geordie greep in der flucc wanne: zehn songs laut setlist. eine gefühlte unendlichkeit laut erlebnis.

schon letztes jahr hatte geordie greep einen auftritt im chelsea, damals schaffte ich es aber nicht hin. diesmal wollte ich ihn nicht verpassen. gleichzeitig wusste ich überhaupt nicht, was mich erwarten würde. ich hatte mich eigentlich kaum informiert, nur einige songs interessant gefunden und mir gedacht: diese außergewöhnliche stimme möchte ich einfach einmal live erleben.

als ich ankam, war die band noch mitten im soundcheck. ein haufen menschen musste draußen ausharren, bis die tore endlich geöffnet wurden. ich nutzte die gelegenheit und stürzte mich direkt in die erste reihe – eine ziemlich gute entscheidung, denn die menschen, die danach in die flucc wanne strömten, waren auffallend viele riesengroße, schlaksige jungs. ich hatte einige fragezeichen im kopf, aber immer noch nicht das bedürfnis, genauer zu recherchieren. dann kam schon eine freundin, wir quatschten uns fest und plötzlich ging es los.

eine vorband gab es diesmal nicht, also starteten wir direkt mit voller energie in den auftritt von geordie greep. und ich war positiv überrascht: der graue anzug stand ihm richtig gut und machte optisch einiges her. rund um ihn versammelt war eine band, die sofort zeigte, dass hier keine gewöhnlichen musiker auf der bühne standen. jeder einzelne beherrschte sein instrument auf einem niveau, bei dem man sich fast fragte, ob diese menschen überhaupt noch zeit für irgendetwas anderes im leben haben. 

als ich die setlist erspähte, dachte ich nur: zehn songs? na dann sind wir wohl in einer stunde fertig. ich hätte nicht falscher liegen können. und: ich hätte mich besser vorbereiten sollen, denn was dann passierte, war intensiv. die setlist war für geordie greep offenbar weniger ein programm als eine grobe orientierung. die songs waren eher wegweiser, die kurz auftauchten, gestreift wurden und dann wieder in etwas völlig neues übergingen.

dieses konzert lebte von improvisation. von der ersten bis zur letzten minute. die bandmitglieder kommunizierten fast ausschließlich über blicke, und es war faszinierend zu beobachten, wie geordie greep seine mitmusiker nur mit kleinen gesten und augenkontakt steuerte. daraus entstand eine wilde fusion aus jazz und rock: melodien bauten sich auf, wurden immer größer, türmten sich übereinander und fielen anschließend wieder in sich zusammen. oft wurde dieses gemisch extrem laut – zum glück hatte ich gehörschutz dabei. gleichzeitig bedeutete das aber auch, dass ich nicht mehr jede einzelne nuance dieser improvisationen wahrnehmen konnte. eines war jedenfalls klar: es war wild. und die setlist war vermutlich die größte lüge dieses abends.

bis zur mitte des konzerts konnte ich mich sehr gut darauf einlassen. ich akzeptierte, dass ich keine zehn songs hören würde, sondern gefühlt fünfzig musikalische momente. ich wusste irgendwann nicht mehr genau, wann ein song begann oder endete. meine übliche konzertorientierung war komplett verloren. irgendwann merkte ich aber auch die andere seite dieser art von konzert. geordie greep zeigte uns sehr häufig den rücken, weil sein fokus verständlicherweise auf seiner band lag. dass das publikum damit nicht ganz glücklich war, bemerkte er selbst und meinte einmal, dass er wisse, dass wir vermutlich lieber „die richtigen lieder“ hören würden. nur um danach noch eine weitere lange improvisationsreise zu starten.

als schließlich „holy, holy“ erklang, dachte ich kurz: jetzt kommen wir langsam zum ende. natürlich war das ein trugschluss. es wurde weitergespielt, weiter aufgebaut, weiter improvisiert. irgendwann verließ ich meinen guten platz in der ersten reihe und akzeptierte, dass sitzen gerade besser war, als jede einzelne note direkt vor meiner nase analysieren zu müssen. danach ging ich kurz zur bar, denn mein durst war mittlerweile enorm. geordie greep spielte währenddessen einfach weiter. und weiter. und weiter. die spielzeit dürfte wohl bei zweieinhalb stunden gelegen sein – ganz sicher bin ich mir aber nicht. als der letzte ton schließlich verklungen war, war ich fast erleichtert. ich hatte zwischendurch tatsächlich das gefühl, dieses konzert könnte noch die ganze nacht weitergehen.

mein fazit: es war weniger ein klassisches konzert und mehr eine proberaum-session, bei der wir zufällig dabei sein durften. die große kommunikation mit dem publikum war nicht geordie greeps fokus – viel wichtiger waren die blicke zu seinen bandkollegen und das gemeinsame erschaffen von musik. ich bin immer noch erschöpft von diesem abend. gleichzeitig möchte ich diese erfahrung nicht missen. ich habe gelernt, dass improvisationslastiger jazz-rock vermutlich nicht mein persönliches wohlfühlgebiet ist – aber genau dafür geht man manchmal auf konzerte: um etwas zu erleben, das man nicht erwartet hat.

Geordie Greep Setlist Flucc, Vienna, Austria, Europe July 2026


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