blood orange haben das publikum der open air arena ordentlich fühlen lassen – ein set zwischen unkonventionellem, minimalismus und tiefe.
fast genau zwei wochen zuvor kam ich erstmals in den genuss eines livekonzerts von „blood orange“ – nämlich am øyafestivalen in norwegen. es hat einfach alles gestimmt an diesem auftritt und ich freute mich daher unendlich auf eine wiederholung in der arena wien. würde es hier genauso funktionieren?
ich kam gerade noch rechtzeitig zum supportact „mackeeper“ und war, naja, überrascht. zwei junge buben, die scheinbar noch nie vor so großem publikum aufgetreten sind, versuchten eine show abzuziehen. die stimmen etwas schief, die dankbarkeit groß, aber irgendwie auch leicht übertrieben. manche songs mochte ich, so von der grundstruktur, manche eher weniger. etwas später kam immer mehr autotune zum einsatz – vielleicht hätten sie den move früher machen sollen, um die schiefen stimmen zu verschleiern. wie auch immer: muss ich vorerst kein zweites mal sehen.
meine aufregung war groß: würde der sound genauso drücken wie vor zwei wochen? würde es die visuals geben und wie würde die band drauf sein? in meinem kopf stapelten sich die fragen. und beim ersten song „somewhere in between“ kam dann gleich die erleichterung: „blood orange“ lieferten auch in der arena. es wurde gleich nachgelegt mit einem cello-solo und schönsten posen mit all den anderen instrumenten. das publikum war begeistert, von beginn an, alles war scheinbar wunderbar.
aber war es das wirklich?
ich hatte versucht, die songfragmente zu fühlen, mich einzulassen. und das ist mir in teilen auch gelungen. die lieder von blood orange existieren vorrangig, um sie durch den körper, ja wahrscheinlich sogar durch den geist zu jagen. aber ich als visueller mensch hab das visuelle vermisst.
versteht mich nicht falsch: visuell war die band superschön anzuschauen. ich liebte auch das legere auftreten von dev hynes mit kappe, kopfhörern und chill-klamotten. aber mir fehlte das licht. es war so minimal – so minimal wie die darbietung von „mind loaded“, den ich auch viel pompöser in erinnerung hatte. und wo waren die visuals? diese videobilder, die den auftritt vor zwei wochen noch so viel stärker unterstrichen und getragen hatten? in der arena blieb der hintergrund einfach dunkel.
vielleicht ist es auch jammern auf hohem niveau. in teilen war er da, der druck, die tiefen, dieses körperliche gefühl. aber kaum kam man richtig in fahrt, war der song schon wieder zu ende. auch die ansprache von dev hynes fiel kurz aus – wobei ich ihm hoch anrechnen muss, dass er immerhin auf deutsch mit dem publikum sprach. dieses ging ohnehin begeistert mit, bejubelte die band und liebte das set.
und ja, auch für mich waren jede menge hits dabei. nur die verpackung war nicht das, was ich erwartet hatte. nach dem erlebnis in oslo hatte ich mir wahrscheinlich genau dieses zusammenspiel aus musik, licht und visuals wieder erwartet. dort hatte alles ineinandergegriffen und eine eigene kleine welt geschaffen. in der arena blieb für mich diesmal einiges davon auf der strecke. dass das konzert dann nach nur knapp 70 minuten ziemlich abrupt endete, verstärkte diesen eindruck zusätzlich. gerade als ich dachte, jetzt könnte es sich noch richtig entfalten, war es auch schon vorbei.
vielleicht war genau das mein problem: ich hatte blood orange zwei wochen zuvor bereits in einer version erlebt, die für mich nahezu perfekt funktioniert hatte. ich wusste also, was diese musik live auslösen kann – und vielleicht war die erwartung dadurch einfach zu groß. in der arena war vieles davon wieder da: die songs, der druck, die band, die schönen momente. aber dieses ganzheitliche erlebnis, bei dem musik, licht und visuals zu einer eigenen welt verschmelzen, wollte sich diesmal nicht ganz einstellen.
das konzert war deshalb keineswegs schlecht. es war nur nicht das konzert, das ich zwei wochen zuvor erlebt hatte. und vielleicht ist genau das manchmal das pech eines zweiten blicks: man weiß bereits, wie unfassbar gut es werden kann.





















