conan gray winkte sich durch die stadthalle – zwischen matrosenhüten, maritim-vibes und einem publikum, das lieber winkte als klatschte.

als ich bei der stadthalle ankam, war ich kurz überzeugt davon, versehentlich bei einem matrosentreffen gelandet zu sein. überall matrosenhüte, gestreifte outfits, maritim-vibes. ich hatte das memo offenbar nicht bekommen – oder mich einfach schlecht vorbereitet. natürlich wusste ich, dass es mittlerweile irgendwie dazugehört, sich passend zum „vibe“ eines konzerts anzuziehen. aber dass das so konsequent durchgezogen wird? damit hatte ich nicht gerechnet. matrosenhüte in der stadthalle standen jedenfalls nicht auf meiner bingokarte für 2026.

bevor conan gray die bühne betrat, eröffnete zunächst esha tewari den abend. sie trug einen sehr kurzen minirock und spielte ebenso kurze songs, die oft so abrupt endeten, dass ich jedes mal kurz verwirrt war. vielleicht macht man das heute einfach so. vielleicht habe ich auch das nächste memo verpasst. jedenfalls war ich mehrfach überrascht, wenn ein song plötzlich vorbei war, obwohl er sich noch gar nicht fertig angefühlt hatte.

dann kam conan gray. ich wusste im vorhinein nicht genau, was mich erwarten würde – und genau dieses gefühl blieb eigentlich den ganzen abend über bestehen. er fuhr mit einem fahrrad auf die bühne, trug weiße halbschuhe, locken, ein dauerhaft verschmitztes lächeln und natürlich: matrosenhut inklusive overall. dazu kamen bewegungen, die aussahen wie eine choreografie, ohne wirklich eine zu sein. er tänzelte über die bühne, winkte ununterbrochen ins publikum und wirkte dabei fast wie eine figur aus seiner eigenen kleinen welt.

überhaupt wurde an diesem abend sehr viel gewunken. conan gray winkte, das publikum winkte zurück, dann winkte wieder conan gray. und vielleicht war das der grund, dass der applaus teilweise fast unterging. es wurde zwar geklatscht, aber eher kurz und zurückhaltend. das hier war eindeutig mehr ein wink- als ein klatschpublikum.

die show selbst war in mehrere akte unterteilt, inklusive outfitwechseln. auf den matrosenlook folgte irgendwann ein schlafanzug, später eine rote flatterbluse und am ende noch eine glitzernde blaue uniform. dazu wechselten auch die bühnenkulissen ständig. besonders mochte ich das bett auf der bühne – ehrlich gesagt würde ich wahrscheinlich auch ein bett auf die bühne stellen, wenn ich popstar wäre – und natürlich das boot, das perfekt in dieses etwas verträumte conan-gray-universum passte.

musikalisch brauchte ich allerdings eine weile, um wirklich hineinzufinden. der sound war anfangs schwierig, weil man teilweise mehr das publikum singen hörte als den sänger selbst. das besserte sich im laufe des abends. und als ich conan grays stimme dann tatsächlich klar hören konnte, war ich überrascht, wie quietschend sie eigentlich klang. aber genau das passte wiederum erstaunlich gut zu seiner gesamten ausstrahlung: grinsen, winken, quietschen.

ein paar songs blieben mir definitiv im kopf, auch wenn ich sie nicht alle namentlich zuordnen kann. mein persönliches highlight war „maniac“. dort hatte ich zum ersten mal das gefühl, wirklich mitten in einem großen popmoment zu stehen. die energie war plötzlich da, das publikum komplett drin, und auch ich verstand für einen moment sehr gut, warum conan gray für viele junge menschen so eine wichtige person ist.

den rest des abends verbrachte ich irgendwo zwischen faszination und leichter verwirrung. ich hatte das gefühl, in eine sehr eigene welt hineinzuschauen, die klare regeln, klare ästhetiken und sehr viel emotionale identifikation mitbringt. auch wenn mich musikalisch nicht jeder moment abgeholt hat, blieb vor allem eines hängen: conan gray schafft es, dass sich tausende menschen gleichzeitig fühlen, als wären sie teil seines kleinen matrosenuniversums.

Conan Gray Setlist Wiener Stadthalle (Halle D), Vienna, Austria 2026, Wishbone World Tour

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