bunte luftballons retten keinen auftritt: lottery winners waren in der szene wien.
meine motivation, die band lottery winners unbedingt live sehen zu wollen, war zunächst eine recht nüchterne: sie waren für mehrere namhafte festivals in england 2026 gebucht, was meine neugier weckte. also führte mich diese an einem donnerstagabend in die szene wien, wo ich pünktlich zum beginn des support-acts saint raymond ankam.
saint raymond präsentierte sich als ausgesprochen stimmungsvoller singer/songwriter. gefühlt jeder song hatte hitpotenzial, ich war ehrlich positiv überrascht. und wie so oft dachte ich mir: wenn ein konzertabend schon so gut beginnt, kann er eigentlich nur gut weitergehen. selbst das laute, teils nervige gequatsche im publikum konnte ich in meiner euphorie weitgehend ausblenden. ich war bereit, ganz in der musik aufzugehen.
diese gute ausgangsstimmung ließ mich hoffen, dass auch lottery winners eine entsprechend starke liveband sein würden. schließlich waren sie nicht umsonst als support für robbie williams unterwegs. doch kaum betraten sie die bühne, stellte sich bei mir ein gegenteiliges gefühl ein: eher wie bei einem kindergeburtstag, an dem ausschließlich schlecht gekleidete erwachsene teilnehmen, die sich für besonders witzig halten.
leider blieb es nicht bei diesem ersten schlechten eindruck, es folgten noch viele weitere schlechte eindrücke. in regelmäßigen abständen betonte der sänger, dass robbie williams die band berühmt gemacht habe, und wie großartig das sei. noch cooler seien natürlich jene menschen, die sie im vorprogramm von nickelback gesehen hätten. ich verstehe, dass man stolz darauf ist, über große acts neues publikum zu gewonnen zu haben. doch muss man das wirklich alle paar minuten wiederholen? als band sollte man mehr sein als „die geile vorband von robbie williams, die jetzt berühmt ist“.
musikalisch war ihr indie-pop stellenweise durchaus solide, einzelne songs fand ich sogar richtig gut. doch die inszenierung mit bunten luftballons, farbigen buchstaben des bandnamens und dem permanent übertriebenen grinsen der bandmitglieder wirkte auf mich nicht verspielt, sondern unangenehm künstlich. weniger leidenschaftliche musiker, mehr aufgesetzte gute-laune-show.
ja, die band verstand es, stimmung zu machen und das publikum zum mitklatschen zu animieren. für mich war der preis dafür jedoch zu hoch. das präpotente auftreten wurde zunehmend unerträglich, ich wollte irgendwann nicht einmal mehr zur bühne schauen. immer wieder hallte es durch den raum: „robbie williams made us famous“. sogar ein improvisierter song mit genau dieser zeile blieb mir nicht erspart.
als der letzte ton verklungen war, machte ich mich rasch auf den heimweg. dieses konzert hinterließ bei mir ein deutliches unbehagen. umso froher war ich, dass im dezember noch weitere konzerte auf mich warteten – denn mit diesem erlebnis wollte ich mein konzertjahr ganz sicher nicht abschließen.









