über vorfreude, absagen und die seltsame art, wie live-musik manchmal nur in er vorstellung existiert. 

ein konzert beginnt eigentlich nicht mit dem einlass, sondern viel früher: mit der ankündigung. und manchmal fühlt sich genau dieser moment schon wie der eigentliche abend an. bevor überhaupt etwas passiert ist. man malt sich aus, wie die setlist wohl zusammengestellt ist, wie das bühnenbild aussieht, wie das lichtkonzept einen durch den abend trägt. die vorstellung von einem raum, der noch gar nicht existiert, wird im zuge der vorfreude fast schon real.

man hört sich durch songs, stellt sich vor, wie man vor der bühne steht, überlegt, was man anzieht und wie man die beste zeit mit seinen freunden hat. irgendwann ist ein abend schon so konkret, dass er sich fast wie eine erinnerung anfühlt.

wenn konzerte verschwinden, bevor sie beginnen.

konzerte existieren manchmal zuerst im kopf – und verschwinden genau dort wieder, bevor sie real werden. und das ist mir in den letzten jahren mehr als einmal passiert.

da war dieses konzert von diiv im märz 2020, kurz vor dem ersten lockdown. am selben tag gegen mittag prasselte die absage wegen des coronavirus auf uns ein. viele weitere absagen folgten. und plötzlich betraf diese ausnahmesituation nicht nur „die anderen“, sondern auch uns live-musik-liebhaber. damals war das einfach ein umstand, heute wirkt es eher wie der erste riss in einem muster.

dann später wurden drei shows von taylor swift im august 2024 in wien abgesagt – wegen konkreter sicherheitsbedenken. ein anderer kontext, eine andere dimension, aber wieder dieser gleiche bruch: etwas, das im kopf schon begonnen hat, wird aus der realität herausgezogen, bevor es sich überhaupt setzen kann. wien war tagelang im ausnahmezustand.

oder als oscar and the wolf drei stunden vor showbeginn im februar 2025 in berlin sein konzert absagte. ein abend, der sich schon nicht mehr wie eine möglichkeit angefühlt hat, sondern wie etwas, das gerade dabei war, zu passieren. wir waren extra wegen ihm hingeflogen. auch wegen anderer konzerte, aber hauptsächlich wegen ihm.

und jetzt ist oliver tree verstorben. mitten auf seiner welttournee. knapp einen monat vor seinem auftritt in der wiener arena. ein konzert, das in meinem kopf bereits fertig war. nicht vage, sondern sehr konkret. ich wusste bereits, wie ich mir den abend vorstelle. ich freute mich unendlich darauf. und dann dieser moment, an dem klar wird, dass genau diese version nicht stattfinden wird. nicht verschoben, nicht ersetzt, einfach weg.

und während ich diese zeilen schreibe, ist auch schon die nächste konzertabsage reingeflattert: the flaming lips verlautbarten zur mittagszeit die absage des konzerts am selben abend – wegen der lungenentzündung ihres sängers. absolut verständlich. aber trotzdem schmerzhaft.

konzerte existieren doppelt. einmal als ankündigung, einmal als realität.

dazwischen liegt ein raum, in dem konzerte schon komplett sein können, bevor sie überhaupt begonnen haben. und wenn sie dort verschwinden, bleibt keine erinnerung zurück, sondern etwas viel schwereres zu greifen: eine leere stelle in etwas, das schon form angenommen hatte.

gleichzeitig gibt es natürlich die anderen konzerte. die, die einfach stattfinden. ohne riss. ohne bruch. die sich in erinnerung verwandeln, wie sie sollen. aber die verschwundenen bleiben oft länger hängen, weil sie nie abgeschlossen wurden.

ein konzert beginnt nicht mit dem einlass, sondern mit der ankündigung. und manchmal endet es genau dort auch wieder.

ruhe in frieden, oliver tree. 

 

 


screenshots of vanished nights:

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