konzert #74: genetikk, kreiml & samurai, 5 sterne deluxe, oddisee & good company, blumentopf, beginner @ hip hop open in wiesen | 22.07.2016

das hip hop open festival und ich: eigentlich war es eine liebesgeschichte. etwas, was sich zusammenfügt hat, weil es einfach so sein sollte. was ich damit meine? knapp eine woche vor dem festival wusste ich nicht, ob ich wirklich dort sein würde. ich hatte kein ticket und wollte mir auch keines kaufen, weil mir die preise zu teuer waren und ich eigentlich eh „nur“ 5 sterne deluxe und die beginner sehen wollte. für zweitere besaß ich bereits ein konzertticket für den herbst, was meine entscheidung nicht einfacher machte. wie durch ein kleines wunder gewann ich dann wenige tage davor wirklich 2 tickets bei themessage und somit war die sache geritzt. hip hop open und ich würden uns wiedersehen – schön! und danke an themessage.

also ging es direkt nach der arbeit zu meiner auto-ausborge-station, aka meiner lieben schwester (danke!!), und dann auf schnellstem weg nach wiesen. der schnellste weg über die autobahn wurde durch einen stau zwar etwas gebremst, aber ich war trotzdem zur gewünschten zeit am gewünschten ort. als erstes wollte ich oddisee & good company sehen, weil ich vom auftritt am waves festival vergangenes jahr nur gutes gehört hatte. fail! die herrschaften steckten im stau (den, den ich noch besiegt hatte!) und mussten einen späteren slot auf der second stage einnehmen. also war die erste rap-gruppe jene, die auf den namen „genetikk“ hörte.

die leute chillten auf der wiese, einige waren bereits motiviert fürs kopfnicken und mitbouncen und hatten sich im schatten vor der bühne versammelt. es lag ein gras-geruch in der luft, ehe die deutsche hip-hop-gruppe das bühnenparkett enterte. mit einem fetten auto on stage, als hingucker sozusagen, wurden sie schnell zum fokus der crowd. genetikk also. aus deutschland. rap und totenkopf-masken. beneidenswert fand ich ihren style nicht, die temperaturen waren sehr sommerlich und ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie sehr sie unter diesen masken geschwitzt haben. aber egal. bei genetikk hatte ich oft das gefühl, dass sie gerne jemand sein würden, der sie aber nicht waren: coole gangster und sowas. und alles was ich rausgehört hatte, waren songs, die genauso gut von cro sein hätten können. pop-samples für die wiedererkennbarkeit. hits verwenden um hits zu haben, oder so ähnlich. immerhin: sie griffen sich in den schritt und sie animierten zu bounce-bewegungen. showtechnisch war da schon gut was los. nur im musikalischen sinne fehlte mir die authentizität.


ich wechselte zur second stage. kreiml & samurai sollten mein nächster programmpunkt werden. die österreichische formation finde ich eigentlich schon seit immer ziemlich gut. dialekt-rap mit flow, guten beats und einer message ist einfach niemals verkehrt. ihr set fand zuspruch, jede menge menschen versammelten sich in der kleinen halle. gerappt wurde mit voller power, manchmal empfand ich den sprechgesang schon fast als schreigesang. abwechslung wurde durch eine menge an gast-mc’s sichergestellt, monobrother war zum beispiel einer jener gäste. mit interaktion im sinne von „hey, geht mal alle zu boden um auf mein kommando in die luft zu springen“ wurde der auftritt abgerundet. als letzter höhepunkt folgte dann noch ein moshpit, den sie liebevoll „schweinehundfusion“ nannten. solide, solide!

und zack, war es auch schon zeit für 5 sterne deluxe! meine erwartungen? eher hoch. vor vielen jahren zählten sie immerhin zu den top-hip-hoppern im deutschsprachigen raum. die leute waren erfreut, als sie auf die bühne stürmten, und beats und texte zum besten gaben, die unter die haut gingen. und alle rund um mich bewegten sich vor ekstase. aber: dann legte sich das ganze auch schon ziemlich rasch wieder, nach der ersten euphorie. irgendwie erwartete ich mir mehr hits, irgendwie erklangen eher unscheinbare nummern. der vibe ging etwas verloren, konnte nicht gänzlich auf die menschenmenge überspringen, bis natürlich „die leudde“ zu hören war. ab da war die devise: abriss. ohne wenn und aber. ohne ausnahme. alle mussten gänzlich der euphorie verfallen und taten es auch.

