konzert #119: machine gun kelly @ gasometer | 15.10.2017

machine gun kelly tänzelte anlässlich seiner „27 world tour“ am sonntag abend im gasometer herum und bewies, dass man ihn in keine schublade stecken kann. er bedient sich nämlich ganz frech an allen musikalischen schubladen und macht einfach „alles“. darf er das denn?

bevor ich niedergeschlagen (dank der wahlergebnisse) die gasometer-halle am wahl-abend aufsuchte, war für mich eigentlich schon klar, dass ich „machine gun kelly“ in die gegenwartsrap-schublade reinstecken würde. das war das, was ich aufgeschnappt hatte und das war das, das mir am sinnvollsten erschien. bevor ich aber weiter drüber nachdenken konnte, durfte ich mich erstmal über den double-support-act „einfach so“ und „jugo ürdens“ erfreuen.

die beiden gehypten futuresfuture-künstler hofften beim mainstream-publikum anklang zu finden: ein schwieriges unterfangen. mit eher schlechten als rechten soundunterlagen und nicht ganz so stimmigem sprechgesang oben drauf, wirkten sie eher wie möchtegern-rapper und nicht wie typen, die ihr metier beherrschen. „dies das“ als kleiner, bekannter hoffnungsschimmer konnte daraufhin auch nicht mehr viel retten. vielmehr hörte man durch die bank, dass das publikum endlich ihren „mgk“ in empfang nehmen wollten.

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sprechchöre und euphorie: bereits vor seinem auftritt wurde „machine gun kelly„, kurz „mgk“ genannt, schon bejubelt und freudig erwartet. der amerikanische rapper stolzierte auf die bühne, rauf aufs podest und ließ sich erst mal von seinem publikum rühmen. „the gunner“, wie er auch genannt wird (ja, er hat viele spitznamen), begann auch gleich mal mit dem song „the gunner“. ausrasten, schreien, plakate in die luft halten: die anwesende menschenmenge schien mal kurz den boden unter den füßen zu verlieren.

ich war mir noch nicht ganz sicher was ich von ihm halten sollte. schon bei seinem auftritt am diesjährigen nova rock festival war ich fasziniert von seiner energie und dem genre-mix, dem er sich bediente. auch diesmal musste ich erst mal meine gedanken ordnen und verstehen, was er auf der bühne eigentlich für eine show abzog. als er, ganz in chester-bennington-manier, den linkin-park-song „numb“ coverte und die selben posen einnahm, wie der verstorbene sänger, schoss es mir in den kopf: machine gun kelly war großer meister darin, alles dagewesene zu stehlen und auf sich selbst zu übertragen um es schlussendlich wie seine idee aussehen zu lassen. vielleicht war es auch nur zufall, aber warum würde er sonst soviele musikstile für sich beanspruchen, die highlights jedes einzelnen herauspicken und ein konzert kreieren, welches einfach alles bietet?

vom anfänglichen gegenwartsrap ging er über zu federleichten trap-elementen und bediente damit, ein aktuelles, beliebtes hype-genre. ein kurzer abstecher in die bittersüße popmusik und dann war er plötzlich im nach-männlichkeit-brüllenden rock gelandet, mit gitarrensoli, headbang-ambitionen und gestreckten mittelfingern – die bandana-fraktion ging ab. wieder zurück zum pop ging es mit der nummer „let you go“ – playback-frauen-refrains wurden eingespielt, die mädchen im publikum tanzten in ihren hautengen outfits und hielten für die social-media-welt die faszinierenden licht-shows fest. richtig zahm wurde machine gun kelly dann bei „rehab“, einer ballade. im scheinwerferlicht säuselte er vor sich hin, die mädchen hielten sich an den händen.

„till i die“ und „27“ markierten das ende der abwechslungsreichen und sehr unterhaltsamen show. begeisterung von vorne bis hinten. und ich? ich war verblüfft. darf man das? darf man sich einfach alles gut funktionierende aus allen erdenklichen musikstilen rauspicken, richtig gut, professionell und hochwertig kopieren, sich nicht festlegen und dann eine show mit allem bieten? warum hat das vor ihm noch niemand gemacht? warum hat sich noch nie jemand als böser, rappender pop-rock-schmuse-sänger inszeniert? wie auch immer – ich fand es großartig! warum auch auf einen stil festlegen, wenn man einfach jeden stil an sich reissen kann. well done, machine gun kelly!

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