interview | gerard

gerard veröffentlichte kürzlich sein neues album „aaa“ – ein grund sich endlich mit dem gebürtigen welser und wahlwiener zu treffen um über seine entwicklung als rapper und seine zukünftigen visionen zu sprechen.

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allererste frage. du hast dich ja früher gerard mc genannt und 2012 das mc gestrichen. hast du einen speziellen bezug zur französischen sprache?

als ich damals mit 14-15 jahren angefangen habe zu rappen, da habe ich eher gefreestyled und gerard hat sich auf ziemlich viel gereimt. alles klar, ich bin da, star, blabla, daher hat sich das dann so eingebürgert und das mc war damals einfach in und darum stand es dabei. irgendwann habe ich mir dann aber gedacht, dass das nicht mehr zur musik passt und darum musste es weg. das war mehr oder weniger ein neustart bei dem ich dann alles etwas ernster genommen habe.

du bist ja nun seit einiger zeit im geschäft, eigentlich seit 12 jahren?!

also vor 10 jahren ist mein erstes album veröffentlicht worden, aber so richtig ernsthaft mache ich seit 5 jahren musik.

zu beginn warst du ja eher in deutschland und in der schweiz bekannter und in österreich eher nicht so. was glaubst du woran das gelegen hat?

an vielen dingen, aber grundsätzlich daran.. eigentlich weiß ich das gar nicht so genau, aber es lag bestimmt daran, dass fm4, der einzige sender der damals österreichische musik unterstützt hat, mich 2 alben lang ignoriert hat und erst ab blausicht etwas von mir gespielt hat. das ist sicherlich mit ein grund. und auch deswegen, weil ich auf hochdeutsch gerappt habe und es damals keinen österreichischen rap gegeben hat, der in österreich bekannt war. generell gab es eine ignoranz gegenüber österreichischen künstlern. denn es ging ja nicht nur mir so, sondern vielen anderen österreichischen künstlern auch.

kann es sein, dass deine musik etwas zu experimentell war am anfang?

ja das kann auch leicht sein. wahrscheinlich ist es jetzt noch immer so für gewisse medien. aber ich muss ehrlich sagen, dass mir das alles immer ziemlich egal ist, denn ich mach einfach und irgendwann kommen sie eh nicht mehr daran vorbei. be so good, they can’t ignore you sag ich immer.

seit letztem jahr hast du ja das label futuresfuture, oder?

ja, offiziell erst seit anfang des jahres.

wie ist es dazu gekommen? hast du kein label gefunden wo deine musik hineinpasst?

meine ersten 2 alben unter dem namen gerard mc habe ich auch schon selber gemacht und bei blausicht und neue welt habe ich auch noch viel selber gemacht. von daher war es der nächste logische schritt irgendwie. meine verträge waren aus und dann habe ich mir gedacht, dass wird jetzt der nächste step. jetzt hat man plötzlich so viel ahnung in der echten musikwelt und ein gutes netzwerk, jetzt ist es an der zeit andere musiker zu unterstützen. ich hatte immer schon ein offenes ohr für newcomer und habe manche acts schon ziemlich früh entdeckt. leider konnte ich sie nie signen, weil ich noch kein label hatte. jetzt wird jeder coole newcomer-act gesigned. (lacht)

der erfolg gibt dir recht!

schauen wir einmal. uns gibt es ja erst seit 6 monaten, aber ich habe ein gutes gefühl.

aber es ist in aller munde.

genau ja! aber ich glaube da geht noch um einiges, einiges mehr. wie gesagt, für die kurze zeit die es uns jetzt gibt, läuft alles richtig gut.

wie seid ihr auf den namen futuresfuture gekommen?

es stand fest, dass ich ein eigenes label gründe, aber das letzte was noch gefehlt hat, war ein name und ein partner. letztes jahr bin ich dann zum south by southwest geflogen und im flieger hin, war ich richtig enthusiastisch, weil ich total aufgeregt war. im flieger habe ich mir dann die sitcom silicon valley angesehen und dort gibt es den dialog „that’s the future!“ – „no, that’s the futuresfuture!“. dann habe ich mir gedacht geil, jetzt kann ich am south by southwest schon vorab jedem sagen mein label heißt futuresfuture, obwohl es das noch nicht einmal gegeben hat. im april 2015 habe ich ziemlich zufällig den ilias kennengelernt und von anfang an war klar, dass wir die selbe einstellung haben, was die zukunft der musik und faire konditionen betrifft. dann haben wir es einfach gemacht und ein label gegründet. das coole beim ilias ist, dass wir uns glaube ich wirklich sehr ähnlich sind. wenig reden und einfach machen.

zu deinem album: ich frage dich jetzt nicht nach inspiration oder texten, sondern…

wie du magst!

