konzert #32-34: waves festival | 07.09.-09.09.2023

drei tage lang wurde das waves festival entlang dem gürtel zelebriert – mit high- aber auch lowlights.

jedes jahr im september geht das „waves festival“ über die bühne – früher fand es an unterschiedlichen spielstätten statt, dann eine ganze zeit lang im und rund um das wuk. das war des ideal-zustand. und nun, im jahr 2023, dem jahr des wuk-umbaus, wechselte es wieder zu unterschiedlichen spielstätten. ausgewählt wurden zahlreiche gürtel-lokale und das metropol, etwas abseits des gürtels.

zugegeben, ich liebe alles am wuk und war unendlich traurig, dass es nicht wieder dort stattfinden konnte. die gürtel-lokale assoziierte ich bereits mit anderen festivals, wie dem gürtelnightwalk und der gürtelconnection, und somit war es für mich ein bisschen schwer, den flair des waves festivals mit den gürtel-lokalen zu verknüpfen. auch weil ich wusste, wie voll es in den lokalen werden würde und wie mühsam es werden könnte, alle persönlichen konzertwünsche zu realisieren. aber jammern brachte auch nichts, also wagte ich mich mit einem groben plan ins getümmel.

donnerstag, 07.09.2023

ich startete im loft – nicht weil ich das wollte, sondern weil die künstlerin, die ich eigentlich sehen wollte mit ihren slot verschoben wurde. aber das loft war auch okay und ein guter plan b – dort waren zwei bühnen beheimatet und das programm fand ich ganz in ordnung. also musste ich nicht ständig von einem lokal zum nächsten tingeln, sondern konnte bühnen wechseln ohne das gebäude zu verlassen. „mele“ am unteren floor, war die erste künstlerin, die ich mir zu gemüte führte. ganz reiner, deutschsprachiger pop kam mir zu ohren und wenn ich generell ein bisschen auf diese musik stehen würde, hätte ich ihren auftritt mit sicherheit gefeiert. aber meine abneigung gegenüber deutschsprachiger musik hat so große ausmaße angenommen, dass es sehr schwer für mich war, ihr zuzuhören. nichts gegen mele, sie hat das schon gut gemacht und ist auch gut auf der bühne abgegangen, mir persönlich war das ganze einfach ein bisschen zu seicht.

ich wollte eigentlich bis zum ende von mele’s auftritt bleiben, aber ich konnte einfach nicht. ich war ein bisschen verloren und entschied dann spontan einen sprung in den kramladen zu machen. im kramladen waren gerade „jamila and the other heroes“ dabei, mit ihrem „psychedelic desert funk“ das publikum zu umgarnen. für mich klang es leider eher wie hintergrundmusik in einer ranzigen dönerbude und ich verließ bereits nach einem song wieder den konzertraum. aber noch hatte ich hoffnung, an jenem abend noch eine band zu finden, die ich mögen würde.

ich wanderte wieder zurück ins loft, denn auf dem wohnzimmer-floor wollten als nächstes „wolfolks“ ihren indie-folk-pop zum besten geben. und als dann schließlich die ersten songs performt wurden, wollte ich am liebsten losheulen. nicht, weil ich von den liedern ergriffen war, sondern weil ich wieder bei einer band gelandet war, die nichts ausser meinen fluchtinstinkt auslöste. mir war auch diese musik zu einfach, zu folky, zu country. langsam wurde ich verzweifelt: was war mit mir passiert, dass ich nicht mehr offen für jegliche art von musik war? es konnte doch nicht alles „schlecht“ sein? ich war ein bisschen am ende mit meinem latein.

ich ging wieder zum unteren floor im loft, holte mir ein getränk an der bar und wartete dort auf die nächste musikgruppe. ich hatte angst, wieder enttäuscht zu werden, ich hatte zu jenem zeitpunkt nicht mehr wirklich einen ausweichplan. und dann kamen „ikan hyu„, mein erster lichtblick an jenem abend. die beiden damen hatte nicht nur viele elektronische musikinstrumente am start sondern hatte auch noch eine ordentliche menge an energie freizusetzen! und zudem hatten sie wahrscheinlich das beste licht-setup des abends, wenn nicht des ganzen festivals! die lichtshow fetzte einem schon fast alle gedanken weg und in kombination mit ihrer wilden musikmischung aus pop, rock und disco-punk konnten zum ersten mal auch alle besucherinnen zum mitspringen animiert werden.

