auf nostalgie-trip: billy talent machten das restlos ausverkaufte arena open air zu einer ganz besonderen zeitreise.

eigentlich hätte mein montag ganz anders ausgesehen. eigentlich hatte ich tickets für „the flaming lips“ im gasometer. dieses konzert wurde aber gegen mittag abgesagt, weil der sänger mit einer lungenentzündung im krankenhaus lag. also stellte ich mich auf einen ruhigen abend ein – und war eigentlich ganz froh darüber. doch um 19:20 uhr kam plötzlich eine nachricht einer freundin: sie hatte ein ticket für „billy talent“ übrig, ich könnte es kostenlos haben. gegen spontane konzertangebote bin ich offenbar machtlos. eine stunde später stand ich schon im open-air-areal der arena und durfte doch noch bei einem restlos ausverkauften konzert dabei sein.

eigentlich habe ich vor rund zehn jahren aufgehört, punkrock zu hören. als die ersten töne von billy talent durch die boxen schallten, war aber sofort wieder alles da. ich erkannte jeden song, hatte tausend situationen im kopf, in denen ich billy talent gehört habe, und dachte an menschen von damals. wahrscheinlich genau deshalb feiert die band das 20-jährige bestehen des albums ii mit einer tour, auf der es komplett gespielt wird: um genau dieses gefühl auszulösen. und das ist definitiv gelungen.

weniger nostalgisch und eher ein bisschen stehen geblieben wirkten dagegen die animierten windows-hintergrund-visuals. irgendwie passten sie zur band. gleichzeitig wirkten sie aber erstaunlich altbacken. gerade auf einer bühne dieser größe wäre visuell so viel mehr möglich gewesen.

mitleid hatte ich außerdem mit meinen ohren. durch die spontane entscheidung hatte ich meinen gehörschutz zu hause vergessen. tontechnisch war das leider ebenfalls schwierig: stellenweise war der gitarrist deutlicher zu hören als sänger ben kowalewicz selbst, dazu war das konzert schlicht unerträglich laut. falls sich also jemand gefragt hat, warum ich mir zwischendurch immer wieder die ohren zugehalten habe – das war der grund.

zurück zur setlist: sie war in zwei teile gegliedert. zuerst wurde das album komplett gespielt, danach folgte eine ganze reihe an hits. und ja, da waren schon einige dabei, trotzdem schafften es meine – noch älteren – lieblingssongs leider nicht auf die setlist. aber man kann eben nicht alles haben.

was ich dafür bekommen habe, war ein frontman, der ordentlich gas gegeben hat. mein fotografisches auge freut sich natürlich immer, wenn jemand nicht dauerhaft dieselbe pose einnimmt. ben brachte zumindest etwas abwechslung auf die bühne, auch wenn da durchaus noch mehr möglich gewesen wäre. andererseits müssen billy talent heute niemandem mehr etwas beweisen. sie wissen genau, was ihr publikum hören möchte – und genau das liefern sie. und diese rechnung ging mit sicherheit auf.

wie fand ich den abend also insgesamt? der nostalgie-ausflug war schön. zwar mit visuellen und tontechnischen einschränkungen, aber im punkrock ging es vermutlich noch nie darum, dass alles perfekt ist. die band war sympathisch, das publikum größtenteils angenehm – was will man mehr?

ich werde trotzdem vermutlich wieder zehn jahre warten, bis ich billy talent das nächste mal sehe. mein anspruch an konzerte hat sich einfach verändert. nostalgie allein reicht mir persönlich meistens nicht mehr. aber das ist eben nur mein anspruch, nicht der der anderen. für die allermeisten war das an diesem abend mit sicherheit ein großartiges konzert.

 

Billy Talent Setlist Arena (Sommer Arena), Vienna, Austria 2026, Billy Talent II 20th Anniversary Tour


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