepunkt des festivals kommuniziert, aber nach einigen minuten des intensiven zuhörens war für mich klar: ich sollte wohl an jenem abend mal früher heimgehen. es wurde laut, fast ein bisschen zu sehr noise-behaftet. ich war müde und nach all den ruhigen tönen war mir diese sound-explosion fast ein bisschen too much. also ging ich. aber mit der gewissheit mit haley heynderickx und alice phoebe lou wirklich ganz tolle künsterlinnen gesehen zu haben. insofern hatte sich der abend schon voll ausgezahlt. also ging es für mich ab nachhause um auszuschlafen und um mich auf den letzten blue-bird-festival-tag im porgy & bess zu freuen!

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konzert #133: aldous harding, paul roland and frenk lebel, rykarda parasol, coeur de pirate @ blue bird festival im porgy & bess | 24.11.2016

ich wusste zwar immer, dass das blue bird festival existiert, aber da nie oder selten die riesengroßen namen vertreten waren, hatte ich mich nie drum gekümmert hinzugehen. dieses jahr war das anders – welchen reiz, welchen zauber dieses indoor-festival im porgy & bess wohl versprühen mag, wenn bereits die zwölfte ausgabe stattfindet? das und mehr wollte ich herausfinden. deswegen war ich am ersten festivaltag kurz nach beginn der ersten künstlerin „aldous harding“ in diesem wunderschönen jazz & music-club anwesend um ja nichts zu verpassen.

der erste blick rein in den konzertsaal suggerierte mir vor allem: es war schon ganz schön viel los. die ersten reihen waren mit stühlen und tischen ausgestattet und daher beliebte objekte und relativ schnell besetzt. macht nichts, ich bin ja noch jung und kann stehen. also sah ich mir ein paar nummern von „aldous harding“ an und blieb vor allem mit meinen blicken an ihrem gesicht haften; verschiedene, manchmal etwas verstörende mimiken, waren da zu erkennen. ihr styling erinnerte mich ein bisschen an die familie frankenstein – aber das war zu erwarten, denn mir wurde erzählt, dass sie eine vorliebe für „gothic novels“ hat. ähm, okay. und die musik? gitarrenklänge, langgezogene laute und gesänge und eine keyboarderin, die ich eigentlich meistens nur daneben stehen gesehen hab. war irgendwie gut, aber irgendwie nicht so mein fall. mir passierte da ein bisschen zu wenig, abseits der amüsanten gesichtsakrobatik. ich entschied mich dazu die bar zu besuchen und ein pläuschen mit einer freundin zu haben – auch für das ist ein indoor-festival ein passender ort!

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das pläuschen fiel ein bisschen länger aus und wir huschten zielstrebig in der mitte des sets wieder richtung bühne um „paul roland und frenk lebel“ in action zu sehen. or kind of. ich hatte sofort die assoziation eines geschichtenerzählers an einem winterabend vor einem kamin mit riesigen lammfell davor. genau so ein typ war paul roland. gemütlich, angenehm, fast schon in den schlaf wiegend. unterstützt von sich selbst an der gitarre, von frenk lebel an der zweiten gitarre und von einer geigenden dame, die dem ganzen immer wieder das tüpfelchen auf dem i zauberte. hach schön.

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das ein singer-songwriter-festival eher ruhig und besonnen ausfallen wird, war mir klar. auch mit der dritten künstlerin an diesem abend wurden wieder geruhsame töne angeschlagen. aber dafür in einem schönen, smaraggrünen glitzer-kleid. von rykarada parasol ist die rede, die sich mit schlagzeuger und keyboarder eine schöne ergänzung zu ihrem saiteninstrument und ihrer stimme auf die bühne geholt hatte. ihr gesangsorgan klang stärker, hymnischer als alles an diesem abend gehörte, ein bisschen dunkler, mancher drückend aber immer feierlich. und trotzdem: down-to-the-earth. ihre ansagen waren ein kontrast zum grazilen auftreten. aber: das war gut so!

