hosted by wiebke | nova rock festival | 07.06.-10.06.2023

gatsch, sonne und musik: das nova rock festival bot alles, was der festivalherz begeherte!

spätestens im juni startet jedes jahr die festivalsaison, denn das nova rock steht an! und mit der ausgabe des festivals im jahr 2023 einhergehend auch der regen. noch vor dem ersten tag hat dieser das erdige gelände komplett durchgeweicht. doch die veranstalter hatten aus den erfahrungen der letzten jahre gelernt: wege wurden mit rindenmulch ausgelegt, vor der hauptbühne lag stroh und es wurden kostenlose regenponchos ausgegeben. doch der hauptgewinner in diesen tagen: die altbewährten regenstiefel. wichtig war sich vom wetter nicht die stimmung verderben zu lassen und so machten manche festivalbesucher das beste aus dem gatsch und integrierten ihn in ihr erscheinungsbild. ein bisschen glitzer auf den wangen und dreckspritzer auf dem körper verstreut – fertig war das nova-rock-outfit!

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tag 1

nun der schlamm war nervig, denn ein 2-minütiger weg dauerte schnell mal 5 minuten oder mehr. aber dennoch hielt das wetter halbwegs, sodass keine einzige show abgesagt oder verschoben werden musste. auch die stimmung des publikums wurde nicht gedämpft. im gegenteil: schon bei „you me at six“ am nachmittag war die menschenmenge sehr motiviert. die moshpits wurden angeheizt und die zapfhähne liefen bereits auf hochtouren. etwas später legten „simple plan“ mit einer gewaltigen portion rock nach und ich entschied nach den zwei acts erstmal mich ein wenig mit dem gelände vertraut zu machen. es gab ein überraschend großes angebot an vegetarischen speisen und ich entdeckte sogar etwas veganes, das nicht pommes war.

gestärkt fand ich schließlich die kleinere, weiter am rand des feldgeländes liegende red bull stage. dort spielte der wiener „bibiza„. kann man sich anhören, entschied ich. anschließend wollte ich mich an neue ufer meines musikhorizontes wagen, und zwar wollte ich lernen, was ska ist. nach der musik hat sich gleich eine band benannt, „ska-p„. diese hatten auf jeden fall eine menge fans, doch ihr auftritt in militäruniform und marschformationen auf der bühne löste unwohl gefühle in mir aus, sodass ich diesem auftritt nicht lange beiwohnte. die headliner des abends hatte ich mir dann aufgeteilt: zuerst ging ich zu „materia“ und später zu „slipknot„. das war ein ziemliches kontrastprogramm. leider konnte ich mit beiden nicht allzu viel anfangen und so machte ich mich, mit den pyroeffekten und laserstrahlen im rücken, auf den heimweg.

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tag 2

zusammen mit einigen dutzend anderen wollte ich den tag bei der red bull stage einläuten. diese entscheidung war nicht weise, denn es ist etwas passiert, dass den techniker*innen dort noch nie wiederfahren ist: ein ganzes aggregat für den strom ist ausgefallen. wir warteten und warteten und warteten … irgendwann war klar, dass es sich noch um stunden handeln würde, ehe es weitergehen könnte. vier acts wurden verschoben oder ganz abgesagt. artists und fans waren gleichermaßen enttäuscht. als alternative sah ich mir „motionless in white“ an. mit ihren masken und stark geschminkten gesichtern waren sie bestens vorbereitet für halloween. bei mir kam zumindest ein leichter gruselvibe auf. nur das setting am helllichten tage nahm der gesamten szenerie ein bisschen den drive. und leider gingen auch der bühnennebel und die bunten bühnenlichter unter.

