konzert #46 + 47: reel big fish, millencolin, feine sahne fischfilet, papa roach, me first & the gimme gimmes, wolfmother @ nova rock festival | 15. + 16.06.2019

es kommt immer anders als man denkt: die letzten zwei tage auf dem nova rock festival hatte gute und weniger gute momente zu bieten.

samstag

der samstag auf dem nova rock festival begann ausgezeichnet: es war viel weniger heiß dank viel mehr wind und die erste band, die ich mir zu gemüte führte, waren meine jugendhelden: „reel big fish“ auf der blue stage. bunt und frech schmissen sie ihren oldschool-ska-punk in die atmosphäre und sorgten überraschenderweise für unfassbar gute stimmung. ist ska-punk doch noch nicht tot? es freute mich jedenfalls sehr, dass viele leute anwesend waren und ihre hüften zu den fröhlichen tunes bewegten. besondere highlights: „where have you been“, „beer“ und das a-ha cover „take on me“.

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es war, als wäre das nachmittags-line-up nur für mich gemacht worden: „millencolin“ bespielten als nächstes die blue stage und versetzten mich gleich nochmal in die vergangenheit. ich war happy, dass punkrock noch auf festivalbühnen gebucht wird und tänzelte freudenstrahlend herum. etwas später, als „no cigar“ erklang, spielte ich im gedanken „tony hawk’s pro skater 2“ und mein glück war perfekt!

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immer mehr menschen versammelten sich vor der bühne, denn sie alle wussten: der nächste höhepunkt ist im anmarsch! „feine sahne fischfilet“ purzelten auf die bühne und lieferten eine exzellente show, samt schlauchboot-crowdsurfen, schnapsduschen und natürlich politischen ansagen. eine band, die immer mehr an bedeutung gewinnt, eine band, die immer mehr menschen magisch anzieht. bester punkrock, klare message: feine sahen fischfilet sind eine der wichtigsten bands im deutschsprachigen raum und diesen status haben sie einmal mehr ausgebaut!

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eine große wanderung zur red stage setzte ein, nur wenige verblieben bei der hauptbühne um cloudrapper „rin“ zu sehen. auch ich und meine begleitung machten uns auf nahrungssuche und wurden selbstverständlich fündig, dank umfangreichen kulinarischen angeboten. wir saßen ewig bei unserem essen, wir plauderten ewig mit menschen und wir verpassten dann auch irgendwie den gesamten „papa roach“ auftritt – wobei wir die letzten zwei songs noch hörten und von ganz weit hinten (dank extremer publikumsanzahl!) auch sahen. zählt das als „gesehenes konzert“?

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und dann trat das szenario wirklich ein, dass wir das gefühl hatten, nichts mehr sehen zu müssen. ich versuchte noch kurz mich für „bonez mc & raf camora“ zu begeistern, aber dank geringer zuschaueranzahl und so gut wie keine stimmung zu beginn, flüchtete ich bereits nach zwei songs. ich wusste nicht wie ich die zeit überbrücken sollte und auch meine begleitung liebäugelte schon mit dem gedanken, heute mal früher heimzukommen. und dann setzten wir den plan auch in die tat um: gegen halb 10 fuhren wir nachhause um uns auszuruhen und für den nächsten tag fit zu sein.

sonntag

es war wie verhext: ich war am samstag extra früher nachhause gefahren um am sonntag fit für den endspurt zu sein. und natürlich hatte mein körper etwas dagegen, und hielt mich dank einer fiesen zahnfleischentzündung die halbe nacht wach. unter diesen umständen das nova rock festival zu besuchen war eigentlich keine gute idee, aber ich wollte einige bands sehen und ich musste da nun einfach durch.

drei oder vier sehr gute lieder von „cari cari“ zog ich mir rein, dann machte ich mich wieder auf die suche nach schatten. das schmerzmittel und die mundspülung wirkten langsam und ich konnte mich etwas entspannen. aber an konzerte begutachten war nicht zu denken, ich fühlte mich schlapp und konnte das festival in keinster weise genießen. während dem auftritt der „antilopen gang“ wagte ich mich wieder ins getümmel und traf einige freunde, mit denen es natürlich einiges zu besprechen gab. zack, schon wieder nichts vom konzert mitbekommen, dank freundschaftspflege.

ich hatte ein bisschen ein schlechtes gewissen: jetzt war ich schon einige stunden am festivalgelände, hatte aber eigentlich noch kein einziges konzert wirklich gesehen. zum glück huschten als nächstes „me first and the gimme gimmes“ aufs bühnenparkett, die freude war groß und mein zustand stabil. aber trotz einem soliden cover-feuerwerk sprang der funke nicht wirklich über. die band bemühte sich sehr, aber irgendwas lag in der luft – wahrscheinlich die drückende hitze und der wind, der den staub nur so aufwirbelte und für zahlreiche gesichtsverhüllungen sorgte.

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ich legte meine hoffnungen in den nachfolgenden auftritt von „wolfmother„. die australische rockband sorgt normalerweise immer für gute stimmung, zumindest hatte ich sie so in meinem kopf abgespeichert. als die gruppe auf der bühne dann die instrumente anschmiss, war schon bald klar: wenn sie nicht für gute laune sorgen, dann immerhin für einen tinnitus. ein tontechniker hatte wohl die lautstärke voll aufgedreht, zum ersten mal bereute ich es, keinen gehörschutz bei mir zu haben. ich entfernte mich etwas von der bühne, genoss so gut es ging den song „woman“ und spazierte noch ein bisschen weiter weg. es war wirklich unfassbar laut. damn.

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nach wolfmother ging ich endlich mal das gesamte festivalgelände ab. die menschenmenge am gesamten areal war in aufbruchsstimmung, es war ganz klar zu spüren, dass viele sehr bald die heimreise antreten würden. ich spürte in mir aber keine aufbruchsstimmung, sondern eher ein hungergefühl. ich verschanzte mich im vip-bereich um endlich mal etwas zu essen. die gemütlichen bänke sorgten dafür, dass ich fast nicht mehr aufstehen wollte, und ausserdem meldete sich mal wieder meine zahnfleischentzündung bei mir. juhu.

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der restliche abend bestand eigentlich nur noch daraus, irgendwie zu überleben. irgendwie meine schmerzen zu überstehen und irgendwie auch die musik der ärzte zu überstehen. ich werde mich wohl nie mit ihrer musik anfreunden, deswegen war alles eigentlich doppelt schlimm. aber meine begleitung wollte die ärzte unbedingt sehen, deswegen hielt ich durch. ich legte mich hin und irgendwann tauchte sie auf und wir fuhren nachhause. ja, es wäre vermutlich besser gewesen zuhause zu bleiben und irgendwie aber auch nicht. ich hatte trotz aller umstände viele freunde getroffen und eine sehr gute zeit mit meiner festivalbegleitung gehabt – die schmerzen werde ich bald vergessen, die guten zeiten aber werden für immer erinnerung bleiben!