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den ganzen abend lang versuchte ich das porgy & bess von all seinen blickwinkeln aus zu betrachten. mal schaute ich mir den balkon oben ganz genau an, dann nahm ich sämtliche plätze im unteren zuschauerbereich unter die lupe. als besonders fein empfand die position vorne rechts. man sah gut zur bühne, weil das der geheime treffpunkt zum niederlassen war: ganz viele leute saßen hier am boden, weil es keine anderen sitzgelegenheiten mehr gab. für den hauptact des abends, coeur de pirate, sicherte ich mir aber ein plätzchen ganz vorne links. weil: alle blickwinkel erforschen und so.

und dann kam er, der wow-effekt: ich wurde gefesselt ans bühnengeschehen, als coeur de pirate mit dem set begann. zu beginn noch ganz brav am keyboard sitzend, stand sängerin beatrice martin beim zweiten song auf und zeigte, wieviel power in ihr steckte. zerzauste haare, tätowiert an beiden armen, wilde moves und plötzlich gar nicht mehr so artig, wie sie auf den ersten blick wirkte. dazu diese weiche chanson-stimme, die zum punkigen auftreten eine spannende kombination darstellte. und dann auch noch der glitzervorhang im hintergrund. cooler geht eigentlich gar nicht!

alles was ich mir im vorfeld angehört hatte, klang auf der bühne soviel stärker, so mächtig, so gewaltig! die band, die sängerin, die bewegungen, der sound, das große ganze war ein feuerwerk, ein ewiges staunen! ja, die show hypnotisierte mich regelrecht, ich konnte weder nach links noch nach rechts schauen oder mit irgendwem kommunizieren, weil ich so fasziniert war. als höhepunkt zeichnete sich dann ihre version von leonard cohens „hallelujah“ ab: mucksmäuschenstill war es im gesamten porgy & bess, der vorhang hinter ihr funkelte, und beatrice martin aka coeur de pirate begleitete ihre traumhafte stimme selbst am keyboard. gänsehaut. wunderschön. nothing left to say ausser: danke für diesen schönen ersten abend, liebes blue bird festival.

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wir sagen euch an, den lieben advent, sehen die erste kerze brennt… hui, wir befinden uns in der zielgerade und starten in den letzten monat des jahres 2016! was es in der ersten adventwoche konzerttechnisch zu bestaunen gibt, erfährt ihr hier!

los gehts am montag im b72 mit den österreichischen bands „perspective“ und „lorbeeren„. erstere feiern ep-release (könnt ihr euch hier anhören) und zweitere haben sehr witzige songs, zum beispiel „das grüne vom twinni“ – reinhören geht hier.

am dienstag gibt es etwas mehr auswahl, zum einen die französische band „nouvelle vague„, die mit ihrem bossa-nova-cover-stil halt im wuk machen. zum anderen die band „paisley“ aus deutschland, die in der local bar spielen werden und die ich momentan sehr feiere – irgendwie kann ich von diesem song nicht genug bekommen und irgendwie erinnern sie mich an die arctic monkeys. gehts euch auch so? des weiteren am dienstag: das poppige projekt „lions head“ aus den usa im chelsea und die local heroes „farkas“ sowie „marte“ im fluc.

in der mitte der woche gestaltet sich das programm folgendermaßen: im chelsea gibts blues-angehauchten singer-songwriter-rock in form von „robinson“ (hörprobe hier) und als support hübsche tunes von „fin“ (hier kann man reinhören) auf die ohren. alternativ kann man sich ins werk begegben und der band „biscuits“ sein gehör schenken.

mit etwas bekannteren formationen trumpft der donnerstag abend auf: „digitalism“ zum beispiel werden das flex in entzückung versetzen (zur einstimmung bitte hier entlang) und „chakuza“ wird euch im wuk sanft seinen sprechgesang ins ohr pflanzen. wer gemütlich bier trinken und musik hören will: polkadot it is! dort gibts singer/songwriter „mortiz gabler“ zu hören.

eine überdosis wunderschöne schmalz-musik gefällig? dann ab in die grelle forelle zu „honne“ am freitag. wer es experimenteller mag sollte sich ins fluc begeben und sich unbedingt „karma art“ zu gemüte führen. ausserdem sehr zu empfehlen am wochenend-beginn: „brodka“ im chelsea (hört euch das mal an). für die wilden, temperamentvollen unter euch: „donots“ werden das flex zerlegen und „astpai“ das b72.

