konzert #83: farewell dear ghost, cigarettes after sex, lea santee, the strumbellas, benjamin clementine, tommy cash, sohn, feist @ out of the woods festival in wiesen | 22.07.2017

der dritte und letzte festivaltag trumpfte nochmal ordentlich auf und hielt jede menge überraschungen bereit. da mauserten sich no-names einfach mal zu wahren highlights und ließen den tag ganz anders werden als erwartet.

wir machten uns schon ganz früh auf den weg nach wiesen, der tagesparkplatz zählte nur wenige autos, die sonne biss regelrecht vom himmel. der weg vom parkplatz zum gelände erschien jeden tag ein kleines bisschen länger (s/o to müdigkeit!) aber schließlich kamen wir dann doch irgendwann am kerngelände an. in den schatten setzen, mal was trinken, das wiesen village erkunden (und mit den augen an der halfpipe hängen bleiben), schauen was es hier eigentlich sonst noch so an kulinarik gibt (und da gab es so einiges).

und dann ging es auch schon wieder richtung bühne, denn die erste band des tages nannte sich „farewell dear ghost“ und startete bereits um 15 uhr. was ich erwartet hatte: ein solides, tanzbares, leicht episches indie-rock-set, gespickt mit neuen nummern. was ich bekam? soviel mehr power, als ich mir jemals vorstellen hätte können, ein bummvoller publikumsbereich und eine drum-solo-showeinlage von drummer fö, die sich gewaschen hat. ich war völlig baff.

dass das mikro kurz mal zerstört wurde, war gleich wieder vergessen, viel eher drang in den vordergrund, dass farewell dear ghost nicht nur musikalisch im studio den sprung zur weiterentwicklung geschafft haben sondern auch live eindrucksvoll zeigten, dass man selbst als „kleine“ indie-band eine live-show wie die großen im business hinlegen kann. und da bedarf es nicht mal an special effects, da bedarf es nur an menschen, die sich etwas trauen und spass daran haben. weiter so!

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cigarettes after sex“ verfolgen mich seit knapp zwei jahren. ich stieß auf ihre musik, ohne danach zu suchen, ich stolperte zu ihren konzerten, ohne dass es jemals mein plan war. bei ihrem auftritt auf dem out of the woods festival stellte ich dann fest, dass ich mittlerweile dem vierten konzert innerhalb von 12 monaten beiwohnte und mir keiner der songs mehr unbekannt war – ohne dass das jemals meine absicht war. und das war tatsächlich von vorteil, denn nummern, die man kennt, sind leichter zu „ertragen“ als nummern, die man zum ersten mal hört. vor allem bei einer ruhigen, angewurzelten band wie cigarettes after sex.

wieder bewegte sich die gruppe kaum, sie wirkten wie starre statuen. es ging rein um stimmungen, töne und um das spiel aus ein bisschen nebel und licht auf der bühne. wenn man das nicht erwartet hatte, war es langweilig, zum einschlafen, zum „davonlaufen“. ich genoss es, merkte aber an vielen gesichtern, dass ein großer teil damit nichts anfangen konnte. schade, aber nachvollziehbar.

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es ging weiter, und zwar zur second stage, zum ersten mal an diesem samstag. die newcomerin „lea santee“ samt band wurde erwartet, nach dem ersten song hatte ich aber eher den eindruck eine rnb-künstlerin zu sehen, die schon jahre im geschäft ist. ihre bühnenpräsenz war umwerfend, selten erlebt man sängerinnen auf dem bühnenparkett, für die es natürlich ist da oben zu stehen, für die es natürlich ist, sich da oben zu bewegen. ihre souligen pop-nummern und ihre stimme setzten dann noch eines drauf und ich war fast ein bisschen verblüfft, dass sie im musikzirkus noch nicht durch die decke gegangen ist.

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als ich vor einigen wochen in new york war, besuchte ich ein festival in den usa und sah „the strumbellas„. da der auftritt dort schon sehr unterhaltsam war, war ich gespannt wie die gruppe auf europäischem boden agieren würde. und: ich wurde mehr als positiv überrascht! nein noch besser, eigentlich war ich doch ziemlich hin und weg und hatte nicht erwartet, dass sie ihr witzigkeitslevel sogar noch steigern konnten.

die lustigen, ironischen deutsch-phrasen die keyboarder „dave“ von sich gab, erzeugten immer wieder begeisterte dave-sprechchöre. der frontmann simon zog vor allem durch seine ulkige mimik die aufmerksamkeit auf sich, und die frau in der band, isabel, erntete ebenfalls ihren fame nach einem überraschend gut performten song. jede person, der 6-köpfigen-truppe, war eine erscheinung, eine persönlichkeit, ein charakter für sich – zusammen ergaben sie allerdings die geballte ladung an fröhlichkeit und mitschunkel-folk-pop. und was ist besser, als eine band die gute laune auf einem festival verbreitet? richtig, es gibt nichts besseres!

