popshow im rüschenhemd: jude york entzückte im b72.
ich war alles andere als gut vorbereitet. ich dachte wirklich, jude york hätte keine support-acts im gepäck, weil ich auf der offiziellen veranstalter-seite einfach nichts zu support-acts gefunden hatte. aber nein, er hatte sogar zwei support-acts mit und meine hoffnung, früh ins bett zu kommen, war wieder verflogen.
also hieß es durchhalten im knackevollen b72.
zuerst kam ally thorn auf die bühne, eine dame, die ihre beine in die luft schmeißen konnte wie sonst niemand auf der welt. sie sang zur playback-hintergrundmusik, nicht nur zu ihrer eigenen, sondern auch zu chappell roan. mir war sie manchmal ein bisschen zu übertrieben, die balladen funktionierten mit ihrer stimme aber ganz gut.
und dann war harlan an der reihe. auch er hatte ein cover am start, und zwar „teenage dirtbag“. er beschwerte sich über zu laute menschen, war mit seiner sehr hohen, schrillen stimmfarbe aber selbst nicht gerade leise. singen konnte er gut, er war mir nur leider ein bisschen unsympathisch.
als jude york im rüschenhemd die bühne betrat, schwitzte ich gleich mal ein bisschen für ihn mit. die armen künstler immer. sie glauben offenbar ständig, wir hätten klimatisierte venues, so wie der rest der welt.
auch bei jude york muss ich gleich mit einer kritik beginnen: die aufgehängten federn an keyboard und mikrofonständer fühlte ich so gar nicht. noch weniger fühlte ich den cover-song „kiss me“, den er mit ally thorn performte. langsam hatte ich das gefühl, nicht bei einem konzert zu sein, sondern bei einem dorffest mit coverband.
spannend fand ich auch sein musikalisches setting: auch er hatte seine musik als playback laufen und einen live-schlagzeuger. ich weiß nicht, ob das den songs wirklich so gut getan hat. manchmal drängte sich das schlagzeug schon ordentlich in den vordergrund. gut fand ich dagegen, dass jude york so eine tänzerische seite hatte. das passte zu seinen popliedern.
eigentlich dachte ich ja auch, ich würde an jenem abend ein singer/songwriter-indie-konzert sehen mit gefühlvollen, leicht unkonventionellen nummern, aber davon war ich kilometerweit entfernt. jude york ist gemacht fürs popgeschäft! er posierte, er tanzte, er gestikulierte! manchmal war ich mir auch nicht sicher, ob er vielleicht besser in ein musical passte, weil sein ausdruckstanz samt rüschenhemd mich ein bisschen an tanz der vampire erinnerte. und manchmal dachte ich, seine stimme könnte auch bei jedem beliebigen edm-projekt aushelfen. das könnten schon gute banger werden!
sein ruhiger balladen-hit „slipping through your fingers“ am keyboard tanzte da fast aus der reihe, ganz im gegensatz zu dem, was er uns mit songs wie „camilla“ und „monaco“ zeigte. jude york zeigte einfach, dass er ein popstar sein will und ein popstar wird – es ist nur noch eine frage der zeit.
am ende verstand ich schon sehr gut, warum das b72 ausverkauft war und das publikum nach dem konzert beim merch-stand schlange stand. ich für meinen teil war aber nicht so zufrieden. ich liebe einfach volle bandbesetzungen so viel mehr als laptopmukke.
und ich weiß, jude york ist aus australien und noch ganz frisch, der kann es sich nicht leisten, mit einer ganzen band herumzutingeln. trotzdem: würde ich die wahl haben, würde ich immer das erlebnis mit der ganzen band auswählen, weil es einfach so viel besser klingt.