der samstag abend ist wie gemacht für punk-rock-und-ska-affine menschen: „skindred“ und „zebrahead“ gibts im flex zu bestaunen und die grandiosen „gasmac gilmore“ im kramladen. wie soll man sich da entscheiden? vielleicht einfach für die die ruhigere variante? die gibts nämlich im chelsea mit „northcote„, „matze rossi“ und „jon snodgrass„.

zum abschluss kann ich euch nur empfehlen, im b72 „can i say“ zu sehen – tolle band! wer es ein bisschen weird, laut und aggressiv mag: die japanische band „melt-banana“ geigt in der arena auf. viel vergnügen!

hard facts:
28.11.2016 / perspective, lorbeeren / b72 / ak: 8 euro
29.11.2016 / nouvelle vague / wuk / vvk: 29 euro (via öticket)
29.11.2016 / paisley, felidae / local bar / ak: 7 euro
29.11.2016 / lions head / chelsea / vvk: 19 euro (via öticket)
29.11.2016 / farkas, marte u.a. / fluc / FREIWILLIGE SPENDEN
30.11.2016 / robinson, fin / chelsea / vvk: 10 euro (via soundbase)
30.11.2016 / biscuits / das werk / ak: 7 euro
01.12.2016 / digitalism / flex / vvk: 25 euro (via öticket)
01.12.2016 / chakuza / wuk / vvk: 22 euro (via wuk)
01.12.2016 / mortiz gabler / polkadot / FREIWILLIGE SPENDEN
02.12.2016 / honne / grelle forelle / vvk: 22,30 euro (via öticket)
02.12.2016 / karma art, monophoebe / fluc / FREIWILLIGE SPENDEN
02.12.2016 / brodka / chelsea / vvk: 19 euro (via öticket)
02.12.2016 / astpai, james choice, the deadnotes / b72 / vvk: 15 euro (via soundbase)
02.12.2016 / donots / flex / vvk: 23 euro (via öticket)
03.12.2016 / skindred, zebrahead / flex / vvk: 25,60 euro (via öticket)
03.12.2016 / northcote, matze rossi, jon snodgrass / chelsea / vvk: 19 euro (via öticket)
03.12.2016 / gasmac gilmore / kramladen / vvk: 9 euro (via soundbase)
04.12.2016 / sharp hondo, naplava, can i say / b72 / ak: 12 euro
04.12.2016 / melt-banana / arena / vvk: 17 euro (via öticket)

konzert #132: patrice @ arena | 23.11.2016

ehrlich gesagt: patrice, dieser reggae-künstler, war mir eigentlich immer ziemlich schnurz. klar – der song soulstorm rutschte immer mal wieder in meine playlist, aber sonst? ich war deswegen auch sehr unbeeindruckt, dass er in die arena kommen würde. aber: da man ihn ja kennt und mein letztes konzert von ihm 8 jahre zurück liegt, dachte ich, ich schau mir das mal an. erwartungen? keine. nur dass es mich so langweilen wird, dass ich nach 4 nummern nachhause geh.

den support „jake isaac“ hatte ich absichtlich verpasst. ich wollte ja nur kurz rein-sneaken, ein paar fotos von patrice machen und dann wieder gehen. ich hatte echt die erwartung, dass mir das gesicht einschlafen würde. als ich dann ganz vorn stand, die band auf die bühne stürmte und dann der sänger himself ebenso hatte ich ein kleines deja vü: diese youtube-band „boyce avenue“ kamen vor ein paar jahren im selben aufzug auf die bühne, nämlich komplett in weiß. weiße instrumente, weiße outfits – alles ganz clean, alles super-white. und ob das ein gutes zeichen ist, wenn ich an einen ganz miesen auftritt erinnert werd, nur wegen der kleidung und dem bühnenbild?

