einmal norwegen mit festival bitte: eine geschichte über das øyafestivalen.

ein festival in norwegen zu besuchen stand zwar nicht unbedingt auf meiner bucketlist, aber die hohen temperaturen in diesem sommer in wien sagten mir vor allem eines: für den sommerurlaub ab in den norden zum abkühlen! also fiel die wahl auf oslo und das dazugehörige festival øyafestivalen nahmen wir gleich mit.

12.08.2026 | dove ellis, oklou, the cure

ich wählte eine unterkunft, die fußläufig vom festival war – und wie sich im laufe der nächsten tage noch herausstellen sollte, war das wahrscheinlich eine meiner besten ideen in diesem festivalurlaub. eine weniger gute idee war es, gleich am ersten tag noch sightseeing in den vormittag zu packen – deswegen kamen wir am nachmittag dann auch schon etwas müde am festivalgelände an.

apropos festivalgelände: die anreise mit dem bus war das eine, den festivaleingang zu finden das andere. wir schlossen uns der masse an, die offensichtlich nicht den richtigen, offiziellen weg wählte, sondern über schleichwege durchs gebüsch zum eingang führte. hauptsache ankommen! und ankommen war gar nicht so einfach. zunächst fand ich tøyenparken, wo sich das festival abspielte, relativ unübersichtlich. aber irgendwann fanden wir sie dann doch, die bühne vindfruen, auf der gerade „dove ellis“ spielte. dove ellis kommt aus irland und macht diesen typischen singer/songwriter-indie-folk, der einen schmelzen lässt. song um song war ich fasziniert, was für ein stimmorgan der junge im karohemd hat und wie schön es eigentlich war, gerade in diesem park unter einem baum zu stehen und dieser schönen musik zu lauschen. erster musikact des tages: volltreffer!

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wir wanderten ein bisschen weiter, schauten uns die gastro-area an und holten uns auch gleich einen kleinen snack. eines der günstigsten essen am gelände: eine art pizzasemmel – um günstige 9 euro. die preise waren generell extrem hoch und die essensbeschreibungen alle auf norwegisch. als mensch mit lebensmittelunverträglichkeiten eher nicht so optimal, aber gut.

was mir auch sofort auffiel: alle hatten eine tüte popcorn in der hand. popcorn ist der kostengünstige snack, der nicht nur im kino, sondern in allen lebenslagen gegessen wird. eben auch auf einem festival. und deswegen gab es sogar extra popcorn-stände. das hat mich ziemlich fasziniert!

außerdem gab es überall säulen, in die man seine tschickstummel werfen konnte. jeweils mit zwei einwurfmöglichkeiten, sodass man quasi nebenbei abstimmen konnte. bei einer box lautete die frage: „blood orange oder nick cave

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wir wanderten weiter, vorbei an „annahstasia“ auf der hagen bühne, zur sirkus bühne – eine art halle und somit perfekt für atmosphärische, elektronische musik. denn „oklou“ folgte als nächste und ich freute mich unfassbar auf sie. ihr set war ein auf und ab: mal hab ich’s gefühlt, mal dachte ich, irgendwas fehlt bei den songs. vielleicht mehr bass? mehr substanz? und eventuell hätten die lieder auch länger als gefühlt nur eine minute sein können? die performance auf der bühne, mit vielen spielen mit dem schatten und der kamera, war dafür extraschön und holte uns zurück in den fokus auf nur eine sache, nämlich die musik. „harvest sky“ war der absolute hit und alle tanzten. das war für mich ein kleiner mir-kullert-eine-träne-übers-gesicht-moment!

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und danach war es auch schon an der zeit, zur größten bühne am gelände zu marschieren, zur amfiet bühne. diese natürliche arena war der perfekte schauplatz für den headliner des ersten abends, nämlich „the cure„. und immer wenn ich the cure sehe, ist es wieder eine arge erkenntnis, was für eine glasklare und starke stimme robert smith eigentlich hat. die show war voller hits und absolut solide, ich war sehr zufrieden.

weniger zufrieden war ich mit der abreise vom festival: der hügelige weg zum ausgang war dunkel und kaum sichtbar und es war einfach nicht wirklich herauszufinden, wie man öffentlich von dort wegkommen würde. zumindest ist es mir in all meiner recherche nicht gelungen, das herauszufinden. zum glück war unser fußweg zu unserer unterkunft nur knapp 20 minuten und komplett flach – das war absolut zumutbar.