einen marsch zur red bull stage später war das technische problem noch immer nicht gelöst. stattdessen sah ich mir vom hinteren gelände aus „fever 333“ an und war massiv beeindruckt. der frontman war nicht nur sänger, sondern auch akrobat, so wie er an den gerüsten herum kletterte. nicht einmal hatte ich die sorge, dass er abstürzte – der nervenkitzel machte den reiz der show aus. anschließend spielten „sum 41„, die fast jeder anwesende noch einmal sehen wollte, denn ihre auflösung war bereits verlautbart. noch ehe die mitglieder auf der bühne erschienen, wurden bereits ordentlich die nebelmaschine angeschmissen, was eigentlich gar nicht nötig war. sum 41 waren auch ohne spezialeffekte sehr stark. ihre performance war gut aber sie kam mir dann doch ein bisschen einstudiert vor. es gab kaum emotionale höhepunkte und auch das bühnebild war etwas langweilig. ich war schließlich sehr dankbar, dass zumindest eine kleine feuershow für abwechslung sorgte.

anschließend kam ich dann in eine misere: „three days grace“ oder „yungblud„? mein plan: erst die einen, dann schnell rüber rennen – und diese idee hatte nicht nur ich! wir wurden belohnt: yungblud hatte am selben tag ein neues lied veröffentlicht, welches keiner kannte. er sang die melodie vor und dirigierte uns während wir mitsangen. ich staunte: wir, das publikum, wir ergaben einen ziemlich starken chor, trotz unbekannten lied. das war sehr beachtlich! auch beachtlich war seine show: er sprang, er rannte quer über die bühne und demonstrierte sein können am tamburin. wow!

etwas später ging es für mich zu „tenacious d“ mit jack harlow – im vergleich ein schon fast ruhiges duo. der auftritt erinnerte mich an so manche konzerte der ärzte, denn eigentlich war man eher für die sprechpausen zwischen den liedern da statt für die eigentliche musik. es gab viel zu lachen und sie überzeugte auch mit ihrem ausgezeichneten gitarrenspiel.

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tag 3

ich wollte es am dritten tag noch einmal mit der red bull stage versuchen. die österreichische band „shatterfly“ eröffnete in der prallen sonne – und meiner meinung nach waren sie genau zur richtigen zeit am richtigen ort! aber auch auf einer hauptbühne hätten die band eine gute figur gemacht. apropos hauptbühne: dort spielten etwas später „feine sahne fischfilet“ und zeigten, was es heißt, dem publikum einzuheizen. roter nebel sprühte aus den instrumenten, es gab abkühlende bierduschen und ein schlauchboot schwomm über die menge hinweg. ich wechselte schließlich zu „wolfmother„, denn ich dachte, dass sie mir gefallen könnten. wirklich umgehauen hat mich ihre performance aber irgendwie nicht. der sänger hatte sichtlich spaß, er war in ständiger bewegung – aber das reichte für mich nicht aus. mir fehlte ein funken magie bei dem ganzen.

als nächstes begutachtete ich die band „i prevail„. auf die minute genau setzte zu konzertbeginn auch der regen ein – glücklicherweise hielt der regen nicht lange an. der auftritt von „i prevail“ überraschte mich positiv – ich hatte nicht mit einer metalband gerechnet, die sich gleichzeitig auf an anderen genres bedient. beeindruckt hatten mich auch die beiden sänger, die sich auf allen ebenen wahnsinnig ins zeug legten und von der ersten sekunde an ablieferten.

ein blick auf den festivalplan verriet mir, dass mein nächster programmpunkt „casper“ war. neugierig begab ich mich zur bühne und fand mich plötzlich in einem garten wieder. überall waren gewächse und sträucher – ich hätte casper nicht unbedingt mit blumen in verbindung gebracht und schon gar nicht auf dem nova rock festival. und dann stellte ich fest, dass alles sehr stimming war. casper und blumen und nova rock, das passt zusammen!

