konzert #31: nilüfer yanya @ chelsea | 21.04.2019

man nehme eine dominierende stimme, lege ein scharfes gitarrenspiel darunter und würze es noch mit einer gehörigen dosis gefühl: fertig ist der cocktail, den „nilüfer yanya“ im chelsea zur kostprobe gab und so einige anwesende süchtig machte.

wäre dieses osterwochenende ein normales gewesen, hätte ich mich (oster)sonntag abend auf die couch gelegt um mich von pollenflug, familienfeierlichkeiten und viel zu vielem essen zu erholen. aber ich musste nochmal raus, denn „nilüfer yanya“ war in der stadt. meine komfortzone zu verlassen fiel mir wirklich alles andere als leicht, aber ich wusste, dass es sich lohnen würde. oder besser: es musste sich lohnen, sonst würde der punkt an die komofortzone gehen.

die londoner formation „babeheaven“ stand bereits auf der bühne, als ich ein bisschen müde ins chelsea stolperte. sängerin nancy anderson war gerade dabei, ihre zuhörerschaft mit ihrer eindrucksvollen stimme in den bann zu ziehen. mucksmäuschenstill und aufmerksam zeigten sich die anwesenden, und ich versuchte ganz vorsichtig mich auf den weg in die vorderen reihen zu machen. ich dachte nicht, dass mich babeheaven begeistern würden, denn als ich mich vorab ein bisschen reinhörte, empfand ich ihre musik eher als einen guten nebenbei-sound – live aber war das duo eines, dem man gern zuhörte, und dem man auch gern zusah. warum das so war, kann ich gar nicht so genau beantworten; vielleicht legten sich die töne besonders gut in den gürtelbogen? vielleicht war es die ausstrahlung der band? was auch immer es war: es war gut!

nach babeheaven versuchte ich mich nochmal etwas weiter nach vorne zu kämpfen – es war erstaunlich voll und die erste reihe schon so gut wie belegt. nur ein plätzchen am rand war noch frei, und dieses plätzchen schnappte ich mir auch sogleich. es versammelte sich eine gruppe damen um mich, die offensichtlich zum ersten mal im chelsea waren. sie quasselten lautstark, und ich hoffte einfach nur, dass sie ihre plauderen nicht während dem konzert fortsetzen würden. einen anderen platz zu suchen würde nämlich ziemlich schwierig werden. kurz nach 22 uhr war es dann endlich soweit: „nilüfer yanya“ betrat gemeinsam mit ihrer band den bühnenboden.

mit „keep on calling“ begann die dame im schlichten schwarzen abendkleid gleich mit einem bekannten song. ich war sofort überrascht: die starke stimme, das reduziert und trotzdem kräftige gitarrenspiel und der rhythmus – das alles zusammen war viel souliger, als ich erwartet hatte. hätte das konzert in einem nobelhotel stattgefunden, wäre das ebenfalls passend gewesen. nobel war auch das saxophon, das eingesetzt wurde – es unterstrich die außergewöhnliche musik und fügte ihr auch noch wertigkeit zu. zugegeben: allzu wild wurden die songs nicht, sie unterschieden sich eher in melodien und einem laut-und-leise-werden, als in schnelligkeit.

eine freundin großer worte war nilüfer yanya nicht, sie konzentrierte sich lieber auf ihre gitarre und ihre gesangsstimme. und das war auch absolut in ordnung, vor allem auch deswegen, weil ihr souliges stimmorgan mir regelmässig dem atem raubte, und ich das erst mal verarbeiten musste. eher weniger in ordnung war, dass die anwesenden damen rund um mich im publikumsbereich immer wieder lautstark quatschen mussten, und somit mein hör-erlebnis etwas einschränkten. an wegkommen war nicht zu denken, es war wirklich unfassbar voll im chelsea. deswegen: können wir uns darauf einigen während auftritten die klappe zu halten?

immer wieder fragte ich mich, ob nilüfer yanya vielleicht nur wegen der gitarre dem indie-rock zugeordnet wird – eigentlich war sie purer soul, bis schließlich „angels“ (nein, nicht das vom robbie williams) und „in your head“ erklang. es wurde dreckiger und kratziger, explosiver und wilder – und somit perfekt um das letzte drittel der auftrittes zu feiern. zu guter letzt setzte nilüfer yanya nochmal auf eine mischung aus all ihren stärken, und präsentierte dies in form des songs „heavyweight champion of the year“. die starke stimme im mittelpunkt, das saiteninstrument messerscharf, leise und laut, und ein rhythmus der einmal mehr und einmal weniger präsent war. zum schluss brodelte nicht nur diese nummer, sondern auch die begeisterung im gürtelbogen.

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