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13.08.2026 | wilco, geese, nick cave, blood orange

weil ich minimal gefroren hatte, kaufte ich mir am vormittag ein longsleeve – kurze ärmel waren mir einfach zu frisch für das festival im norden. wir reisten wieder an wie am vortag: mit dem bus zu tøyenparken und dann durchs gebüsch zum eingang. ich frage mich immer noch, wie der offizielle anreiseweg eigentlich ist …

wir waren wieder etwas später vor ort und starteten unseren zweiten festivaltag mit „wilco“ auf der großen amfiet bühne. wilco und ihr alternative country waren anfangs sehr schön und gemütlich, irgendwann aber so vorhersehbar. ich hatte das gefühl, ich wusste schon vor jedem song, wie er klingt. naja.

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weiter ging es mit „geese“ und auf die freute ich mich besonders. gleich neben der amfiet bühne war die vindfruen bühne – wir mussten also nur ein paar schritte gehen und waren schon da. geese waren unglaublich: sänger cameron winter hat eine stimme, die ich als unfassbar angenehm empfinde. wie in eine kuschelige decke eingewickelt zu werden … genauso fühlte sich seine stimme an. seine haare wehten leicht im wind, die band posierte immer wieder mal und manche ausufernden passagen nutzten einige anwesende für den moshpit oder das crowdsurfen. das schönste an dem ganzen konzert war: alle waren glücklich und hatten ein lächeln im gesicht.

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die zeit verging an diesem tag extrem schnell – wir wechselten wieder zur amfiet bühne, denn dort war es zeit für die messe von „nick cave„. ich habe nick cave schon einige male gesehen und habe seine konzerte immer mit einem unguten gefühl verlassen, ich war danach immer eher unglücklich. diesmal war irgendwas anders: diesmal erschien mir die musik nicht so depressiv, sondern eher neutral-hymnisch. es war jedenfalls eine freude, nick cave durchs publikum gleiten zu sehen.

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da die sirkus stage am weg zum ausgang lag, entschieden wir, nick cave schon früher zu verlassen und noch einen sprung zu „blood orange“ zu machen. und was für eine gute idee das war! blood orange fühlten sich in dieser halle und dem bühnenkonzept wie ein thermenbesuch an … wie wenn man zum ersten mal in das warme wasser steigt und sich rundum gut fühlt. da ich auch zu jener zeit mit meinen monatlichen beschwerden zu kämpfen hatte, war es dann auch kaum verwunderlich, dass ich beim song „mind loaded“ zu weinen begann … die ganze stimmung, das licht, der song – ich wurde so emotional wie schon lange nicht mehr! danach ging’s nachhause – wieder zu fuß, diesmal aber viele tränen leichter.

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14.08.2026 | thomas dybdahl, aj tracey, band of horses, clipse, sombr

am dritten tag waren wir sehr müde und machten vor dem festivalbesuch einfach gar nichts, außer etwas essen zu gehen. das war gut, wir benötigten sämtliche energie. diesmal waren wir viel früher vor ort und mein erster wunsch: ganz nach oben in dieser naturarena der amfiet bühne zu gehen. also wanderten wir hinauf, während „thomas dybdahl“ sang. ursprünglich hatte ich mir den viel spannender auf der bühne vorgestellt, aber irgendwie war er ein bisschen langweilig – aber vielleicht lag’s an den wärmeren temperaturen als sonst, an der frühen tageszeit und generell an der aufmachung des festivals, dass da nicht die ärgste stimmung aufkam. festivaldeko ist quasi nicht existent, die bäume im park müssen reichen.

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dieser tag bestand für uns die meiste zeit aus warten. wir warteten hauptsächlich auf band of horses und sombr. alles dazwischen nahmen wir zwar mit, aber irgendwie bot uns der tag nicht so viel wie gedacht. wir wanderten auch immer wieder viel herum, um mehr eindruck vom festivalgelände zu bekommen. langsam bekam ich eine bessere übersicht, fand schönere ecken und akzeptierte, dass die website-aufmachung und darstellung des festivals wenig mit dem richtigen festival selbst zu tun hat. das festival ist einfach ein park und es wurden ein paar bühnen und stände aufgestellt. man könnte es lieblos nennen oder einfach bare minimum. jedenfalls hatte das festival einfach glück, ein gutes booking gemacht zu haben. für die atmosphäre selbst gibt es festivals, die viel mehr stimmung erzeugen.

wie auch immer – wir wanderten mal wieder zur vindfruen bühne und begutachteten den rapper „aj tracey“ – bouncen und mitwippen stand am programm, manchmal setzte ich mich auch hin und genoss das leben unter dem baum.

