wie aus dem nichts wurde anfang juli der „kultursommer“ aus dem boden gestampft – bei freiem eintritt gab es an vielen verschiedenen plätzen in wien kultur zu konsumieren, unter anderem auch konzerte von heimischen künstlern. hier folgt nun eine geschichte über „gazelle & the bear“, die an einem sommerlichen samstag-abend den naschmarkt beschallt haben.

es war der erste tag von meinem sommerurlaub und ich freute mich wie wahnsinnig auf diesen abend, auf die livemusik, auf die entspannung. gemeinsam mit meinem freund schlenderte ich gemütlich über den naschmarkt, auf der suche nach der kleinen kultursommer-bühne, die irgendwo seitlich platziert war. leider hatten wir nicht kalkuliert, dass der andrang relativ groß war – sitzplätze im abgezäunten bereich waren nicht mehr verfügbar, aber wir bekamen zwei stühle um uns ausserhalb niederzulassen.

wir bestellten uns zwei große spritzer (es gab einen kellner, der alle kultursommer-besucher bediente) und warteten in der ruhigen atmosphäre auf den auftritt. gleichzeitig fühlte ich aber immer wieder auch ein kleines bisschen unbehagen: die gut positionierten und sehr sichtbaren desinfektionsmittel, der überdimensionale abstand zwischen den sitzplätzen und die bedingung, ja nicht aufzustehen, bescherten mir einmal mehr weltuntergangsgefühle. obwohl natürlich nüchtern betrachtet alles gut war und kein grund zur sorge bestand.

und schließlich war es soweit, das duo „gazelle & the bear“ begann behutsam musik zu machen – ganz sanft wurde das schlagzeug von julian berann eher gestreichelt als betrommelt und nicht weniger sanft hauchte ines kolleritsch ihre glasklare stimme über rhythmus- und keyboard-klänge. es war, als hielten alle die luft an, um keinen ton zu verpassen, um einzutauchen in das akustische gebilde, dass sich vor uns auftürmte.

ich erwischte mich beim mitwippen mit meinen füßen und wollte am liebsten aufstehen um mich von den souligen melodien durchströmen zu lassen. aber ich traute mich natürlich nicht. ich verharrte in sitzender position und versuchte mir vorzustellen, dass der plastikstuhl auf dem ich saß in wirklichkeit ein weicher konzertsaal-sessel sei und ich darin gemeinsam mit der musik versinken könnte. doch so ganz wollte die vorstellung nicht gelingen, was vielleicht daran lag, dass ich zu langsam den weißen spritzer trankt, der mittlerweile schon etwas warm war.

„gazelle & the bear“ zelebrierten ihren ersten (!) auftritt in dieser formation sehr souverän und professionell. dass beide über ausreichend live-erfahrung verfügten, merkte man nicht nur bei der musikalischen perfromance sondern auch in den ansagen und in der sicherheit der artikulation.

es war schön, sich von der ruhigen, souligen, jazzigen musik umhüllen und umarmen zu lassen, es war schön, diesen sommerabend mit diesem duo zu verbringen. zwar war das kribbeln in den füßen immer wieder präsent und auch die weltuntergangsgefühle dank pandemie-utensilien, aber schlussendlich erfuhr ich doch einen hauch der entspannung, die ich in den wochen und monaten davor so schmerzlich vermisst hatte.

gazelle_1
gazelle_5
gazelle_3
gazelle_4
gazelle_2
gazelle_6
Diese Website benutzt Google Analytics. Bitte klicke hier wenn Du nicht möchtest dass Analytics Dein Surfverhalten mitverfolgt. Hier klicken um dich auszutragen.