vom selbst aufgenommenen mixtape zur eigenen radiosendung: wie ich bei radio orange 94.0 gelandet bin, was ich dort gelernt habe und warum freie radios eigentlich eine ziemlich coole sache sind.
schon als kind war ich sowas wie eine radiomoderatorin: ich stellte meine eigenen mixtapes zusammen und nahm auch gerne meine stimme auf, um zu moderieren. die idee, beim radio zu arbeiten, wollte nie ganz verfliegen. irgendwann dachte ich: ich versuch mein glück bei einem großen radiosender. aufgrund fehlender expertise wurde daraus allerdings nix.
und dann? dann entdeckte ich freie radios für mich. radios, bei denen jede_r selbst radio machen und dabei jede menge lernen kann. und ich musste endlich nicht mehr meine mixtapes für mich selber anmoderieren!
2015 machte ich einen grundkurs zur radiomacherin bei radio orange – zu einem sehr günstigen preis – und lernte innerhalb kurzer zeit eigentlich alles, was ich wissen musste, um mich ins radiostudio zu stellen. es war extrem niederschwellig: keine bewerbung oder sowas, sondern einfach reinsetzen, lernen und ausprobieren. einige zeit später konnte ich dann tatsächlich bei einer bestehenden redaktion andocken und die sendung ein bisschen auf meine bedürfnisse umkrempeln.
aber was genau sind freie radios eigentlich?
freie radios sind nichtkommerzielle, unabhängige und werbefreie radiosender, die von menschen aus der jeweiligen community gestaltet werden. grundsätzlich kann dort jede_r selbst radio machen – also nicht nur ausgebildete journalisten oder medienprofis. die sender stellen dafür die technische infrastruktur, ausbildung und das nötige wissen zur verfügung. dadurch entsteht ein programm mit einer unglaublichen bandbreite an themen, musik und perspektiven – und eben auch mit sendungen, die man im kommerziellen oder öffentlich-rechtlichen radio wahrscheinlich nicht finden würde.
in österreich haben freie radios eine ziemlich interessante geschichte. lange zeit gab es neben dem orf keine legalen privaten radiosender. ab den 1980er-jahren entstanden deshalb immer mehr piratenradios, die gegen das rundfunkmonopol und für mehr mediale vielfalt sendeten. aus dieser bewegung entwickelte sich schließlich der kampf um die legalisierung.
1993 wurde das orf-rundfunkmonopol teilweise aufgehoben, 1998 gingen die ersten freien radios mit regulären lizenzen auf sendung. radio orange 94.0 war damals das erste freie radio österreichs mit eigener sendelizenz. 2009 wurden freie radios schließlich auch gesetzlich als teil des österreichischen rundfunksystems anerkannt.
und wie wird man jetzt radiomacher?
so niederschwellig der zugang ist, ganz ohne ein bisschen lernen geht es natürlich nicht. am anfang steht ein grundkurs, in dem man das nötige handwerkszeug für die radioarbeit bekommt. danach gibt es verschiedene möglichkeiten: man kann bei einer bestehenden redaktion mitmachen – so bin ich zu meiner sendung gekommen – oder ein eigenes sendungskonzept entwickeln und einreichen. dazu gehört in der regel auch eine sogenannte nullnummer oder pilotfolge, mit der man zeigen kann, wie die geplante sendung aussehen soll. wenn alles passt, gibt es irgendwann auch einen eigenen sendeplatz.
und was darf man eigentlich senden? ziemlich viel! es muss nicht unbedingt die klassische musiksendung mit moderation zwischen zwei songs sein. auch hörspiele, features, reportagen, literatur oder vertonte märchen können ihren platz im freien radio finden. was es nicht sein soll: einfach nur ein mixtape ohne sprachanteil abzuspielen. schließlich geht es beim freien radio nicht nur darum, musik zu senden, sondern darum, eigene inhalte und perspektiven ins radio zu bringen.
sendungen können dabei live aus dem studio gesendet oder vorher aufgezeichnet werden. man kann also durchaus sein eigenes radioformat machen, ohne jede woche live vor dem mikrofon sitzen zu müssen.
meine kleine radio-karriere auf radio orange 94.0
ich war insgesamt 2,5 jahre teil der chilibox-sendung und habe dort einmal im monat musik gespielt – von den künstlern, die im darauffolgenden monat in wien auftraten. das machte für mich extrem viel sinn.
die sendung war immer live, jeden dritten donnerstag von 22 bis 23 uhr, und ich hatte auch immer wieder gäste im studio. dabei waren leute, die sich mit musik beschäftigten, aber natürlich auch viele musiker. manchmal spielten sie live im studio und durften immer ihre lieblingssongs mitbringen. außerdem gab es eine telefonleitung direkt ins studio – bei unserer sendung hat damals allerdings nur selten jemand angerufen.
das größte experiment, aber auch der größte erfolg war, als wir einmal eine zweistündige sendung hatten. unsere gastband war der karaoke bash, eine live-karaoke-band, und wir hatten viele weitere musiker eingeladen, die live im studio karaoke sangen. es war so eine wunderbare, völlig verrückte sendung mit so vielen tollen leuten. (man kann sie übrigens hier nachhören!)
im jänner 2018 beschloss ich mit dem radio machen aufzuhören – nicht weil es mir keinen spass mehr gemacht hat, im gegenteil! aber ich hatte in meinem leben inzwischen andere prioritäten und weitere verpflichtungen, die es für mich nicht mehr zuließen, mir regelmäßig die nächte um die ohren zu schlagen. unser sendetermin war und ist schliesslich ziemlich spät.
und: mit dem großen radiosender wurde es trotz radioerfahrung bei der nächsten bewerbung auch nix. macht aber nix – die zeit bei radio orange 94.0 war superschön, es war nicht notwendig zu einem anderen radiosender zu gehen!
freie radios gibt es übrigens nicht nur in wien
meine eigene radiozeit ist zwar schon ein paar jahre her, aber durch wienkonzert bin ich immer wieder mit menschen aus der freien radioszene in kontakt gekommen. erst dieses jahr habe ich zum beispiel die macher von radio lax kennengelernt, die ihre sendung auf radio helsinki in graz machen. auch mit mitwirkenden vom campus & city radio st. pölten durfte ich im laufe der jahre immer wieder bekanntschaft machen.
wer jetzt neugierig geworden ist, kann sich einfach einmal durch cba.media klicken. dort findet sich das archiv der freien radios mit unzähligen sendungen und beiträgen aus ganz österreich. gerade in zeiten von spotify-playlists finde ich den gedanken eigentlich ganz schön, wieder einmal eine stimme zwischen den songs zu hören, die man noch nie gehört hat – und vielleicht auch eine perspektive kennenzulernen, auf die man sonst nicht gestoßen wäre.
mehr über die freien radios in österreich, ihre geschichte und die einzelnen sender gibt es auf der website des verbands freier rundfunk österreich.
vielleicht selbst radio machen?
und wer selbst radio machen möchte, sollte es einfach versuchen. es ist eine wirklich tolle sache, die eigene idee und die eigene vision irgendwann tatsächlich im radio zu hören. ich kann jedenfalls sagen: aus meinen selbst aufgenommenen mixtapes ist tatsächlich eine eigene radiosendung geworden.