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irgendwann war es dann endlich an der zeit für „band of horses„. im vergangenen jahr war es ihre musik, die ich während einer längeren erkrankung am liebsten gehört hatte. jetzt, bei völliger gesundheit, sie endlich wieder mal live zu sehen, war sowas wie ein full-circle-moment für mich.

und ihr konzert war genau so, wie ich es mir erhofft hatte: intensive gitarren, hymnische melodien, ein spiel aus druck und loslassen. sie performten ein ganzes album durch, was bedeutete, dass ich so manche lieblingslieder nicht hören konnte, aber zumindest dröhnte „the funeral“ durch die boxen und brachte mich zu tränen. was außerdem so schön war an diesem konzert: die band wirkte so glücklich. besonders glücklich war aber der sänger selbst, der am ende des konzerts seine vier (!) töchter auf die bühne holte für ein foto. das war ein proud-dad-moment!

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dann ging es wieder weiter mit warten. wir versuchten, zu „ninajirachi“ auf der klubben stage zu kommen, aber es war unmöglich, weil diese stage immer, immer, immer überfüllt und viel zu klein war. wir sahen, im sitzen und von weitem, den norwegischen hip-hopper „stig brenner“ und verstanden einfach null, was er rappte und zwischendurch sprach. wir sahen die amerikanischen rapper von „clipse“ und bouncten eine runde mit, und wir sahen tiktok-tänze von festivalbesucherinnen. und als es dann an der zeit war, versuchten wir uns einen platz zu sichern, sehr weit vorne, weil warum nicht.

der freitagsheadliner „sombr“ war ein hauptgrund, das festival überhaupt auszuwählen, und ihn dann so nah zu sehen und zu seinen songs zu tanzen, war schon sehr besonders. gleichzeitig war ich ein klitzekleines bisschen enttäuscht vom bühnen-setup – während seiner eigenen tour war es ein late-night-studio, diesmal lag der fokus darauf, ihn zu filmen und auf einer großen videowand zu projizieren. ich weiß, das machen viele künstler, mich erinnerte aber die version von sombr ein bisschen sehr stark von the 1975 inspiriert und dadurch weniger eigenständig.

trotzdem: ich feierte seine songs und sein auftreten so sehr – ich bezeichne mich da eigentlich schon als fan. aber trotzdem war er irgendwie nicht headliner-würdig. warum? weil seine show insgesamt in die länge gezogen wirkte, künstlich aufgepumpt mit einem sprint durchs publikum samt norwegen-flagge. das ist eh nett, aber noch mehr hits wären noch schöner gewesen – aber so viele songs hat er einfach noch nicht. oder irgendeine andere art von interaktion mit dem publikum, statt wie auf der flucht zu wirken mit seinem sprint. ein co-headliner-spot wäre wohl richtiger gewesen, in meiner wahrnehmung.

am weg zum ausgang nahmen wir noch ein paar takte von „tomora“ mit und machten uns dann auf den heimweg. das viele warten an diesem tag hatte sich am ende eigentlich eh gelohnt.

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15.08.2026 | cmat, iceage, lily allen, dijon, dagny

die anreise am letzten festivaltag war ganz anders als die tage davor: wir spazierten nämlich zum botanischen garten, ließen dort ein bisschen die seele baumeln und entdeckten dann einen eingang/ausgang, der direkt zum festivaleingang führte! die frage, wo der offizielle weg zum eingang ist, wird mir für immer verwehrt bleiben. aber gut!

vom botanischen garten aus hörten wir bereits das set von „marit larsen“ und ich fragte mich, ob ich das als „konzert besuchen“ werten kann. bei normalen konzerten höre ich ja auch meistens nur alles und sehe nichts. wie auch immer. wir wanderten vorbei an der vindfruen bühne direkt zur großen amfiet bühne, denn unser erster programmpunkt war „cmat„!

