zwischen lasershow, kamerakränen und kollektivem gemeinschaftsgefühl fühlt sich der eurovision song contest vor ort manchmal weniger wie eine musikveranstaltung an – und mehr wie ein fiebertraum.
ich wollte eigentlich gar nicht zum eurovision song contest. bei der dazugehörigen fernsehshow bin ich sonst immer eingeschlafen, also erschien es mir absurd, dafür geld auszugeben. die registrierung für den ticketverkauf ließ ich deshalb bewusst aus.
in den letzten tagen landete ich dann aber doch immer wieder auf der fansale-seite – und konnte kaum glauben, wie günstig dort tickets angeboten wurden. manche kosteten nur 11,50 euro. irgendwo im letzten eck zwar, aber dabeisein ist schließlich alles. dann entdeckte ich plötzlich einen stehplatz um 40 euro und klickte spontan auf kaufen. denn wann gewinnt österreich realistischerweise wieder? und wann kommt man jemals wieder so günstig in die nähe einer eurovision-song-contest-bühne?
außerdem gefiel mir die idee einer zweistündigen preview-show an einem dienstagnachmittag erstaunlich gut. ein bisschen esc erleben und danach trotzdem noch den ganzen abend für sich haben – das klang fast luxuriös effizient. das vierstündige finale hätte ich ohne liegeplätze ohnehin nie überstanden.
in der stadthalle angekommen, stellte ich mich zunächst bei der falschen schlange an, fand aber schließlich doch noch in die halle hinein. die stehplätze waren bereits gut gefüllt, während auf der bühne noch anheizer das publikum unterhielten.
zur vorbereitung hatte ich mir ein podcast-interview mit dem lichttechniker des esc angehört, der sich darüber beschwerte, dass die decke der stadthalle weiß ist. mein erster blick ging deshalb sofort nach oben. ich beobachtete die lichtshows, die crew, die kameraleute, die ton- und lichtassistent:innen – und natürlich den teleprompter, von dem ich bis dahin nicht wusste, dass der komplette moderationstext permanent mitläuft.
musikalisch war das erste semi-finale stark auf große popshow ausgerichtet: laser, feuer, tänzer:innen und möglichst viel energie. und tatsächlich merkte man schnell, dass ruhigere songs in dieser umgebung fast verloren wirkten. viel licht macht etwas mit einem. es lässt alles größer wirken – mehr nach spektakel als nach konzert.
gleichzeitig geht vor ort überraschend viel dramaturgie verloren. kameraleute laufen durchs bild, irgendjemand versperrt ständig die sicht, manche momente funktionieren nur durch die fernsehregie. im tv kann man sich oft besser auf das eigentliche geschehen konzentrieren – auch wenn die hektische kameraführung bei schnelleren nummern teilweise fast schon schwindelig macht.
und vielleicht liegt genau dort der unterschied: man besucht den esc vor ort nicht primär wegen der musik. man besucht ihn wegen der stimmung. wegen des vibes, des rahmenprogramms, des gefühls, teil davon zu sein. im foyer stehen fotospots und bastelstationen, überall fiebern menschen mit ihren favoriten mit. es erinnert fast ein wenig an ein fußballspiel in der regionalliga – man erwartet keinen perfekten sport, sondern ein gemeinschaftsgefühl.
am ende waren die 40 euro für mein einmaliges dabei sein völlig okay. mehr hätte ich persönlich allerdings nicht bezahlt. dafür war ich wohl zu sehr beobachterin und zu wenig echter esc-fan.
alle infos zum eurovision song contest findet ihr auf der offiziellen webseite des orf.