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nach dem krasssen set von „ikan hyu“ ging ich wieder zum oberen floor, dem wohnzimmer-floor. den wohnzimmer-floor fand ich grundsätzlich alles andere als passend für musikalische darbietungen – es war rundherum viel zu viel los, viel zu viele muster und auch ein bisschen zu hell. aber wenn jemand richtig gut ist, würde ich das ausblenden können, war mein gedanke. also sah ich mir den auftritt von „becky sikasa“ an – und grundsätzlich war sie wahnsinnig gut. sehr gute stimme, sehr gute, soulige pop-musik, manchmal sogar mit verzerrter autotune-stimme. aber es trat irgendwann genau das ein, vor dem ich angst hatte: ihre songs konnten sich nicht so entfalten, wie sie es verdient gehabt hätten. all das bunte treiben rundherum lenkte viel zu sehr von ihrer performance ab. als visueller mensch blieb mir am ende nicht die musik, sondern das karierte muster überall in erinnerung.

auf nummer sicher gehen, das wollte ich bei meiner nächsten musik-begutachtung. ich wanderte also rüber in den kramladen, denn dort spielte gerade „peter the human boy„. ich hatte den künstler schon einmal live gesehen und wusste daher was mich erwartet. und: ich wurde auch nicht enttäuscht. ich hörte einen wunderbaren, soften dream-pop-auftritt in einem raum voller nebel und licht. es war unfassbar angenehm einmal keine reizüberflutung zu erfahren und sich vollends auf die musik konzentrieren zu können.

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nach „peter the human boy“ stand für mich an jenem abend zum ersten mal eine etwas längere wanderung am programm. ich bemühte mich, zum quasi ende des gürtels, zum b72, denn ich wollte unbedingt „aziya“ aus london sehen. sie hätte eigentlich als opener spielen sollen, wurde aber mit ihrem set nach ganz hinten verschoben. im nachhinein war das eine mehr als gute entscheidung.

aziya“ entpuppte sich bereits nach kurzer zeit als mein absolutes highlight. sie spielte wie wild auf ihrer e-gitarre, sie legte sich sogar einmal auf den boden um zu singen, sie hüpfte ins publikum um mit den menschen zu tanzten, sie tat regelrecht alles um die menge zu unterhalten. und nebenbei performte sie songs, die richtig ins ohr gingen. irgendwo zwischen poppigen melodien und indie-rockigen begleitungen auf der gitarre, genau da befand sich ihr repertoire und es machte einfach unfassbar viel spass zur zuzuhören aber auch zuzusehen. zwischendurch spielte sie sogar ruhigere songs und somit hatte sie meinen imaginären preis für ‚bester auftritt des abends‘ sowieso schon gewonnen.

und so ging mein erster abend zu ende – zum glück mit einem absoluten highlight!

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freitag, 08.09.2023

ich hoffte an jenem tag, dass es nicht wieder verschiebungen oder absagen kommen würde – ich wollte nicht nochmal spontan zu konzerten gehen, dafür hatte ich am vortag einfach zu schlechte erfahrungen gemacht. aber es schien, als würde diesmal alles gut gehen. ich startete meine konzertprogramm im b72 – „childe“ war der eröffnungsact und ich begutachtete seinen auftritt vom oberen stock aus. ich saß am boden, schaute durch das gitter und konnte schöne, ruhige aber auch emotionale indie-schmuse-musik genießen.

der ganze auftritt wäre ziemlich super geworden, hätte er zwischendurch einfach nichts gesagt. seine witze waren teilweise sehr seltsam und auch ein bisschen vorhersehbar und zerstörten somit ein wenig die fantasiewelt, die ich mir rund um seine musik gebaut hatte.