no worries: es wurde gar nicht so schlimm. erste überraschung: patrice kam mit gitarre auf die bühne und bediente diese sogar. ich hatte eher einen immer schunkelnden frontmann mit glimmstängel befürchtet, aber er wirkte sehr fokussiert und sehr bei der sache, nämlich dem musik machen. ich kannte keinen der gespielten songs, aber war verwundert, welch rockband-charakter dem ganzen gegeben wurde. mein klischee-bild, welches ich vor meinem geistigen auge hatte, dass der auftritt sehr unspektakulär und lazy werden würde, wurde immer mehr völlig über den haufen geworfen. „boxes“ war ein so ein song, der das publikum verzückte, zum mitsingen animierte und erste begeisterungsstürme auslöste. es dauerte nicht lange bis „cry cry cry“ ertönte und man happy faces all over erkennen konnte. auch ich kam langsam in stimmung – irgendwie fühlte sich dieses konzert wie wohlbefinden in seiner reinsten form an. wie ein entspannendes schaumbad. wie, wenn einem einfach alles von schultern fällt. und eigentlich war ich doch gar kein reggae-fan? was ist nur passiert?

das set schlängelte sich weiter, war mal langsam und mal schnell, immer abwechslungsreich und immer mit kleinen besonderheiten gespickt: die sängerin auf der bühne zum beispiel, die immer wieder mit kleinen solo-parts beeindruckte – vor allem als sie die nummer „ain’t no sunshine“ coverte – gänsehaut! aber auch der mann hinter den keys konnte seine atemberaubende stimme nicht verstecken. patrice selbst zeigte sich kommunikativ und immer der menschenmenge zugewandt. die befürchtete langeweile trat nicht ein, im gegenteil. ich war eigentlich die ganze zeit unterhalten und fand die musik super angenehm für leichte mitschwing-bewegungen. das neuere stück „burning bridges“ vom aktuellen album „life’s blood“ überraschte mich dann so richtig: mit elektronischen elementen erinnerte mich dieser song ein bisschen an mø und ihren song „lean on“. hui – gerade als mir das konzert so richtig spass machte, kündigte patrice dann das letzte lied „soulstorm“ und somit das „grande finale“ an. ach menno, das kann doch nicht alles gewesen sein!

war auch nicht alles. es kam einfach noch viel besser, viel besser als ich es mir auszumalen wagte. erstens hörte man „soulstorm“ in einer extended version, in unterschiedlichen geschwindigkeiten und auch mal nur von der sängerin auf der bühne vorgetragen. zweitens: die zugabe war keine wir-spielen-noch-3-lieder-dann-gehen-wir-aktion. patrice erschien nicht auf der bühne, er tauchte plötzlich mit gitarre und einem musiker inklusive effektboard über und hinter dem foh auf. die restliche band war auf der bühne. und jetzt? patrice erzählte, dass es nun ein battle zwischen ihm und der band geben würde und so spielten abwechselnd die musiker auf der bühne und patrice samt seinen buddy beim foh einige songs an. und das fand ich wirklich richtig genial! covers, sehr elektronisch-angehauchte-songs bis hin zu balladen, da war alles dabei. das battle dauerte fast 30 minuten und die anwesende menschenmenge feierte die nahbarkeit des künstlers. für einen letzten song bewegte er sich dann nochmals auf die bühne. mit „we are the future“ wurde das ende des konzerts zelebriert. tosender applaus am schluss und happy faces überall. patrice hat das sensationell gut gemacht und mich mehr als nur überrascht – alle befürchtungen unbegründet. gerne wieder!

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konzert #131: megaloh, beginner @ tipsarena linz | 18.11.2016

ja – im vorfeld wurde ich von einigen leuten gefragt, warum man sich eine band zweimal hintereinander anschaut und vor allem für ein konzert dann auch noch pro strecke rund zwei stunden autofahrt auf sich nimmt? im falle der beginner gab es einige gründe. erstens die nostalgie. wenn man die schon im doppelpack haben kann, warum sollte man dann darauf verzichten? zweitens wollte ich den ultimativen vergleich. würde die show in linz vom pubilkum, stimmung und vom sound her sich zur gasometer-show unterscheiden? drittens: ich war noch nie zuvor in der tipsarena – ein locationcheck kann nie schaden. und: es war freitag. am nächsten tag konnte ich ausschlafen, warum also nicht einen kleinen roadtrip unternehmen?

