filiah zwischen intimem indie-pop, großer bühnenpräsenz und einer release-show, die manchmal mehr wollte als nötig gewesen wäre.

es war am 23.09.2022, als ich „filiah“ zum ersten mal live erleben durfte – damals als support-act für mild orange. ich weiß noch, dass ich mir damals dachte: diese stimme bleibt hängen. und genau dieser gedanke führte mich knapp vier jahre später schließlich ins porgy & bess zur release-show ihres debütalbums „a deep breath out“.

eröffnet wurde der abend von the belgian blue. eigentlich dachte ich: perfekter win-win-abend. allerdings hatte ich die rechnung ohne das porgy & bess gemacht. als die band ihr set begann, war das zwar schön gespielt, fühlte sich für mich aber komplett fehl am platz an. vor einem jahr hatte ich sie in der kleinen halle der arena gesehen – einer etwas ranzigeren location, in der ihr indie-folk wunderbar aufgegangen ist. das porgy & bess wirkte dagegen steril und steif. selbst die unbeweglichen deckenlichter trugen ihren teil dazu bei. schade eigentlich, denn dadurch konnte ich diesmal kaum eine verbindung zum konzert aufbauen. nächstes mal bitte wieder auf einer ranzigeren bühne.

bei filiah dachte ich zuerst, dass die umgebung besser funktionieren würde. und als sie die bühne betrat war das tatsächlich sofort beeindruckend: weißes flatter-outfit, lockiges haar, viel bewegung. sie brachte vom ersten moment an energie auf die bühne und ich mochte das sehr. trotzdem fühlte sich auch dieses stehkonzert seltsam an – direkt vor der bühne standen die sonst im raum verteilten tische. irgendwie wollte die atmosphäre nie ganz aufgehen. aber ich versuchte, das so gut wie möglich auszublenden.

im gegensatz zum support störte mich das starre deckenlicht bei filiah weniger, weil zusätzlich mit nebel und unterschiedlichen farben gearbeitet wurde. zwar noch immer weit entfernt von meiner idealvorstellung eines lichtkonzepts, aber immerhin atmosphärischer.

filiah wusste jedenfalls, wie man bewegung auf eine bühne bringt – nicht nur körperlich, sondern auch durch ständige positionswechsel. mal tanzend seitlich positioniert, mal mit e-gitarre oder akustikgitarre in der mitte, mal ihren backgroundsängerinnen zugewandt, dann wieder der band. besonders schön war ein moment, in dem sie alleine sang, während ihre band am boden saß – das wirkte überraschend intim. später setzte sie sich alleine ans klavier. theoretisch hätte das einer der stärksten momente des abends werden können, allerdings saß sie dabei mit dem rücken zum publikum, was die wirkung etwas verlor.

musikalisch reichte das set von wirklich eindrucksvoll bis stellenweise vorhersehbar. songs wie „everybody knows“ und „sad girl with a punchline“ blieben sofort hängen, gleichzeitig fühlten sich manche nummern eher wie lückenfüller an. insgesamt spielte filiah fast zwei stunden – für eine release-show war mir das persönlich deutlich zu lang. ich verstehe, dass sie an diesem abend, der gleichzeitig ihr geburtstag war, möglichst viel hineinpacken wollte. aber manchmal ist weniger mehr. das galt für mich übrigens auch bei den ansagen. manche gedanken hätten in interviews vermutlich besser funktioniert als mitten im konzert. gut funktioniert hat hingegen ihre aufforderung ans publikum einmal richtig loszuschreien – dieser teil ihrer show sollte jedenfalls beibehalten werden. denn wann kann man schon einmal völlig grundlos losschreien?

am ende blieb trotzdem eine starke performance in erinnerung. filiah bewegt sich unglaublich gut auf der bühne und besitzt nach wie vor eine herausragende stimme. manchmal fühlte es sich an wie eine österreichische version von lorde, dann wieder an die etwas zu gesprächigen momente mancher deutsch-pop-konzerte. wie auch immer: genau wegen dieser stimme war ich dort – und genau die hat mich nicht enttäuscht.

 

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