konzert #105: middle kids @ chelsea | 11.11.2018

erfrischend einprägsam, angenehm freundschaftlich und beeindruckend qualitativ: die australische gruppe „middle kids“ zeigte sich im chelsea von ihrer allerbesten seite.

erwartungslos und ein bisschen müde fanden wir uns sonntag abend im chelsea ein. statt gemütlich auf der couch vor dem fernseher dahin zu vegetieren, waren wir tatsächlich rausgegangen. die „middle kids“ waren unser abendprogramm. mehr als vermutet war los, aber dann doch nicht zuviel, um nicht ausreichend platz zu haben. aus zuschauersicht ein richtig angenehmer start.

okay, vielleicht war ich doch nicht ganz so erwartungslos. da ich mich immer überraschen lassen möchte, schaue ich nie, welche setlisten bei vergangenen konzerten gespielt wurden. aber mein freund ist da anders gestrickt und verriet mir, dass die middle kids eventuell ein blink-182-cover spielen könnten. noch dazu „all the small things“. zum einen wollte ich es gerne hören, zum anderen fand ich es doof, solche songs zu covern. ich nahm mir also ganz fest vor, mich ohne irgendwelche annahmen auf die show einzulassen.

wir nahmen eine weitere maßnahme vor, um dem unterfangen „konzertbesuch“ mehr pepp zu geben. raten, welche farbe die hauptprotagonistin tragen könnte. ich wählte blauen jeansstoff, mein freund entschied sich für die farbe rot. als die australische gruppe dann die bühne stürmte, und genau gar nichts blaues trug, war ich kurz enttäuscht, aber gleichzeitig auch angestachelt, dieses outfitfarbe-raten öfter zu machen. wie auch immer. „bought it“ ertönte, und kurz kam in mir die angst auf, die musik könnte zu country-lastig werden. warum ich country eigentlich nicht mag, weiß ich gar nicht. aber die middle kids entpuppten sich dann eh sehr schnell als rock-band. eine rock-band, die unheimlich witzig zu sein schien und enormen spaß auf der bühne hatte.

„on my knees“ lautete das vierte stück des abends, ein sehr energiegeladenes und einprägsames lied. bereits ab dieser nummer hatten sie meine volle aufmerksamkeit. es war die art von song, zu der man eher am ende eines sets voll abgehen möchte, aber dieses schon am anfang zu platzieren war auch keine schlechte idee. sich den tönen hinzugeben und schon so früh in den abgeh-modus zu fallen, hatte seine vorteile. denn als der fünfte song „edge of town“ erklang, wollte ich mich bereits als fan bezeichnen. die stimme von sängerin hannah cameron kam so gut zur geltung, ich war auf der stelle beeindruckt.

neben extrem starken nummern waren es vor allem ihre geschichten zwischendurch, und die aktive kommunikation untereinander, die den auftritt fast wie einen proberaum-auftritt von freunden erscheinen ließ. intim, aber trotzdem auf eine ganz besondere art und weise auch ziemlich groß, konnten sie sich als band präsentieren, die man mehr als einmal gesehen haben möchte. die man vermutlich in kleinem und großen rahmen gut finden kann. dass der kleine rahmen auf alle fälle wunderbar funktioniert, zeigte dieser gig im chelsea eindrucksvoll.

hatte ich schon erwähnt, wie sehr ich fan von hannah camerons stimme wurde? ich traute ihr anfangs so ein stimmvolumen gar nicht zu, und auch ihre künste auf der gitarre waren eine überraschung für mich. ebenso diese freundliche art, songs zu erklären, fand ich toll. ja, anscheinend fand ich alles an dieser show ziemlich toll. weniger toll fand ich das ende: ohne zugabe, nach 15 gespielten songs, verließ die gruppe die bühne. und ja – ohne in betracht zu ziehen, dieses eine cover von blink182 zu spielen. ich war ein bisschen enttäuscht. nicht wegen der gesamtheit, aber wegen diesem einen song, den ich eigentlich gar nicht hören wollte, aber irgendwie eben doch.

am schluss war ich aber trotzdem froh, dem auftritt der australischen band beigewohnt zu haben. auch ohne blink-182-cover. und ohne gewonnenem outfit-raten. am ende zählt eben die gesamtheit der performance, und von der war ich ja schon sehr früh angetan. danke middle kids, für diesen tollen sonntag abend.

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