gesagt, getan. pünktlich zum einlass fand ich mich vor der riesen-arena wieder. ich war happy, denn der parkplatz kostete nichts und mein ausgeborgtes auto (danke liebes schwesterherz!) parkte direkt vor der haustür. mehr luxus geht echt nicht. und dann versuchte ich mich mal zu orientieren, den eingang, die sanitär-anlagen und den zugang zur konzerthalle zu finden. das war in der tat etwas tricky, da das eigentlich nicht wirklich angeschrieben war. zum glück muss man bei solchen veranstaltungen einfach nur der masse folgen.

beim betreten der konzerthalle war ich richtig geflasht: alles war so riesengroß, weitläufig, man hatte platz zum atmen. es war ganz anders als im gasometer am tag zuvor, es war viel angenehmer und einladender. was an diesem tag noch befreiender war: ich hatte nicht mehr das gefühl, ich müsste die gigs von ganz vorne mitverfolgen und mir einen platz erkämpfen, da ich das am vortag ja schon gemacht hatte. diesmal wollte ich die auftritte anders auf mich wirken lassen und platzierte mich mittig beim foh und wollte mich auf das gesamte, auf die lichtshow und auf den sound konzentrieren und nicht mehr so sehr auf outfits und gesichtsausdrücke. diese entspanntheit, die ich an den tag legte, war gold wert!

irgendwann startete dann endlich der support-act megaloh. zu beginn war ich wieder relativ unbeeindruckt vom ganzen setting aber nach einigen minuten kam ich dann irgendwie rein in diese welle, die mich mitspülte durch seine beats und textbausteine. entweder lag es wirklich an mir selbst oder megaloh war an diesem tag einfach wirklich viel besser. oder es lag daran, dass mir die songs vertrauter vorkamen, weil ich sie ja zum zweiten mal hörte. i don’t know. ich konnte auf jeden fall mehr mitgehen, mich mehr dazu bewegen, die töne besser wahrnehmen und mich mehr einnehmen lassen – wahrscheinlich auch weil die licht-show unglaublich gut wirkte in der tipsarena.

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die zeit verging wie im flug, kaum war megaloh von der bühne verschwunden waren die beginner so gut wie am start. los ging es wie auch schon am vortag mit der hymne „ahnma“. eine nummer, die gleich mal zum mitnicken animiert. und auch diesmal fand ein fließender übergang zu „hammerhart“ statt und die linzer oldschool-fangemeinde schien begeistert zu sein. oder warum gingen sonst alle hände nach oben?

ich war ehrlich gesagt sehr fasziniert von der tipsarena – auch wenn ich gehört hatte, dass die akustik in der location eher nicht so toll sein soll. von meinem standort fand ichs einfach tausendmal besser als im gasometer (obwohl das auch nicht schwierig ist) und fragte mich, ob ich mich mit meiner häufigen anwesenheit in sound-schwachen konzerthallen vielleicht einfach schon sehr an miese akustik gewöhnt hatte? eindrücke prasselten nur so auf mich ein, die lichtshow in dieser mächtigen umgebung ließ mich immer wieder die kamera zücken um dieses imposante schauspiel festzuhalten.

die plüschtiere bei „gustav gans“ ließen mich ziemlich kalt, viel mehr war ich diesmal vom song „schelle“ beeindruckt. es kam schon fast ein bisschen club-rave-charakter auf. vor allem auch wegen der beleuchtungstechnischen umsetzung. „irgendwie irgendwo irgendwann“ wurde lautstarkt von allen anwesenden mitgeträllert bevor es in den eher nicht-so-hit-lastigen-teil ging. torch und megaloh hatten wieder ihre obligatorischen gastauftritte, und dann wandte man sich wieder einem klassiker zu, nämlich „fäule“. das schöne diesmal: die beginner gingen viel mehr auf das publikum ein, wirkten viel interessierter an interaktion. zwar bewiesen sie wieder keine großen showmaster zu sein, aber ich sah eine deutliche verbesserung zum gasometer-gig.