…was ist deine meinung: in welcher situation kann oder sollte man dein album hören? wo kann man es am besten hören?

es gibt so manche momente in denen ich echt gerne gute musik höre und dann greife ich immer zu gewissen künstlern. also wenn du echt das gefühl hast jetzt ist der perfekte moment und jetzt würde ich gerne den perfekten song dazu hören. ich habe immer die wunschvorstellung, dass ich einer dieser künstler bei anderen leuten bin.

dass man sich also zuhause hinsetzt und sich das album anhört?

das muss nicht unbedingt zuhause sein, dass kann auch im auto oder unterwegs sein. eigentlich ist das gar nicht so auf eine location bezogen, sondern eher so vom mood her, dass man das halt echt bewusst hört. natürlich kann man es auch nebenbei hören, aber ich finde es immer wertvoller, wenn musik irgendetwas in einem auslöst und das tut es glaube ich eher, wenn man es bewusst hört. ich glaube jetzt nicht, dass das album im club laufen kann. eventuell nur irgendeine nummer wie konichiwa zum beispiel. es ist aber eigentlich wirklich kein club album.

außer es macht jemand einen remix.

außer das! eigentlich kann man es überall hören, aber ich höre meine lieblingskünstler immer bewusst und meistens nicht nur beim durchskippen. ich denke mir öfters, dass ich jetzt lust auf musik habe und suche genau nach dem einen künstler in meiner playlist und genau das höre ich dann.

okay, aber auf was ich eigentlich hinaus will: die leute haben ja heutzutage keine zeit mehr für irgendwas, deswegen die frage nach einer speziellen situation!

man kann es auch nebenbei hören! ich sitze auch nicht da und höre mir nur musik an. ich hänge nebenbei die wäsche auf, räume den geschirrspüler ein, trainiere, gehe laufen oder bin im auto unterwegs. das stimmt, man muss nicht nur musik hören, dafür ist die zeit zu knapp.

dann einigen wir uns darauf, dass man es zu jeder zeit…

gerard: …hören kann.

…jeder zeit hören sollte. (lachen) mit einem neuen album kommt ja auch wieder eine tour, die im dezember startet. seit einiger zeit hast du ja eine richtige liveband, wie kam es zu dieser entscheidung eine band zusammenzustellen?

auf der letzten tour wurde der gedanke mit einer backgroundsängerin aufzutreten geboren, weil mich der refrain vom band genervt hat. irgendwann habe ich mir dann gedacht, dass ein weiteres bandmitglied ziemlich teuer gewesen wäre. zum glück hat sich dann alles glücklich gefügt, weil meine alte band jetzt in berlin für raf camora und 187 strassenbande spielt. da sie jetzt in berlin wohnen, wären die flüge für die auftritte in österreich zu teuer gewesen und von den gagen wäre dann fast nichts geblieben. so hat sich dann ergeben, dass ich jetzt wieder eine wiener band habe, mit einer sängerin, welche gleichzeitig auch noch synthie spielen kann, was natürlich sehr praktisch ist.

wie hast du die bandmember gefunden? durch dein label oder kontakte?

ich habe vor jahren einmal eine fm4 studio 2 session gesehen und habe die patricia dann einfach angeschrieben und ihr gesagt, dass ich das was sie macht (okay, einiges [lacht]) ziemlich cool finde. wir haben uns eigentlich nie persönlich kennengelernt und haben uns dann zufällig beim amadeus award getroffen. sie hat mir dann erzählt, dass sie auch solo sachen macht und ich habe ihr von meinem label erzählt. eigentlich habe ich schon immer an sie als artist gedacht, aber solange sie die band hatte, wollte ich nichts sagen. als ich wusste, dass sie auch solo sachen macht, habe ich mir dann gedacht es könnte interessant sein und das war es auch.