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und cmat brachte genau das auf die bühne, das ich bei vielen sets vermisst hatte: eine show! cmat erzählte geschichten durch ihre ansprachen und durch ihre songs, durch ihren unkonventionellen tanzstil, durch die interaktion mit ihrer band und mit dem publikum. und einmal tanzte sie sogar mitten im publikum! und einmal machten wir alle gemeinsam linedance. es war einfach eine große freude, cmat mit ihrer band zu sehen – mein tag war quasi schon gerettet, dank ihres auftritts.

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wir wanderten weiter zu „iceage„, die auf der sirkus bühne in der halle auftraten. und grundsätzlich fand ich ihren punkrock total ansprechend, und auch die performance – aber leider hat mir der sänger eindeutig zu oft zu schief gesungen. außerdem hatte ich hunger, und so entschied ich mich, iceage von draußen zu hören und mir um 20 euro fish and chips zu gönnen. in der wiese sitzend, weil alle sitzmöglichkeiten besetzt waren.

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danach ging’s wieder auf die amfiet bühne und es war unendlich voll. der grund: „lily allen„. lily allen präsentiert uns eher ein musical als ein konzert. aber das ist es, was passiert, wenn eine künstlerin ein konzeptalbum durchspielt. leider hatten wir einen eher ungünstigen, seitlichen platz und konnten nicht alles von ihrem musical sehen. ihre outfits waren sehr sexy, manche posen ebenso. ich fand’s nett, zwischendurch ein bisschen pop zu hören.

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dann ging es wieder auf die sirkus bühne, weil „dijon“ dort spielten. dijon waren ganz oben auf meiner bucketlist, weil sie einen song haben, den ich absolut liebe. und genau diesen song wollte ich live hören. womit ich nicht gerechnet hatte: ich war nicht allein damit und es waren sehr viele große menschen anwesend, weshalb meine sicht eingeschränkt und auch mein erlebnis ein bisschen minimiert war.

diese art sesselkreis-band-setting, die den sänger in seiner performance unterstützen sollte, wirkte auf mich eher so, als würde sie ihm raum nehmen, aufzublühen. generell fand ich den sänger irgendwie unsicher, immer leicht gekrümmt in seiner haltung und irgendwie mit zu wenig selbstsicherheit singend, obwohl seine stimme grundsätzlich der wahnsinn war. mein lieblingslied war dann ziemlich weit vorne auf der setlist und ich war glücklich, es zu hören, ertrug aber keine weiteren lieder mehr. es tat mir zu sehr weh, ihn so angestrengt und unsicher zu sehen.

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an diesem punkt wäre ich gerne nachhause gegangen, aber mein freund überredete mich noch, dass wir uns die headlinerin auch anschauen. davor hatten wir noch ein bisschen zeit, wanderten ein bisschen herum, kauften uns diesen süßen snack den gefühlt alle am festival aßen, checkten die stände ab (darunter ein plattenladen mit signierten platten der auftretenden künstler_innen!) und versuchten nochmal unser glück bei der klubben stage – aber ohne erfolg. und dann machten wir uns wieder auf den weg zur hauptbühne.

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und dann kam „dagny“ und was soll ich sagen? es klang mir viel zu schlageresk. es war wie ein lookalike-contest, in dem ein sia-double gewann und mit dem tanztalent von taylor swift eine pop-show versuchte zu kreieren. wir blieben nicht bis zum schluss … wir spazierten langsam übers gelände, blieben noch einen moment bei „underworld“ auf der sirkus bühne stehen und gingen dann nachhause.

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was ich am ende gelernt habe? ein gutes line-up und sogar gute konzerte sind kein garant für ein gutes festival. ein bisschen mehr liebe zum detail, generell ein bisschen mehr liebe würde dem festival guttun. die eher zurückhaltende stimmung vor ort war etwas, das das festival für mich mit einem leicht negativen vibe versehen hatte. und wenn man kein norwegisch kann, dann ist man dort vielleicht auch ein bisschen fehl am platz.

ich hab die konzerte alle sehr genossen, das schöne festivalgefühl spürte ich leider nur in manchen momenten. musikalisch war das øyafestivalen für mich also definitiv eine reise wert – als festivalerlebnis selbst hätte ich mir allerdings ein bisschen mehr erwartet.

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