„rock on“ markierte den ersten „letzten“ song – dann ging es für zwei zugabenblöcke natürlich nochmal on stage. das neue, eigentlich ziemlich fette „es war einmal“ dröhnte aus den boxen und natürlich durfte auch „liebeslied“ nicht fehlen. bei zweiterem wurde man außerdem zeuge davon, wie denyo seinen text vergessen hatte und anschließend in gelächter mit kumpel eizi eiz ausbrach. endlich mal was menschliches, endlich kamen die hamburger richtig sympathisch rüber! anschließend gab’s noch die aufgelegten songs „danke“ und „nach hause“ auf die ohren. und dann? dann war’s vorbei. vorbei mit dem beginner-auftritt in der tipsarena linz. das publikum wirkte großteils zufrieden, einige leute dürften trotzdem etwas enttäuschung verspürt haben, weil es einfach trotzdem nicht so wie früher war. nicht so roh, nicht so authentisch, nicht so emotionsvoll. die beginner zeigten eher dass sie mit der zeit gingen und eine junge zielgruppe ebenso ansprechen können/wollen. nämlich mit mehr coolness, mit der attitüde, dass sie damals die nummer eins waren und es immer noch sind oder sein möchten – „der testsieger rappt wieder“.

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anyway: vergleiche ich im nachhinein die gigs am hip hop open, gasometer und tipsarena, so gewinnt eindeutig die linzer location. auch wenn die stimmung in der gasometer vielleicht einen tick besser war, so war in der tipsarena sound und licht einfach unschlagbar. und: die leute waren angenehmer, besonnener, entspannter. und jetzt gibts zum krönenden abschluss noch ein kleines video vom konzert in linz – viel spass!

konzert #130: megaloh, beginner @ gasometer | 17.11.2016

mit gemischten gefühlen betrat ich an diesem donnerstag das gasometer: einerseits hatte ich noch das grandiose beginner-konzert von vor über 12 jahren auf der burg clam im kopf, andererseits auch die live-enttäuschung vom diesjährigen hip hop open, wo der funke einfach nicht überspringen wollte (zum bericht gehts hier). mir war nur eines klar: ich wollte von anfang bis ende dabei sein, mittendrin, am besten ganz vorne, um keine sekunde zu verpassen.

begonnen hat alles mit dem support „megaloh“. vor einem schwarzen vorhang durfte er auf einem 1 meter breiten streifen herumtänzeln und rappen. unterstützt wurde er von seinem dj. ich brauchte zeit um mit dem sprechgesangskünstler warm zu werden. viele der tunes empfand ich als drückend und beschwerlich. als fast ein bisschen zu sehr cloud-rap-angehaucht, als zu sehr neu-modernes-sprech-singen. zwar erwischte ich mich immer wieder beim mitnicken, aber in euphorischen ausdruckstanz bin ich nicht verfallen. lag aber wohl auch daran, dass es einfach schon sehr voll war und kein platz war, sich wirklich bewegen zu können. erst beim letzten song (ich glaube das war „ich weiß“) fand ich rein in den flow, in die beats und hatte mir mittlerweile auch ein bisschen mehr space erkämpft um den ein oder anderen bounce-move zu machen. nur: bei der letzten nummer ist es eigentlich viel zu spät um mit dem konzertgenuss zu beginnen.

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ich befand mich im vorfreude-mood, verdrängte alles was ich bis zu diesem zeitpunkt befürchtete und freute mich einfach nur auf die zeitlosen beginner-klassiker. ich war startbereit und die hamburger truppe ebenfalls. „ahnma“ ertönte und ich feierte es. die dumpfen töne zu beginn des songs wirkten wie warnsignale, wie wenn ein schiff in den hafen einfährt und man ein überdimensionales hochgefühl verspürt. sehr klug wurde dieses wohlgefallen in den nächsten song transportiert: hammerhart schallte aus den boxen und selbst der letzte oldschool-hörer ganz hinten summte vermutlich mit.

