eindrucksvoll aber anstrengend: ethel cain im gasometer.
mein interesse für ethel cain entstand eigentlich während eines primavera-sound-livestreams und ihrer dortigen performance. ich mochte die songs und die atmosphäre, und schon landete sie auf meiner konzert-bucketlist. als ihr auftritt im gasometer angekündigt wurde, war für mich klar: da musste ich hin.
aber ich hatte keine ahnung. keine ahnung, welches publikum „ethel cain“ anziehen würde. es war jedenfalls ein extrem fanatisches publikum. meine freundinnen und ich waren rechtzeitig vor ort, mein einziges anliegen war simpel: ich wollte mittig stehen – egal ob weiter vorne oder hinten, hauptsache gerade auf die bühne schauen. diesen gedanken hatten allerdings viele. noch vor konzertbeginn drängten sich immer mehr menschen in unseren ohnehin engen „gerade-linie-zur-bühne“-bereich, obwohl es kaum mehr möglich war, sich umzudrehen. so unentspannt hatte ich mir den abend nicht vorgestellt.
wenn es schon vor einem konzert mühsam ist, wird es währenddessen selten besser. und so war es auch hier. als ethel cain die bühne betrat, schrie ein großteil des publikums so laut wie möglich mit. wann haben wir eigentlich akzeptiert, dass das normal ist? warum kann man nicht einfach schön mitsingen? ich war mehr damit beschäftigt, nicht umgestoßen zu werden, als mich auf die musik zu konzentrieren. genießen war schwierig.
in den momenten, in denen ich das konzert wirklich wahrnehmen konnte, offenbarte sich allerdings ein sehr starkes bühnenbild: blätter, baumäste und ein kreuz in der mitte, getränkt in wunderschönes, fast sakrales licht. ethel cain stand an diesem kreuz oft wie ein pfarrer an der kanzel und predigte ihre songs. manchmal bewegte sie sich richtung bühnenboden oder näher zu den fans, doch meist blieb die kreuz-kanzel ihr zentraler ort.
musikalisch bewegte sich der abend zwischen düsterem indie-gothic-folk, leichten rock-einflüssen, poppigeren momenten, noise-passagen (für mein gehör teils grenzwertig) und balladen. ethel cain zeigte eine enorme bandbreite. das publikum hingegen kannte meist nur eine variation: mitschreien. permanent. dabei schrie ethel cain selbst kaum – sie sang, summte und brummte ihre texte präzise, ruhig und mit einer klaren, starken stimme ins mikrofon. dieser kontrast war für mich schwer auszuhalten.
mein persönliches highlight war ein weißer lichtkegel hinter ihr. ich wollte dieses eine foto mit genau dieser lichtstimmung und ich habe es auch bekommen. der preis dafür war allerdings hoch, und ich würde es so kein zweites mal machen. am ende wünschte ich mir, ich wäre doch beim johnny-marr-konzert in der simm city gewesen. auch wenn das ethel-cain-konzert vieles richtig machte und visuell wie musikalisch beeindruckend war, war mir persönlich die stimmung zu extrem und das gegenseitige platzkämpfen schlicht zu viel, um den abend wirklich genießen zu können.






