lambrini girls im flex: laut, roh, überwältigend.
ich pilgerte superentspannt zu meinem letzten konzert im jahr 2025. davor war ich bei einer wohltuenden massage gewesen und freute mich darauf, nun auch meinen kopf mit musik zu entspannen. ja, ich war schlecht vorbereitet. oder ich verdrängte schlicht, wer oder was lambrini girls eigentlich sind. bevor mir das aber bewusst wurde, kam zunächst die vorband mhaol auf die bühne.
die post-punk-formation mhaol fand ich anfangs ein bisschen unaufgeregt und fast langweilig. je weiter das set jedoch voranschritt, desto mehr konnte ich mich auf das kratzige, scheppernde, gemächliche dahinmusizieren einlassen und fand schließlich gefallen daran. es hatte etwas leicht meditatives, obwohl es sehr weit weg von klassischer meditationsmusik war. wie auch immer.
irgendwann kamen die lambrini girls auf die bühne, und eigentlich hätte mir sofort klar sein müssen, dass das kein entspanntes konzert werden würde. lauter, roher, harter punkrock, getarnt mit zwei nett wirkenden hauptprotagonistinnen, riss alle anwesenden aus ihrer gemütlichkeit heraus. während ich ein paar fotos schoss, kämpfte ich bereits damit, nicht umzufallen. die anwesende menschenmenge war plötzlich wie ausgewechselt, pogte wie wild und nahm keine rücksicht auf randpersonen. so kam es, dass ich relativ früh zu boden fiel und gleich ein paar weitere leute auf mir landeten. nichts passiert, alle standen sofort wieder auf und halfen mir hoch. meine entspannung aus der massage war trotzdem dahin. stattdessen wusste ich: ich würde einen ordentlichen blauen fleck als erinnerung mitnehmen.
ich weiß nicht genau, was ich mir von diesem konzert erwartet hatte. oder besser: ich ließ mich überhaupt erst dazu hinreißen hinzugehen, weil die band monate zuvor einen kleinen hype erlebt hatte (und ich dachte damals, ich muss jedem hype folgen). nun stand ich also mitten in einer wilden punkrockshow mit sprech- und schreigesang sowie politischen parolen. immer wieder stieg sängerin phoebe lunny ins publikum, um mit den anwesenden zu connecten und sie nach ihrer queerness zu fragen. sie badete regelrecht in der menschenmenge, einmal crowdsurfte sie sogar. so viel energie, so viele menschen, die der englischen gruppe vollkommen verfallen waren und an phoebes lippen hingen. das war schon beeindruckend.
ich hingegen klammerte mich an der absperrung fest, um nicht erneut in den pogo-kreis gerissen zu werden und keine weiteren verletzungen davonzutragen. ich war gleichzeitig fasziniert und verängstigt von dieser band. mir tat beim verlassen des flex jedenfalls alles weh, und ich hatte gleichzeitig einen ohrwurm von „cuntology“. leid und freude war nah beieinander. vielleicht war das aber auch völlig in ordnung so: ein ambivalenter gig als abschluss für ein ambivalentes jahr.








