konzert #114: any other, brunettes shoot blondes, bitten by, at pavillon, ider, j. bernardt @ waves vienna festival | 30.09.2017

am letzten waves-vienna-festival-abend hieß es noch einmal alle kräfte aktivieren, noch einmal musik aufsaugen, noch einmal location-hopping zu betreiben.

könnte ich mir eine superpower aussuchen, dann hätte ich gerne nie-endende-energie. nach einer delegates-tour, die vom waves vienna festival veranstaltet wurde und bereits um 10:30 uhr vormittags startete, kam ich gegen 18 uhr am wuk-gelände an und war erwartungsgemäß ziemlich erledigt (die delegates-tour ist wie ein schulausflug mit dem bus: es gibt unterschiedliche stationen, essen und trinken und viel musik für menschen, die in einen pro-pass investiert hatten). aber schlapp machen kam nicht in frage. ein bisschen stärken und ab zur lieb-gewonnenen open air stage.

any other“ nannte sich mein erster programmpunkt. wie am vortag handelte es sich auch hier um eine italienische gruppe, die mich aber ein bisschen an die frühen „wir sind helden“ erinnerten (vom kleidungsstil her und so). sie wirkten nicht gerade erfreut die bühne im hof der vergessenen foodtrucks zu bespielen, aber das was ihre hände unter den gelangweilten gesichtern fabrizierten, war richtig gut. ein bisschen enthusiasmus hätte ihnen nicht geschadet, aber während einem auftritt die ganze zeit aufs wohlriechende crepe-mobil blicken zu müssen, ist wohl wirklich nicht so leiwand. anyway: ich werd die band weiter beobachten, vielleicht verstecken sich unter den verschlafenen visagen doch noch aufgeweckte musiker, die spass an ihrer musik haben?

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ich huschte weiter zur ottakringer stage, denn ich musste „brunettes shoot blondes“ sehen. nicht so sehr wegen der musik, viel eher weil ich den bandnamen sehr gewagt und sehr kreativ fand. als ich den schulsaal, in der sich die ottakringer stage befand, betrat war ich positiv überrascht: ich mochte die clean gehaltenen visuals, ich mochte die musik, die mich ein bisschen an „everything everything“ erinnerte und ich mochte generell das auftreten und die tanzmoves des sängers. diese interessanten bewegungen erinnerten mich sogleich an „oscar and the wolf“. die assoziationen waren also allesamt gar nicht so schlecht.

es fehlte nur noch das gewisse etwas, oder eine besondere hook in einem lied, um mich komplett zu überzeugen. überzeugen konnte mich aber schließlich dann der gedanke an einen warmen schoko-crepe, der mich wieder raus in den innenhof scheuchte.

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ich war so hyped, so aufgeregt, so voller vorfreude auf den nächsten act im wuk foyer: „bitten by„. ich muss aber dazu sagen, ich war vorbelastet, hab den instagram-account der künstlerin hinter dem projekt in den letzten monaten quasi aufgesaugt und die schönen bilder gefeiert. als die erste single „ruins“ veröffentlicht wurde, war es liebe auf den ersten ton und nun war die stunde gekommen, um ein größeres soundspektrum live zu sehen!

der erste eindruck war gut: es glitzerte auf der bühne, die instrumente strahlten ebenso wie die beiden damen. ein gesungenes loop-intro ließ einen sanft eintauchen in die stimmvielfalt der frontfrau patricia. alles schien ganz groß zu werden. aber dann wurde mir von song zu song immer mehr bewusst, dass mir irgendetwas fehlte. die tiefe, die bässe, etwas dass dich tief drin mitnimmt während du vor einer bühne stehst.

ich wollte auf das beste hoffen, fragte menschen um mich herum ob sie bässe hören, da in meinem gehör nichts davon ankam. vielleicht hatte ich ganz vorne aber auch einfach einen schlechten ausgangspunkt um zuzuhören, vielleicht musste ich weiter nach hinten? beim letzten song tat ich genau das, packte meine sachen, quetschte mich durch den völlig überfüllten raum richtung soundtechnik und musste dort feststellen, dass es soundtechnisch besser war aber trotzdem schien da irgendwas seltsam abgemischt worden zu sein.

so gerne hätte ich „bitten by“ als mein absolutes highlight am letzten tag angepriesen, aber mir waren die hände gebunden. dieses tiefe-problem nagte an mir und ich wusste bis zum ende nicht, ob es an meinem gehör lag oder die tontechnik dafür verantwortlich war. ich hoffe auf einen nächsten gig in einer besseren location und eine auflösung…

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schnell zur open air stage um noch die letzten songs von „at pavillon“ mitzukriegen. ich weiß nicht ob der gesamte auftritt so war, wie er sich im letzten drittel gestaltete, ich kann nur sagen: wow!

ein zerissenes strache-bild als statement gegen rechts, sing-a-longs und ein sprung in den publikumsbereich inklusive nachfolgenden herumwirbeln von frontmann mwita – ich stand da, konnte mich nicht bewegen, weil ich so positiv überrascht war, mir blieb regelrecht die spucke weg! „we are lions“ schossen sie uns entgegen und der anwesende, überdimensionale große haufen an menschen sang, klatschte und feierte mit!

als unmittelbar nach dem konzert der merch-stand gestürmt wurde, war ich mir sicher: at pavillon an diesem abend noch zu toppen wird sich schwierig gestalten!

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ganz kurz hoppste ich zu „ider„, aber so schnell wie ich dort war, war ich auch wieder weg. ich nutzte die zwischenzeit dann eher um die bar aufzusuchen, menschen hallo zu sagen und alle aufzustacheln, das beste des abends nicht zu verpassen: „j. bernardt“ in der wuk halle.

schon in der umbaupause wartete ich gespannt vor der bühne und hatte keinen blassen schimmer, was mich erwarten würde. als der im trenchcoat gekleidete mann mit kappe auf die bühne ging und nur von hinten beleuchtet wurde, war irgendwie schon klar: das wird groß. und das wurde es auch. nicht nur dass er wie wild auf sein drumpad einschlug, er huschte auch über die stage wie ein graziöses und gelenkiges tier und versetzte die anwesenden sofort in tiefes erstaunen.

keine sekunde stand er still, ständig hatte er drumstick, gitarre oder mikro in der hand, schaute andächtig richtung menschenmenge und knurrte dann wieder mit seinen tiefen stimme weiter. die bewegung, die beats, das licht – alles drumherum machte den auftritt so einzigartig, mit nichts vergleichbar. als er dann auch noch im publikum verschwand und sang, war die euphorie längst ausgebrochen.

mein absolutes lieblingslied „the other man“ in einer eindringlichen extended-version zu hören und vor allem zu sehen, krönte mein konzerterlebnis von j. bernardt. die zugaben oben drauf waren wie eine letzte umarmung, die einem versicherten: keine angst, wir kommen bald wieder.

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