ein distanzierter abend – im wahrsten sinn des wortes: „patrick wolf“ war im theater akzent.
„patrick wolf“ zu sehen stand schon lange auf meiner bucketlist. anfang der 10er jahre waren die hits „time of my life“ und „the city“ andauernd in meiner playlist und deswegen musste ich endlich die chance ergreifen und ins theater akzent pilgern, um den britischen sänger zu erleben. gefühlt all meine freunde waren an jenem tag bei „billie eilish“ in der stadthalle und am liebsten hätte ich mich zweigeteilt – aber ich bevorzugte dann doch das reine sitzplatzkonzert im theater, auch weil ich ohnehin auf meine energie achten musste.
ich saß an jenem abend zum ersten mal oben am balkon und es fühlte sich ein bisschen so an, als wäre man dabei, aber mit einem großen „unerlaubt“-gefühl. ja, man fühlte sich ein bisschen wie ein ungebetener gast. da oben wurde man nämlich von jedem künstler ignoriert, nicht angesprochen und keines blickes gewürdigt. aber gut, zaungast zu sein war mir an jenem abend eh lieber. wie auch immer: support-act war „rhumba club“ und es handelte sich dabei nicht um einen club sondern um einen typen namens tom falle, der auf der bühne herumschlich. seine musik war 80er-jahre-synthie-disco angehaucht – aber so aufheiternd seine musik auch klang, auf der großen, leeren bühne wirkte er ein bisschen verloren.
irgendwann kam dann endlich „patrick wolf“ auf die bühne – und ich war erstaunt. sein auftreten war speziell, irgendwie alles, aber nicht so wie ich erwartet hatte. er war nicht nur der sänger, er war auch einer der performte – und zwar in outfits aus der kostümfundus-kiste. es fehlte jede spur von 10er jahre indie-held. vielmehr präsentierte er sich als kunterbunter lebenskünstler, der die kunst vielleicht ein bisschen zu ernst genommen hat. versteht mich nicht falsch, ich fand seine musik und seinen gesang sehr schön, die dazugehörige performance war „mal was anderes“. aber ich konnte trotzdem mit dem dargebotenen nicht so ganz warm werden, weil es so oft in eine ganz ganz ganz langsame und etwas distanzierte richtung ging. ich hatte mir tempo gewünscht, weil irgendwie der drive fehlte. aber ja, es war ein sitzplatzkonzert, tempo ist da ja meistens nicht angebracht.
ich war im zwiespalt: ich wollte offen sein, für „patrick wolf“ und seine neuinterpretierung seiner musik. aber teilweise fühlte ich mich wie bei einem vorspielabend in der schule – alle lauschten und trauten sich danach nicht zu sagen, dass sie die kostüme (und die musik) komisch fanden. aber es war natürlich nicht alles schlecht: ich fand es gut, dass er instrumente und oufits wechselte, ich fand es gut, dass er so manchen song in einer remix-version zum besten gab, das lockerte das unterfangen etwas auf. ebenso lockerten die kleinen momente mit mehr geschwindigkeit auf – es ging fast schon ein erleichtertes aufatmen durch die reihen.
ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich erwartet hatte. auf seine eigene art und wiese war dieser abend im theater akzent natürlich ein schöner, runder abend. aber mein persönlicher geschmack hätte sich auf eine wildere aufflockerung gefreut. auf mehr echtheit, und weniger hinter-den-kostümen-verstecken.





