forestglade: ein festival wie eine kleine zeitreise.
ich war nie auf dem ursprünglichen forestglade festival in wiesen. die neuauflage im schlosspark esterházy war für mich deshalb wie eine verspätete einladung in die 90er- und 00er-jahre. gebt mir ein line-up voller bands, mit denen ich aufgewachsen bin, schreibt festival drauf – und ich bin dabei. erst recht, wenn endlich eine band dabei ist, die seit ewigkeiten auf meiner bucketlist steht.
genau deshalb wollte ich unbedingt zum forestglade: wegen jet.
bei meiner einzigen chance, sie live zu sehen – am frequency festival 2009 – schaffte ich damals nur noch den allerletzten song. bei der solo-show von nic cester 2018 im chelsea musste ich nach wenigen liedern schon wieder los, weil am selben abend noch eine andere lieblingsband spielte. jet endlich wieder auf einem line-up zu entdecken und diesmal zu wissen, dass mir niemand diesen moment nehmen würde, fühlte sich fast an wie ein sechser im lotto.
als sie schließlich auf der bühne standen und ein riff nach dem anderen durch den schlosspark jagten, war ich einfach nur glücklich. bei „look what you’ve done“ war es dann endgültig vorbei – tränen liefen unaufhörlich über mein gesicht. und als wenig später auch noch „are you gonna be my girl“ erklang, hatte ich mein persönliches festivalhighlight erlebt. nicht nur musikalisch. ihre posen, ihre outfits und diese ganze ausstrahlung schrien nach 00er-jahre-coming-of-age-film. ich habe jede sekunde geliebt.
mit diesem glücksgefühl machte ich mich auf die suche nach meiner festivalbegleitung, die es sich unter den riesigen bunten ballons im kleinen wäldchen gemütlich gemacht hatte. bei tageslicht sah die installation mindestens genauso schön aus wie nachts. und einmal mehr fühlte sich dieses festival eher wie ein großes gartenfest als wie ein klassisches rockfestival an.
wir sammelten uns kurz, schmiedeten einen plan für den rest des tages und kümmerten uns um die wirklich wichtigen festivalfragen: wann trinken, wann essen und welche bands wir unbedingt sehen wollten.
ash überraschten mich danach deutlich mehr, als ich erwartet hatte. starke gitarren, jede menge energie und songs, die mir irgendwie bekannt vorkamen, ohne dass ich sie richtig zuordnen konnte. gleichzeitig meinte es die sonne fast ein bisschen zu gut mit uns. irgendwann war klar: erst einmal raus aus der ersten reihe und wasser nachfüllen.
frisch hydriert warteten wir auf the subways. und sie lieferten genau das, was ich mir von ihnen erhofft hatte. fliegende haare, ununterbrochene energie und eine band, die auf festivals einfach zuhause ist. billy crowdsurfte irgendwann mitten durchs publikum, „rock & roll queen“ wurde auf deutsch angestimmt und spätestens bei „my best days are with you“ musste ich schon wieder gegen die tränen kämpfen. ja, das zog sich irgendwie durch den ganzen tag.
nach so viel euphorie wurde es zeit für essen. life of agony ließen wir bewusst aus – metal ist einfach nicht meine welt und mein gemütliches essenstempo hätte ohnehin ein ganzes konzert verschlungen. während wir das treiben vom anderen ende des geländes beobachteten, fiel uns plötzlich auf, dass gefühlt alle dieselben kurzen sneaker-socken trugen. spätestens da war klar: die zielgruppe dieses festivals war eindeutig.
new model army konnten mich danach leider nicht wirklich abholen. obwohl es vor der bühne brechend voll war, sprang der funke bei mir einfach nicht über.
zum abschluss standen rise against auf dem programm. eine band, die mich viele jahre lang begleitet hat und sich trotzdem sofort wie ein kleines heimkommen anfühlte. mit den ersten tönen kamen unzählige erinnerungen zurück. die energie war gut, auch wenn mich the subways an diesem tag ein kleines bisschen mehr begeistert hatten. dafür sorgten „hero of war“ und „swing life away“ erneut für feuchte augen.
das forestglade festival war für mich weniger ein nostalgiefestival als eine kleine zeitreise. endlich jet sehen, für einen tag in die 90er- und 00er-jahre eintauchen und dabei feststellen, dass manche bands einen heute noch genauso berühren, während andere vor allem schöne erinnerungen geblieben sind. dazu ein traumhafter schlosspark, eine überraschend entspannte an- und abreise und jede menge glücksgefühle. wenn alle zeitreisen so angenehm wären, würde ich sofort wieder eine buchen.

