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ich wanderte weiter ins loft, denn ich erhoffte mir eine atemberaubende performance von eurovision songcontest teilnehmer „sander sanchez“ aus der schweiz. als ich im loft und somit beim wohnzimmer-floor ankam, wurde mir gleich wieder bewusst, dass ich mir keine hoffnungen machen sollte. die bunte umgebung war einfach nicht der richtige ort, für einen künstler der selbst schon bunt genug ist.

und so bemühte er sich zwar mit seiner tanzperformance und seinem gesang, aber er war einfach zur falschen zeit am falschen ort. es war wirklich wie wenn man einen großen star im eigenen wohnzimmer stehen hat und eine stadion-show erwartet – es kann einfach nicht funktionieren. sander sanchez gehört meiner meinung auf eine schwarze theaterbühne und nur beleuchtet, wenn seine bewegungen zur geltung kommen sollen.

ich ging auf den unteren loft-floor, denn als nächstes sollte dort die gehypte sprechgesangkünstlerin „bex“ auftreten. und alles was gemunkelt wurde, war die wahrheit. die frau betrat die bühne, die für sie viel zu klein war, und rappte umrahmt von ihrer außergewöhnlichen personlichkeit. sie wirkte, als hätte sie nie etwas anderes gemacht und bot eine show, die man so nur von großen, internationalen hip-hop-künstlerinnen kennt. ihre attitüde, ihr erscheinen, alles war groß – nur eben die bühne (noch) nicht. aber das wird sich ändern, da bin ich mir sicher!

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ich wollte zumindest einmal die festivalzentrale besuchen und da ich ein kleines loch in meinem zeitplan hatte, wanderte ich mit freunden ins metropol. dort war endlich die große bühne, die ich vergeblich in allen anderen locations gesucht hatte. „carson coma“ aus ungarn standen gerade auf der bühne und rockten was das zeug hielt – nur leider in ungarisch, was es ein bisschen schwierig machte, herauszufinden, was sie mit ihren texten vermitteln wollten.

es ist natürlich völlig in ordnung in seiner muttersprache zu singen und die musik sowie der auftritt waren wirklich gut – ich kritisiere viel mehr mich selbst. schon wieder nicht offen genug für musik in sprachen, die ich nicht verstehe. schon wieder nicht offen genug, sich vollends auf die musik, auf die töne einzulassen. aber ich kritisiere auch das metropol: ich hatte mir ein getränk in einem anderen waves-festival-lokal gekauft und durfte es nicht mit ins metropol nehmen. das war ein bisschen mühsam, weil man auf showcase-festivals generell immer ein bisschen im stress ist um alle wunsch-bands zu sehen. ganz schnell austrinken oder abstellen, ohne zu wissen ob man sein getränk wieder bekommt… ufff. ich beschloss für mich jedenfalls, das metropol nicht mehr zu besuchen – es war mir ohnehin viel zu weit weg von den anderen lokalen.

gemeinsam mit zufällig getroffenen freunden machte ich mich auf den weg ins b72 – denn „oscar lang“ stand als nächstes auf meinem plan. und ich freute mich riesig auf diesen künstler! zurecht: ich stand direkt vor der bühne und oscar lang legte eine show hin, wie ich sie mir nicht besser ausmalen hätte können. irgendwo zwischen elton john und lewis capaldi, bemühte er sich mit kräftiger stimme und unfassbar schönem klarvier- aber auch gitarrenspiel um die gunst des publikums. zusätzlich bewegte er sich wie ein alter, erfahrener show-entertainer, warf seinen kopf in alle richtungen um sein haar schwingen zu lassen und lehnte sich auch mal zurück um ein bein in die höhe zu strecken. „oscar lang“ hatte abgeliefert und ich war froh, diesem auftritt beigewohnt zu haben.

