in den soundwelten von chet faker: ein sommerabend auf der open-air-bühne der arena wien.
ehrlich gesagt erwartete ich alles und nichts. alles, weil ich so viel schönes mit der musik von chet faker verbinde. und nichts, weil ich dachte, er würde bestimmt ein superlangweiliges set spielen und mir damit all die positiven assoziationen zu seinen songs nehmen. und dann stand ich an jenem abend vor der open-air-bühne der arena und es galt herauszufinden, wie chet faker nun wirklich sein würde: alles. oder nichts.
der abend startete mit einem set von leyya. ich verehre die musiker:innen hinter diesem projekt, weil sie vor kreativität nur so sprudeln. live war mir das in der vergangenheit allerdings oft einen tick zu langatmig. als das duo neue, aber auch alte songs zum besten gab, war ich deshalb überrascht: diesmal lag der fokus weniger auf den weichen klangflächen, sondern vielmehr auf dem treibenden schlagzeug. und ihre musik wirkte kraftvoller und direkter. nicht mehr wie ein unauffälliger, dünner soundteppich, sondern wie etwas, das nach vorne drängte und direkt in unsere köpfe galoppierte. ich mochte das sehr.
irgendwann war es dann zeit für chet faker – und ich muss zugeben: ich habe geschummelt. ich hatte mir im vorfeld kurz die setlist angesehen und wusste: gleich zwei meiner lieblingssongs würden unter den ersten drei nummern kommen. zur erklärung: wenn ich während der ersten drei lieder im fotograben fotografiere, höre ich fast nichts von dem, was um mich herum passiert. ich bin dann so konzentriert und im flow, dass ich alles andere ausblende. dass ausgerechnet „drop the game“ und „no diggity“ in dieser zeit gespielt wurden, machte mich fast ein bisschen traurig.
traurig machte mich auch, dass das publikum anfangs extrem redefreudig war – und zwar während dem set. ich versuchte erst mit einem subtilen „pssssst“ dagegen anzukämpfen, doch erst ein deutliches „könnt ihr bitte ein bisschen leiser reden?“ brachte besserung.
und da stand ich dann: mittig, mittendrin, chet faker vor mir und musik um mich herum. es war, als würde jemand einen schalter umlegen. plötzlich war ich komplett eingeschlossen in dieser soundwelt. das stimmungsvolle bühnenlicht hüllte alles in watte, die musik zog mich an den armen und führte mich herum – durch meine gedanken, aber gleichzeitig auch in einen leeren raum, in dem ich völlig im moment sein konnte. „the thing about nothing“ hieß der fünfte song, und irgendwie passte dieser titel perfekt zu meinem zustand. keine gedanken. dafür unendlich viel musik.
mich begeisterten dabei nicht nur die scheinbar glatten popsongs, sondern vor allem auch die ausufernden, jazzigen klangexperimente. gemeinsam mit dem lichtkonzept ergab das eine atmosphäre, die mich komplett vereinnahmte. mal griff chet faker zur gitarre, dann wieder ans keyboard – ständig wechselten instrumente, dynamik und intensität, ohne dass der rote faden jemals verloren ging. es fühlte sich an, als würde jedes element genau dort landen, wo es hingehörte.
dann kam jener song, der für mich wahrscheinlich der absolute höhepunkt des abends war: „birthday card“. die geschwindigkeit, diese langsam anwachsende ekstase … es war unfassbar schön, gemeinsam mit all den menschen um mich herum zu tanzen. „vienna, are you ready?“, fragte chet faker kurz vor dem drop. und oh ja – wir waren sowas von ready. das ausufernde gitarrensolo wenig später war genau das, was ich in diesem moment brauchte.
danach wurde es wieder ruhiger, ehe der zugabenteil noch einmal alle türen aufstieß. die musik und das licht nahmen mich ein, ich wollte die zeit anhalten und mich einfach in diese klänge hineinlegen. mit „gold“ endete schließlich dieses konzert – und die tränen kullerten nur so über meine wangen.
ich hätte mich noch stundenlang in dieser musik verlieren können. kurz spielte ich sogar mit dem gedanken, am nächsten tag spontan nach linz zum nächsten konzert zu fahren (ich habe es nicht getan, danke vernunft). stattdessen blieb ich an jenem abend noch etwas länger in der arena und traf viele liebe menschen, die ich schon lange nicht mehr gesehen hatte. ich ging sehr glücklich und beseelt nach hause. chet faker hatte mir am ende tatsächlich alles gegeben – und ich war unendlich dankbar.