„heftig, heftig, heftig!“ wurde geschrien und es wurde gehüpft, getanzt, geklatscht. als absoluter schluss-höhepunkt folgte dann noch „türlich, türlich“ und jeder wusste: 5 sterne deluxe waren gerade da und haben uns ein mächtiges konzert beschert. auch wenn zwischendrin eine kleine verschnaufpause zu spüren war.

sich nach soviel deutsch-rap-nostalgie wieder einer anderen sorte rap zu widmen fiel mehr sehr schwer. ich wollte zwar bewusst ein paar nummern von „oddisee & good company“ begutachten, aber ich schaffte es nicht, mich darauf einzulassen. ich wollte blumentopf und beginner. auf der stelle. also machte ich mich wieder aus dem staub und wartete auf den deutschen-hip-hop-nostalgie-zug. ich scheiss kunstbanause.

ich war nie großer blumentopf hörer. deswegen hatte ich auch keine erwartungen an den auftritt. klar kannte ich einige songs, und klar war ich auch schon bei einigen blumentopf shows. aber jeder hat vermutlich solche bands und formationen, die man schon zig mal gesehen hat und an die man sich irgendwie trotzdem nicht erinnern kann (vermutlich wurde auch immer einfach zuviel alkohol getrunken). wie auch immer – ich fing quasi bei null an, mit der info im hinterkopf, dass sie nach den diesjährigen shows für immer getrennte wegen gehen würden.

blumentopf kamen auf die bühne und ich war geflasht. mega überrascht. wow! der gute alte hip-hop-nostalgie-zug tuckerte weiter und riss alle mit. ich assoziierte diese musikrichtung immer mit leichtigkeit und endlosem feiern, und genau das vermittelten mir die männer von blumentopf. zwischenzeitlich dachte ich: warum muss gerade so eine gruppe aufhören? eine gruppe, die noch für soviele nachfolgende menschen wichtig wäre, um vorbild zu sein in ihrem auftreten und art des musik machens.

besonders beeindruckt war ich von der freestyle-einlage, die nicht nur einmal bestandteil der show war. als sie dann auch einmal über die österreichische bundespräsidenten-wahl rappten, merkten sie an der raunenden menschenmasse, dass sie da einen wunden punkt getroffen hatten – hui. ausserdem sehr beeindruckend: ihre animationsgabe. blumentopf benutzten einen alten schmäh und beauftragen das publikum, sich auf den boden zu setzen und danach aufzuspringen. die stimmung war enorm! und dann waren da auch noch songhighlights, angefangen beim chemical brothers-sample „galvanize“ über das sie ihre texte legten bis hin zum „der topf ist im haaaaaus“. wahnsinn. ich war mehr als entzückt von blumentopf.


ich hoffte, dass die beginner an der show von blumentopf anknüpfen könnten. denn die stimmung war so gut, dass ich leichte zweifel bekam. die hit-dichte bei den headlinern des abends sollte zwar noch größer sein, aber würden sie ebenfalls soviele specials einbauen können? würden sie ebenfalls so mitreissen können? ich war mehr als neugierig!

die zweifel waren wie weggeblasen, als „ahnma“ durch die boxen dröhnte. eine düstere hymne, die aber live so unglaublich gut wirkte, dass man sofort in den bann gezogen wurde. mit „hammerhart“ und „gustav gans“ wurde versucht die stimmung weiter zum kochen zu bringen, was auch gelang. vor allem als bei zweiterem plüsch-figuren on stage auftauchten. erst zu diesem zeitpunkt fiel mir auf, was sich da eigentlich auf der bühne befand: eine led-pyramide, mit dj mad ganz oben thronend. und zwei tänzerinnen/sängerinnen.

die stimmung flaute ab. die beginner konnten nicht mit allen nummern punkten. und: sie versuchten kaum wirklich auf das publikum einzugehen und eine interaktion einzuleiten. es begann zu regnen und die besucher, die davor noch auf der wiese chillten, drängten sich unter das schützende dach. es wurde kuschelig. und die beginner nutzten die menschendichte immer noch nicht aus, um irgendwas besonderes zu veranstalten. hits wie „wer bistn du ey“, „füchse“ und „fäule“ schallten aus den boxen, aber die stimmung blieb weiterhin etwas gedrückt.

auch das zwischenzeitliche ende war irgendwie kein ansporn für das publikum, mehr einzufordern. zugaben gab es trotzdem. auch wenn die euphorie (noch) nicht da war. die bühne wurde in rosa licht getaucht und „liebeslied“ erklangen. dann ging es wieder bergauf, die leute sangen mit und wurden wieder eins mit den rappern auf der bühne. werdet verliebt und so. ja, wir lieben euch eh, liebe beginner. aber ihr könnt das besser. viel besser. zeigt das bitte im herbst bei euren shows, bitte. dann lieben wir euch nicht nur, sondern verehren euch (wieder).

alles in allem: ein solider, smoother erster abend in schönem ambiente. organisatorisch funktionierte einiges besser als am wochenende zuvor. mehr leute waren auch da = ergo bessere stimmung. der regen am schluss kühlte ab und mein highlight war überraschenderweise blumentopf. gegen halb 2 fuhr ich dann mit einer netten gruppe an menschen wieder nach wien und war glücklich in meinem bett schlafen zu können. der wienkonzert-senf zu tag 2 folgt bald, stay tuned!

Comments

No Comments Yet!

You can be first to comment this post!

Post Reply

Kommentar verfassen