das bühnenbild war das gleiche wie im sommer, wieder sah man diese led-pyramide und dj mad ganz oben auf der spitze. auch waren die beiden backround-sängerinnen wieder am start. eizi eiz und denyo sprangen in guter alter manier vor und auf der pyramide herum, rappten und posierten mit ihren sonnenbrillen. für meinen geschmack wirkten sie fast ein bisschen zu unnahbar, aber ich hatte die hoffnung, dass das alles noch ein bisschen herzlicher, persönlicher werden würde. sonnenbrillen waren also (noch) ok.

alles wäre so gut gewesen, nur ich musste nach „wer bistn du ey“ den konzertsaal verlassen um meine kamera abzugeben. dass sich das als extrem schwieriges unterfangen herausstellte, kann man sich fast nicht vorstellen, aber die halle war so dermaßen voll, man konnte weder vor noch zurück. die hass-blicke, die ich erntete, waren wie kleine stiche ins herz. aber was sollte ich denn machen, wenn das die vorschrift war? dass ich danach auch noch die gaderoben-menschen anbetteln musste, dass ich meine kameratasche abgeben darf, und es fast nicht möglich war, weil bereits alles voll und geschlossen war, war die nächste farce. als fotografin ist es manchmal echt nicht leicht. aber egal, ich huschte wieder zurück und war wieder die meistgehasste person, weil ich durch die dichte menschenansammlung in die zweite reihe zu meiner konzertbegleitung wollte. zwei nummern verpasst, aber egal. zurück in den flow, zurück zur beginner-show!

nur, die selbe welle zu erwischen, nach meiner odyssee ausserhalb des konzertraumes, erwies sich wieder mal als nicht so leicht. „macha macha“ und „schelle“ hatten da ganz außen, am rechten rand einfach keine wirkung. ein bisschen besser wurde es bei „irgendwie, irgendwo, irgendwann“ – vielleicht auch weil wir alle so laut mitgesungen haben und den eigentlichen, bescheidenen sound ignorieren konnten. gut gemeint waren die gemeinsamen performances mit torch und megaloh, da ich banause aber das neue zeug gar nicht wirklich kannte und ich innerlich irgendwie einfach nur ein best-of der alten hits hören wollte, haute mich der kooperationsteil nicht so vom hocker.

wir befanden uns bereits in der mitte, fast schon im letzten drittel des sets und irgendwie vermisste ich die interaktion, das eingehen auf das publikum. wenn die rap-crew mal was sagte, verstand man es kaum (zumindest von meinem standpunkt). distanz war den beginnern einfach lieber, die sonnenbrillen trohnten immer noch auf ihren nasen, und statt mal einen takt vorzuklatschen setzten sie sich lieber hin. ich hatte ein kleines deja-vu, denn beim vergangenen hip hop open war es ähnlich. dieser funke, dieses gemeinsame, das wollte einfach nicht kommen. auch das zunehmende immer heftiger jubelnde publikum brachte die band nicht dazu, ein bisschen emotion zu zeigen.

zwei zugabenblöcke inklusive „es war einmal“ und „liebeslied“ versuchten noch etwas zu retten, aber die enttäuschung war trotzdem da. mit viel getanze und mitträllerei versuchten wir uns selbst zu betrügen und es uns schön zu singen, aber es funktionierte nicht so wirklich. wenn eine gruppe on stage die brücke zum publikum nicht bauen kann, helfen selbst die superhits nichts mehr. die rundherum nassgeschwitzten, mit bier-angeschütteten menschen hatten zwar sichtlich ihren spass, aber ich trauerte immer noch meinen unerfüllten erwartungen nach. trotzdem muss ich ihnen zugute halten, dass sie zumindest einen großteil meiner früheren lieblingslieder performt haben, eine gustav-gans-plüschfigur crowdsurfen war, ich meine nicht-vorhandenen-rap-skills auspacken konnte und das konzert deswegen trotzdem in positiver erinnerung behalten werde, als es hier vielleicht rüberkommen wird. mega-geil im gasometer ist halt fast unschaffbar – schön war es trotzdem, auch mit dem doofen gasometer-sound und der nicht zu übersehbaren unzugänglichkeit der hip hopper.

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