und den schlagzeuger, fö? und alex, den gitarristen?

der fö hat schon einmal bei der akustik session die drums gespielt. eigentlich weiß ich gar nicht mehr wie ich ihn kennengelernt habe.

das hat sich einfach alles ergeben und sie waren bereit.

ja genau. ich überlege gerade… nein, ich weiß es wirklich nicht. weißt eh wie das ist. (lachen)

du bist ja bekannt als sehr, sehr guter liveact. wie viel probst du?

eigentlich gar nicht so viel. ich persönlich bräuchte wahrscheinlich nicht einmal eine richtige probe. ich könnte auch einfach nur die texte durchgehen.

wie oft wird generell mit der band geprobt?

das gute und coole ist, dass das alles solche profis sind, dass die das ja alles eh können. der fö ist wahrscheinlich einer der besten schlagzeuger in österreich. einer der top 3 würde ich jetzt einmal sagen. mir macht das live spielen unheimlich viel spaß und ich glaube das merkt man auch. da kann man sich je nachdem wie lange man spielt 1-1,5 stunden richtig auspowern. von daher ist es wahrscheinlich eher weniger das spielerische können und es geht vielmehr um den vibe. wir geben zwar immer unser bestes, auch beim sound, aber was beim zuhörer dann ankommt ist dann immer das feeling und das kann man nicht proben. das ist abhängig vom publikum und von faktoren die du selbst nicht unbedingt im griff hast.

wenn du auf der bühne stehst, erzählst du immer ein paar anekdoten. überlegst du dir das vorher oder kommt das alles spontan?

teils, teils. zum teil überlege ich mir das im vorhinein, aber ich bin auch immer sehr dankbar, wenn irgendwas mit dem publikum entsteht. positive zwischenrufe, die man dann irgendwie aufgreifen kann, kann man ja nicht planen. das ist dann das lustigste eigentlich.

wie vertreibst du dir vor dem auftritt die zeit? hast du irgendwelche rituale bevor du auf die bühne gehst?

ich gehe noch einmal alle texte durch, mache stimmübungen und bin sehr, sehr ruhig. ich rede dann mit keinem und versuche, dass ich möglichst abseits von allem bin. ich habe nämlich in der vergangenheit gemerkt, wenn alles immer so hektisch ist und man viele leute sieht und mit ihnen redet, dann ist man auf der bühne noch in der party von vorher. man ist abgelenkt und denkt über alles nach. darum nehme ich mir vorher etwas ruhe, möglichst wenig kontakt zu mitmenschen um energie zu sparen. nach dem auftritt ist es dann genau das gegenteil. wenn man den ganzen tag schon so am umherzappeln ist, dann hat man schlechtestenfalls genau auf der bühne den einbruch. das gilt es zu vermeiden.

hast du live vorbilder?

vorbilder würde ich nicht sagen, aber ich schaue mir schon von manchen musikern ein paar tipps ab. bei mike skinner zum beispiel geht alles locker von der hand. ich habe das immer sehr genossen, dass er so unverkrampft und einfach sehr locker gewirkt hat. bei drake und jay z habe ich mir auch einen wichtigen tipp abgeholt. du sollst jedem einzelnen das gefühl geben, dass das konzert nur für ihn ist. bestmöglich jedem in die augen schauen und das publikum einbeziehen, sodass man das gefühl hat man könnte der nächste sein der angesprochen wird. das sind eigentlich so die tipps, die für mich wichtig sind.

gehst du selber auch auf konzerte?

wenn man so oft irgendwo spielt oder auf festivals ist, sieht man früher oder später jeden act den man sehen will. irgendwann mag man dann auch nicht mehr in diese welt. ich gehe jetzt nur mehr auf konzerte von freunden, aber es ist schon lange nicht mehr gewesen, dass ich sage ich muss unbedingt auf dieses eine konzert. wenn ich aber selbst nicht so viele konzerte geben und auf festivals spielen würde, wäre das sicherlich anders.

was war das beste konzert auf dem du je warst?

