sombr im gasometer: tiktok-hype traf auf echte konzert-ekstase.
okay, also es war so: das interesse an sombr war so enorm, dass das konzert im gasometer innerhalb kürzester zeit ausverkauft war. ich hatte schon nicht mehr daran geglaubt, an diesem abend überhaupt das gasometer betreten zu können – so aussichtslos erschien die ticketsuche. ich stellte mich also schon auf einen gemütlichen abend zuhause ein, bis mich das ticketglück doch noch sehr spontan heimsuchte. ich war zittrig, aufgeregt und konnte kaum glauben, dass ich den künstler der stunde nun doch noch zu gesicht bekommen würde.
tatsächlich stand ich dann im gasometer – voller vorfreude und auch ein bisschen ängstlich. ich erwartete ein laut schreiendes publikum und befürchtete, dass dadurch die qualität der songs ein wenig verloren gehen würde. bevor es aber losging, durfte noch support-act charlotte lawrence die bühne betreten. sie versuchte einzuheizen, konnte sich in ihrem knappen minikleid aber nur eingeschränkt bewegen. mir ging es allerdings ähnlich wie ihr: mein stehplatz war fürchterlich, alle standen eng an eng, ich sah so gut wie nichts. doch das schlimmste sollte noch folgen: charlotte lawrence coverte „mr. brightside“ von the killers und die mädels neben mir sangen so laut und falsch mit, dass mir fast die ohren abfielen.
ich wusste also schnell, dass ich dort nicht das ganze konzert verbringen wollte. ich schlängelte mich etwas weiter nach hinten – zur „party in the back“. und was ich dort vorfand, konnte ich kaum glauben: unendlich viel platz! entweder waren die sombr-fans alle sehr platzsparend oder sie drängten einfach alle nach vorne, sodass es hinten nahezu paradiesisch war und richtig viel bewegungsfreiheit herrschte. mich störte der platz weit hinten jedenfalls überhaupt nicht – ich war glücklich.
und dann war es irgendwann soweit: sombr betrat die bühne im latenite-studio-stil und eröffnete gleich mit seinem hit „i wish i knew how to quit you“. ich war völlig geflasht, denn ich kannte den song – obwohl ich gar nicht wusste, dass ich ihn kannte. ich fühlte mich sofort gut aufgehoben, obwohl das eigentlich völlig gegen meine logik ging. immerhin bin ich fast doppelt so alt wie sombr.
tatsächlich ging es so weiter: „we never dated“ ertönte und ich dachte nur: moment – warum kenne ich eigentlich alles von sombr? ich bin doch gar nicht so tiktok-süchtig… oder etwa doch? dieses hitfeuerwerk und meine eigene verwunderung darüber lenkten mich fast davon ab, darauf zu achten, was auf der bühne eigentlich passierte. aber tatsächlich lief er einfach von einem bühneneck zum anderen, warf seine schlaksigen arme in die höhe, sprang herum, verrenkte sich und beeindruckte vor allem mit seiner sehr markanten und einzigartigen stimme.
song für song folgte die nächste verwunderung. sombr wirkte hochmotiviert, animierte das publikum immer wieder zum hüpfen und suchte ständig die nähe zu seinen fans – entweder durch kurze ansagen oder mit einem sprung in den bühnengraben. seine leichte unbeholfenheit fand ich dabei richtig sympathisch. von anderen hörte ich später, er müsse „noch üben“. diesen eindruck hatte ich gar nicht. dank seiner (tiktok-)hits kann er es sich offenbar leisten, einfach über die bühne zu düsen und sogar ein bisschen mit dem mikrofonständer zu flirten.
besonders beeindruckend war schließlich der zugabenteil mit „back to friends“ und „12 to 12“. bei der ersten zugabe verschmolz sombr regelrecht mit dem publikum, und den allerletzten song performte er gleich zweimal hintereinander. unter der discokugel entstand so eine starke ekstase, die mich komplett vereinnahmte. ich tanzte, sang mit und genoss die show vollends.
ich hätte wirklich nicht gedacht, dass mich ein 20-jähriger sänger derart abholen würde – aber er hat es geschafft. der hype? ja, leider berechtigt. ob er auf dieser welle weiter schwimmen kann, wird sich zeigen. für genau diesen moment war es jedenfalls perfekt.






