konzert #37: peter doherty & the puta madres @ wuk | 20.05.2019

und er war wirklich da: peter doherty wirbelte durchs ausverkaufte wuk und bewies, dass er noch immer einer der besten rockstars der welt ist.

es war vor knapp 11 jahren, als peter doherty mit seiner band babyshambles auf dem fm4 frequency festival in salzburg auftreten hätte sollen, aber den flieger verpasste und der auftritt somit abgesagt werden musste. ich war ziemlich enttäuscht und glaubte von nun an, man dürfe sich niemals drauf verlassen dass er auftaucht. trotzdem konnte ich mein babyshambles-erlebnis im jahr 2013 nachholen, und sah auch die libertines im jahr 2016, und dennoch hatte ich jedes mal ein flaues gefühl im magen, wenn es sich um ein peter doherty-konzert handelte.

als ich mich an jenem abend mit meinem freund vor dem wuk traf, kam meine nächste angst zum vorschein: die unberechenbarkeit von doherty auf der bühne. was würde er ins publikum schmeissen und würden wir wieder heil nachhause kommen? ich war mir nicht sicher, ob ich mich in die vorderen reihen zu meinem freund trauen sollte, oder ob ich besser sicherheitsabstand halten sollte. no risk no fun sagt man, also war bald klar, dass ich mich ebenfalls ins getümmel stürzen würde. oder besser gesagt müsste.

als „peter doherty & the puta madres“ die bühne im wuk betraten, waren es nicht nur menschliche gestalten, die da auftauchten, sondern auch ein hund. der blieb aber nur wenige takte die hauptattraktion, denn schon bald verkroch er sich wieder. alle blicke waren auf doherty gerichtet, der frischer als erwartet herumtänzelte und fast schon brav den song „all at sea“ anstimmte. fast schon besonnen trällerte er vor sich hin und gab im selben augenblick auch zu verstehen, wie wohl er sich mit seiner neuen band fühlte.

schon als vierter song wummerte „who’s been having you over“ aus den boxen und ich war sehr erfreut, denn man muss folgendes wissen: immer wenn dieses lied im radio ertönt, drehe ich automatisch lauter. nun hörte ich diese nummer endlich live und wippte deswegen natürlich begeistert mit. es war der zeitpunkt, als ich realisierte, dass doherty alle töne traf und sich wirklich mühe machte, eine gute performance hinzulegen. ich kannte ihn sonst nur in seiner exzentrischen form, an jenem abend wirkte er viel ruhiger und bedacht. schuld daran waren mit sicherheit auch seine neuen bandmates rund um ihn herum, die unfassbar gut drauf zu sein schienen, immer ein lächeln auf den lippen hatten und ihre zeit auf der bühne wirklich in vollen zügen genossen. ich weiß nicht wann ich das letzte mal so eine fröhliche und extrem spielfreudige band gesehen habe.

das set war auch für nicht-alle-songs-kenner ein großes hör-vergnügen: der zeitlose rock’n’roll, der mal feinfühliger und mal wilder zu tage trat, war unfassbar eingängig. doherty als erscheinung oben drauf ließ dieses konzert wie eines aus der guten alten zeit wirken. aus der guten alten zeit, als es noch richtige rockstars gab. es tat so gut, zu lauschen, aufmerksam zu verfolgen und die begeisterung für gitarrenmusik in der ausverkauften halle zu inhalieren. es wurde gehüpft, gepogt und crowdsurfing betrieben, es wurde mitgesungen und mitgeklatscht.

bereits nach einer stunde verließ doherty mit seiner band die bühne. zehn minuten lang ließen sie uns warten, ehe die gruppe dann wieder zurück kam, um den einstündigen zugabenteil in angriff zu nehmen. von cover-versionen bis zu ausufernden jams war alles dabei, das absolute highlight nannte sich aber natürlich „fuck forever“, der finale song, der absolut alle anwesenden zum ausflippen brachte. peter doherty katapultierte seinen vollen getränkebecher ins publikum, nahm das mikrophon in den mund während er sang und wälzte sich am boden – da waren sie, die letzten überbleibsel des alten, unberechenbaren pete. er hat sie aufgespart fürs ende, um nicht zu brav in erinnerung zu bleiben. der abend war auf alle fälle ein sehr denkwürdiger – selten habe ich mich nach einer show so ausgepowert gefühlt, so erschöpft und trotzdem glücklich. danke peter doherty, fürs unermüdliche weitermachen!

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