ich glaube, dass war drake in der max schmeling halle in berlin. das war schon richtig, richtig cool. wir waren eine gruppe von 10-15 leuten, casper war damals auch dabei und die ganze juice redaktion. an dem abend herrschten voll gute vibes, jeder hat sätze mitschreien können. wir sind dann noch gemeinsam in ein lokal gegangen, es war lustig und jeder war glücklich. es war ein richtig geiler abend! einmal habe ich jay z auf dem open air frauenfeld am sonntag nachmittag gesehen. da hat die stimmung nicht so gepasst und jeder war schon müde und erschöpft, aber es war auch cool. ich glaube aber, wenn das samstag nacht gewesen wäre, dann wäre das vielleicht das coolste gewesen. aber jetzt würde ich sagen: drake, max schmeling halle damals.

wenn du dir eine location auf der ganzen welt aussuchen könntest, wo würdest du dann gerne spielen? das muss nicht realistisch sein, du kannst dir irgendetwas aussuchen.

auf der ganzen welt!? puh. ich habe tatsächlich ein paar locations. in wien natürlich die stadthalle ausverkaufen und in berlin die wuhlheide zum beispiel. ich war weltweit noch gar nicht in so vielen locations, dass ich das jetzt beurteilen könnte.

aber auf jeden fall große locations.

ja, mein ziel ist es schon, dass ich einmal die stadthalle ausverkaufe. ob es mir dann gelingt oder nicht ist eher sekundär, denn es geht eher um den weg dorthin und um das ziel das man sich setzt. wenn es dann nur die arena oder ein arena open air wird, ist es auch cool, aber mein ziel ist es schon die stadthalle auszuverkaufen. in den meisten locations ist man ja auch einfach begrenzt. man kann keine krasse lichtshow im b72 machen, aber in der stadthalle dann schon. es geht weniger darum, dass ich immer erfolgreicher werde und mehr verdiene, sondern darum, dass man dann alle ideen, die man hat, umsetzen kann. jetzt ist man doch immer begrenzt. die begrenzung wandert zwar immer mehr nach oben, weil man immer mehr möglichkeiten hat, aber man kann gewisse dinge einfach nicht machen. deswegen ist das größer immer das ziel.

also lichtshow, konfetti und riesen ballons?

konfetti braucht es auch nicht. ich habe mir auch noch nicht so viele gedanken darüber gemacht, aber so fette led-wände auf denen man videos abspielen kann, ich glaube damit kann man schon viel machen. oder wirklich so kanye west mäßig, irgendwelche krassen dinge aufbauen. ich war zum beispiel kein fan von der deichkind show am frequency 2016. ich fand die total peinlich. vorher spielten bilderbuch und es war richtig cool und dann kamen deichkind und hatten eine ballermanshow, wo es nur mehr darum gegangen ist noch mehr krassere bühnenelemente einzufügen. man rappt auf irgendwelche top40 instrumentals. vor 10 jahren hätte ich das glaube ich schon noch lustig gefunden, aber es sind noch immer die gleichen gags und die gleiche show wie am donauinselfest vor 10 jahren und das ist für mich keine kunst. es ist nur mehr reine unterhaltung für betrunkene und da kann ich auch gleich eine zeltfest coverband hinstellen und die das alles machen lassen. die kunst ist es mit einer anspruchsvollen show trotzdem noch eine breite masse zu unterhalten. natürlich muss man als headliner bei voller partylaune nicht den teacher spielen und die leute nur zu nachdenklicher musik bringen. die mischung von bilderbuch aus kunst und unterhaltung fand ich gut und nicht nur „saufen! saufen!“ schreien, denn das habe ich ziemlich dämlich gefunden. darum, wenn bühnenshow, dann nicht nur konfetti, sondern irgendwie auf cool.

danke für das gespräch!

gerard – tourdaten:
03.12.2017 – hamburg – prinzenbar
04.12.2017 – berlin – musik & frieden
05.12.2017 – köln – yuca
06.12.2017 – stuttgart – schräglage
11.12.2017 – münchen – ampere
13.12.2017 – graz – ppc
14.12.2017 – zürich – exil
15.12.2017 – wien – wuk

web: https://www.gerardmusik.com/
facebook: https://www.facebook.com/gerardmusik/

* danke an katrin von wirhebenabkonzerte für die unterstützung.

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