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ich kannte „benjamin clementine“ eigentlich nicht, kurz vor dem festival hörte ich dann aber doch von einigen seiten „schau dir den an!“. und zu beginn war ich wirklich beeindruckt von diesem souligen pianisten, der einen ganz anderen touch in das festivalgeschehen brachte. fast schon elitär feierlich wirkte das set, wobei seine mitmusiker in ihren arbeiteranzügen einen bruch fabrizierten.

als er dann auch noch seine humorvolle seite zu zeigen versuchte, hätte das ganze richtig rund und sehenswert werden können – betonung auf hätte. die sitzenden menschen in der wiese aufzufordern aufzustehen, weil das sonst – lustig gemeint – respektlos wirkt, kann man eigentlich nur bei clubshows bringen, aber bei festivals sollte den anwesenden dann doch die freiheit gegeben werden, gegen ende des tages auch mal in der wiese herumlungern zu dürfen. das machte den künstler für mich ein bisschen unsympathisch. und dann startete auch noch leichtes kopfweh. gründe für mich, mich zurückzuziehen, was zu trinken und mich kurz vom trubel zu entziehen.

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ich wollte nur kurz schauen, wie der viel gehypte „tommy cash“ so ist und dann eigentlich sofort wieder gehen (das kopfweh war immer noch da). aber dieser typ war so vereinnahmend, so abgedreht, dass ich es nicht schaffte gleich wieder abzuhauen. eine fusion aus verschiedenen musikstilen, exzessiven sprechgesang, verrückten moves und visuals, die landschaftsaufnahmen und tanzperformances in abwechslung zeigten. das war schon alles weird, aber auch neu, anders und unterhaltsam!

als tommy cash sich dann auch noch richtung publikum bewegte und ein fan plötzlich ganze rap-parts ins mikrofon brüllte, staune nicht nur das publikum sondern auch der artist himself. das war huge, das animierte zum völligen durchdrehen. die leute tanzten, machten moshpits, gingen völlig ab. die stimmung war förmlich am explodieren und durch diese ganzen eindrücke vergaß ich kurz den pochenden schmerz im kopf. tommy cash war einfach nur wow!

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meine schlussfolgerung nach tommy cash war folgende: ist die musik gut und entertaining genug, dann wird auch jedes kopfweh verdrängt. beim nachfolgenden auftritt von „sohn“ auf der main stage hatte ich alle hoffnungen auch völlig reinzukippen und mir alle schmerzen wegtanzen zu können. aber es kam anders.

cristopher taylor aka sohn saß wieder hinter seinem synthie-pult, mit hut und in schwarz gekleidet. seine sanfte stimme wurde über die elektro-melodien gelegt und lichtinstallationen im hintergrund sollten die nötige, gute stimmung erzeugen. und großteils ging das auch für die meisten der besucher auf. nur für mich nicht: mein kopfschmerz teilte mir mit, dass die musik zu laut war, der auftritt zu langweilig und die lichtspiele zu grell. ich suchte mir ein ruhiges plätzchen, legte mich hin und verpasste die restlichen sohn-show. fun fact: ich hatte danach nicht das gefühl etwas verpasst zu haben…vielleicht weil die show sowieso immer gleich ist.

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ich war auf der suche nach einer kopfschmerz-tablette. wusstet ihr, dass das sanitäter-team sowas gar nicht hat? ich war leicht am verzweifeln, egal wen ich fragte, niemand war in besitz solcher „drogen“. kurz bevor das ganze unerträglich wurde, fand ich doch noch eine freundin, die mich mit meds versorgte. ihr könnt euch nicht vorstellen welch erleichterung das war. ein festival mit kopfschmerzen macht nämlich echt gar keinen spass.

pünktlich zum konzertstart von „feist“ war ich wieder halbwegs okay und konnte den letzten auftritt des festivals dann richtig genießen. es begann zu regnen während die powerfrau on stage performte. die menschen rückten unter der überdachung zusammen und ließen sich von den tönen der dame im pinken kleid mitnehmen. ich weiß nicht was es genau war, aber ich war ziemlich rasch ergriffen davon, was ich hörte. ihr auftreten, ihre stimmfarbe, ihre ansagen: es war dieses komplettpaket, dass für mich glaubwürdig rüberkam und mich abholte. das spiel aus sanfter stimme und dem fast schon dreckigen gitarreneinsatz mochte ich sehr.

ich kannte mehr songs als ich dachte, dass ich kenne. ein weiteres gutes zeichen für einen postiven verlauf einer live-darbietung. ich hatte immer wieder so meine wow-momente, immer wieder das gefühl, dass es ihr wirklich spass macht diesen gig zu spielen. ich schloss die augen, wippte mit, ließ mich auch immer wieder vom erfrischenden regen antröpfeln um das schwüle schmerzgefühl endgültig zu vertreiben und fühlte mich immer wohler. es war dieses zusammenspiel, das mich erleichterte und entspannte. die musik von feist wirkte fast schon wie meditation auf mich, obwohl es stellenweise auch richtig laut und rockig wurde.

am ende war feist eigentlich eines meiner großen highlights, weil ich nichts erwartete und dann doch mit abwechslung und angenehmen tönen überrascht wurde. und weil die stimmung passte, weil niemand mehr in großartiger redelaune war, weil das festival beinahe zu ende war. der regen war wieder vorbei, ich wanderte mit meiner entourage gemütlich zum auto und muss sagen, dass es sich auch am letzten tag gelohnt hat, das out of the woods festival zu besuchen. ein festival, dass deutlich einen entwicklungssprung gegenüber dem vergangenen jahr gemacht hat und das zum glück mit fein ausgewählten acts stimmungen erzeugen konnte, die für wiesen so wichtig sind und schlussendlich mehr verzaubert haben, als jede deko das nur ansatzweise machen könnte.

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