das arena open air von the streets: manche konzerte brauchen einfach eine zweite halbzeit.
es war für mich bereits der dritte tag in folge im open air areal der arena und diesmal war ich am motiviertesten. weniger motivierend war allerdings opener „skofi“ – mit deutschem sprechgesang auf leichten rhythmen ohne bass kann ich einfach nichts anfangen. das hat mir zu wenig substanz und klingt für mich oft unfertig.
irgendwann war es dann an der zeit für mike skinner und sein musikprojekt „the streets„. nach über 20 jahren das album „a grand don’t come for free“ erstmals komplett durchzuspielen ist die eine sache, es fast wie ein theaterstück aufzuführen, die andere. damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. andererseits war es eigentlich naheliegend – ein konzeptalbum lässt sich kaum anders inszenieren. trotzdem hat mich genau das nicht ganz abgeholt, obwohl ich einige songs wirklich, wirklich mag. in einer derart inszenierten theaterperformance geht für mich oft etwas verloren. der fokus liegt stärker auf der darstellung als auf den emotionen, die die songs eigentlich transportieren sollen.
vielleicht funktionieren manche konzeptalben als inszenierte geschichte besser als als klassisches konzert. ich merke jedenfalls immer wieder, dass ich live weniger eine inszenierung suche als ein gefühl. ich möchte musik nicht nur verstehen, sondern sie in diesem moment auch spüren können – und genau das blieb in der ersten hälfte für mich etwas auf der strecke.
auch der schmäh, das wartehäuschen auf der bühne mit „gasometer city is very close“ zu beschriften, zündete bei mir nicht wirklich. vielleicht war das augenzwinkernd gemeint, ich dachte mir allerdings nur: erzähl uns etwas, das wir noch nicht wissen. diese art von darstellung und überlegungen, die nicht über den moment hinausgehen, prägte für mich die erste hälfte der show.
zum glück gab es aber auch eine zweite hälfte der setlist – und mit ihr änderte sich plötzlich alles. das album war durchgespielt und es folgte ein treibendes hitfeuerwerk. mein platz im vorderen drittel war ab diesem zeitpunkt allerdings nicht mehr wirklich gut gewählt. bei „who’s got the bag“ sprangen plötzlich alle wie irre los und ich war überhaupt nicht darauf vorbereitet. zum glück zog der moshpit knapp an mir vorbei. hui! aber genau das mochte ich irgendwie. es war so mitreißend, so viele glückliche, musikgenießende menschen zu sehen. und nicht nur das publikum wirkte plötzlich wie ausgewechselt – auch mike skinner schien endlich richtig zufrieden zu sein.
die schnelleren songs machen ihn einfach viel zugänglicher. genau das wollten die leute sehen und genau das haben sie auch bekommen. zunächst spazierte er händeschüttelnd durch den graben, später ging es direkt ins publikum auf tuchfühlung. mehrmals ließ er sich sogar auf händen durch die menge tragen. die energie, die in der ersten hälfte gefehlt hatte, bekamen wir nun doppelt und dreifach zurück.
zugegeben: seine ständigen aufrufe, ob ihm jemand ein kaltes bier spendieren könne, wurden irgendwann etwas viel. spätestens als er mit zwei damen und ein paar bieren zu den crewmitgliedern ganz hinten im publikumsbereich spazierte und anschließend crowdsurfend wieder richtung bühne zurückkehrte, war ihm aber auch das verziehen. geliebt habe ich außerdem seine sprünge von diesem kleinen podest auf der bühne. und: das licht war eigentlich den ganzen abend über immer wieder richtig gut.
am ende fühlte sich dieses konzert dann doch wie ein absolut stimmiger abend an – auch wenn es nicht direkt so begonnen hatte. vielleicht wirkte die zweite hälfte gerade deshalb so stark, weil die erste so verhalten war. wer weiß. fest steht jedenfalls: ich ging glücklich nach hause. es war ein echter full-circle-moment, the streets endlich wieder live zu sehen – genau 20 jahre nachdem ich sie zum ersten mal erlebt hatte. schöner hätte sich dieser kreis nicht schließen können.
set 1:
set 2:
photography info:
songs 1-3: shot on canon eos 80d & canon eos 90d
other songs: shot on sony rx100vii and samsung galaxy s23














