konzert #91: joshua radin, william fitzsimmons @ ottakringer brauerei | 03.10.2018

absolute stille und höchste aufmerksamkeit: das publikum benahm sich äußerst vorbildhaft als „joshua radin“ und „william fitzsimmons“ anfang oktober die ottakringer brauerei bespielten.

an jenem abend war klar, dass sich nicht einfach künstler auf die bühne stellen würden um ihre songs runter zu spielen. an jenem abend war klar, dass es ein sehr unterhaltsamer werden würde. was nicht klar war: würde die anwesende menschenmenge mitspielen? würde das publikum ruhig sein, würde es den künstlern die nötige aufmerksamkeit schenken? ich war skeptisch. sehr skeptisch.

als wir ankamen huschten wir sofort in den konzertsaal. gerade in der ottakringer brauerei sind diese riesigen stahl-säulen oftmals eine enorme sichtbehinderung – wer also einen guten platz haben will, muss früh dort sein oder besonderes geschick im vordrängen beweisen. wundersameweise wurden wir vorgelassen, bis in die erste reihe. getränke holen verschoben wir auf später – denn die schlange an der bar war viel zu lang.

der erste, der die bühne an diesem abend betrat war „joshua radin„. er miemte den nervösen, aber das gehörte in wirklichkeit zu seiner taktik. damit holte er sich sympathie und diese sympathie wickelte er um seine akustischen lied-leckerbissen und wir, wir waren sofort alle gefangen. alle gefangen von seiner aufrichtigen korrektheit, von seinem charmanten humor und natürlich von seinen schön gesungenen songs. alles war sehr stimmig, witzig, und es war überraschend nett. besonders nett war aber auch das publikum: mucksmäuschenstill lauschten sie dem herrn auf der bühne. das war eine richtige wohltat, und dafür bedankte sich joshua radin auch mehrmals.

für ein paar wenige songs holte er seinen produzenten auf die bühne, der eine zweite gitarre bediente und eine weibliche sängerin, die mit ihrer stimme unterstützte. neben dieser auflockerung durch mehrstimmigkeit, war es aber vor allem das cover der nummer „only you“, welches ich wahnsinnig gut fand. und auch, dass er sich bemühte das publikum ein bisschen zum mitsingen zu animieren. durch diese kleinen feinheiten wurde der auftritt schließlich zu etwas sehr besonderen. meine nächste sorge war nun: würde william fitzsimmons das eigentlich noch toppen können?

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die beziehung zwischen „william fitzsimmons“ und wien ist irgendwie eine ganz besondere. zumindest hab ich dieses gefühl jedes mal wenn er in der stadt ist. er kam auf die bühne und die connection war sofort da. sofort konnte er mit seinem trockenen humor punkten, nahm sich selber aufs korn und erzählte geschichten, denen man ewig zuhören hätte können. das publikum liebte ihn von der ersten sekunde an. das war sofort zu erkennen (alle waren so aufmerksam und so still!).

mit seiner sanften erzählstimme konnte er nicht nur gut reden, sondern auch singen. die traurigsten themen verpackte er in traurige lieder, aber immer mit diesem speziellen augenzwinker, dass er sich in der rolle der verletzlichen person eigentlich eh wohl fühlt. oder zumindest immer das beste daraus macht. es war die leichtigkeit, die aus ihm strahlte, und die akzeptanz, dass man manche dinge eh nicht ändern kann. also warum nicht gleich die mitmusikern anflirten, und versuchen mit seinen ganz eigenen vorzügen zu punkten (zweimal geschieden, bereits 40 und jede menge mental health problems)? er machte das auf so charmante art und weise, dass alle zusammen in einem schallenden lachen ausbrachen.

humor spiegelte sich auch in der wahl der gespielten songs wider: zuerst eine softe version von „sweet home alabama“ und später kam auch noch ein anderer guilty-pleasure-hit zu unseren ohren. aber das war nicht weiter schlimm und fügte sich wunderbar in den abend ein. und überhaupt: ähnlich wie bei joshua radin war das konzert von william fitzsimmons so ausgeglichen, angenehm, und harmonisch, dass sich vermutlich jeder einfach im laufe der zeit fast schon tiefenentspannt hat, während dem zur-bühne-schauen.

am schluss fand sich herr fitzsimmons in mitten der menschenmenge samt gitarre ein und sang dort noch ein paar lieder, daruner „wonderwall“ (ja, das war dieser guilty pleasure hit von dem ich vorher sprach). alle sangen mit und dieses bild von diesen vielen menschen, die da gemeinsam sangen und allesamt nur freude ausstrahlten, war so schön, dass ich gänsehaut bekam (klischee klischee, aber so war’s nun mal). was für ein zauberhafter, ergreifender abend!

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