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samstag, 09.09.2023

an meinem letzten festivaltag wollte ich mich nicht mehr stressen – ich startete ganz gemütlich am unteren loft-floor und sah mir das konzert von „lahra“ an. tatsächlich war ich äußerst positiv überrascht – sie hatte sich wirklich gedanken darüber gemacht, wie sie sich auf der bühne bewegen wollte und legte eine einwandfreie pop-show hin. ihre songs waren sehr eingängig und das wichtigste, sie konnte wirklich gut singen. sie blieb mir jedenfalls im kopf – vielleicht auch, weil ich mich in meiner jugend genau wie sie kleidete.

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ich wollte dem hype folgen und bin danach in den „fania live“ club. der club ansich ist so gar nichts für mich, aber die dort auftretende hip hop band „hidden gemz“ wollte ich mir unbedingt live ansehen. und nicht nur ich wollte das tun, sondern unfassbar viele andere menschen ebenso.

und was ich dann sah, war wie erwartet: eine junge gruppe an burschen, die rap über live-soul-musik legte und die mit guten taktgefühl und schönen beats das publikum mit mitnicken animierten. manchmal schlichen sich auch ein paar gesungene passagen in die songs und somit wurden „hidden gemz“ vor allem für hip-hop-liebhaber mit sicherheit ein großes highlight.

ich blieb eine ganze weile draussen vor dem fania live stehen um mit vielen freunden zu plaudern und stolperte danach nochmal ins fania live um mir „pina palau“ anzusehen, weil ich noch etwas zeit hatte bis zu meinem nächsten programmpunkt. aber sie performance war mir leider ein bisschen zu langweilig und auch ein bisschen zu schief gesungen, daher machte ich mich wieder auf den weg nach draussen und anschließend auf den weg ins b72.

wie jeden abend endete auch der letzte festivaltag vorm und natürlich im b72. im b72 erwartete mich die band „deijuvhs“ aus england und ihr auftritt war wahrscheinlich der brutalste, den ich jemals in meinem leben gesehen hatte. als das duo mit ihrer performance begann, waren sie schon längst nicht mehr herr ihrer sinne – das ganze unterfangen auf der bühne war ziemlich chaotisch und unkontrolliert. sie hüpften auf der bühne herum aber sie hüpften auch ins publikum, ohne wirklich vorwarnung zu geben. einmal übersah der gitarrist sogar eine bühnenkante und fiel direkt in die menschenmenge samt gitarre – genauer gesagt, direkt auf mich drauf und mit der gitarre direkt auf meinen kopf. tja, das war nicht die beste erfahrung meines lebens.

nachdem sie ihre bekannteren hits, die aus einer mischung aus rap, punk und jungle bestanden, spielten, suchte ich das weite. es war mir tatsächlich irgendwann auch ein bisschen zu gefährlich, in der ersten reihe zu stehen. und so spielte die band noch ein bisschen weiter und verletzte hoffentlich keine weiteren konzertbesucher. ich verabschiedete mich noch von ein paar freunden und trat dann den heimweg an.

die drei abende auf dem waves festival waren intensiv, mit einigen highlights aber auch mit einigen lowlights gespickt. die wege zwischen den konzertlokalen waren teilweise lang, das wetter aber gottseidank gut. am schönsten fand ich es tatsächlich zufällig freunde am weg zu treffen, wenn auch leider nicht so häufig wie bei den ausgaben, die im wuk stattfanden. der zentrale ort zum austausch, zum geheimtipp weitersagen, der fehlte mir dann doch immer wieder. hätte ich jenen ort gehabt, hätte ich vielleicht weniger enttäuschungen erfahren.

ich bin jedenfalls gespannt wie sich das waves festival in seiner nächsten ausgabe entwickeln wird und hoffe auf einen ort, an dem man sich zwischendurch treffen und musikempfehlungen austauschen kann! denn showcase-festivals leben vom austausch, vom hype, vom entdecken!