„casper“ war meine persönliche einstimmung auf die nächste (deutschsprachige) band „bilderbuch„. für bilderbuch war das nova rock festival ja quasi ein heimspiel. ich hatte sie zum zweiten mal live gesehen und stellte schnell fest: die band zog die menschen wie einen magneten an. ich kannte nur wenige lieder, aber spätestens bei „bungalow“ standen meine füße nicht mehr still. der hit „maschin“ war sowieso für die große bühne gemacht. trotz großer bühne investierten sie aber nicht in ihr bühnenbild: im hintergrund hang vor einer grünen wand ein weißes laken mit löchern. es wirkte improvisiert, aber das ist wahrscheinlich ihre ästhetik. die schlichtheit hatte auch irgendwie etwas anziehendes.

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tag 4

die gummistiefel blieben am letzten tag zuhause, denn es war plötzlich so heiß, dass auch eine lange hose zu viel war und ich eine extra schicht sonnencreme auftrug. das nova rock bot alle wetterextreme, aber auch musikextreme! am tag zuvor spielte als rausschmeisser die gruppe „scooter„, und am letzten tag eröffnete „wendis böhmische blasmusik„. ohne schlechtes gewissen ließ ich beide gruppen aus und statete meinen tag lieber bei der red bull stage mit den „ray.s„. diese band war der act, der das artist-voting gewonnen hatte. die vier legten sich ordentlich ins zeug inklusive stimmigen bühnenoutfit, einstudierten sprüngen und charismatischem gitarre-bass-battle. für mich war es die perfekte einstimmung für den tag.

im anschluss sah ich mir „nothing but thieves“ an – eine band, auf die ich mich mit am meisten gefreut hatte. und musikalisch enttäuschten sie mich kein bisschen. auch die menge ging ab, wobei auf der bühne äußerst wenig geschah, denn die fünf standen wie festgeklebt auf der stelle. danach folgte die gruppe „hollywood undead„. die bandmitglieder wechselten sich ab – bei gesang aber auch bei den instrumenten. es war ein organisiertes durcheinander auf der bühne und sie schafften es, dass alles miteinander harmonierte. auf empfehlung wechselte ich hinüber zu „arch enemy„. ich vernahm schreie, die aus dem mund einer sängerin mit leuchtend blauen haaren kamen und die ein knallenges blaues lederoutfit trug. auch wenn mir die musik nicht unbedingt in erinnerung blieb, ihre erscheinung tat es auf jeden fall.

an diesem abend war es einfach für mich, mich gegen „nightwish“ und für meine lieblingsband „die ärzte“ zu entscheiden. sie spielten ein programm, dass knapp 2,5 stunden dauerte. wie es die tradition verlangen, begannen sie hinter einem vorhang zu spielen und gleich bei den ersten klängen des songs „westerland“ war klar, dass sie es wirklich waren! die menge kreischte und schon schwappten die ersten crowd surfer über die menge hinweg. was man bei den ärzten zudem beachten muss: man besucht nicht ein konzert der band, um die musik zu hören. die musik ist eher ein schönes nebenprodukt ihrer stand-up-comedy show. und diese show war wieder einmal außerordentlich gut gelungen. ich für meinen teil konnte mich zwischenzeitlich kaum mehr einkriegen vor lachen. sie nutzten ihre sprechpausen aber nicht nur um gute laune zu vermitteln, sondern auch um wichtige, politische ansagen zu machen. und nebenbei spielten sie lieder aus allen jahrzehnten ihrer karriere, sodass wirklich jeder auf seine kosten kam.

die ärzte waren ein gelungener abschluss für die vier festivaltage auf dem nova rock. zumindest fast, denn wer noch wollte und konnte, der hatte noch die möglichkeit sich auf der anderen bühne anschließend die „falco tribute band“ anzuhören. dabei handelte es sich um die originalband von falco, die zum ersten mal seit falcos tod wieder zusammen auftrat. außerdem waren unterschiedliche gast-sänger*innen eingeladen. es war ein netter abschluss, wenn auch fast ein bisschen traurig. mit euphorischer nostalgie und wehmut im herzen klang das nova rock 2023 schließlich aus.

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