swimming paul in der flucc wanne: viel party, wenig eigene musik.
ich habe immer wieder phasen, in denen ich so richtig in elektronische musik reinkippe. vor drei jahren hatte ich so eine phase, und die protagonisten waren vor allem in der playlist „emotional dance“ zu finden. fred again, romy, barry can’t swim, bicep und eben swimming paul waren aus meinen hörgewohnheiten nicht wegzudenken. als ich also vor wenigen wochen sah, dass swimming paul nach wien kommen würde, wusste ich: da muss ich hin. ohne darüber nachzudenken, wie das setting sein könnte.
der tag war gekommen und der timetable lag mir schwer im magen. sein auftritt war kein konzert im klassischen sinne, sondern eher ein clubbing. stagetime um 00:45 uhr? da schlafe ich normalerweise schon längst. also versuchte ich vorzuschlafen. es wurde ein powernap von einer stunde, dazu ein red bull und ein kleiner snack. um 23:30 uhr machte ich mich auf den weg in die flucc wanne. ufff. es fühlte sich an wie eine frühschicht um fünf uhr morgens: noch finster, und man muss zur arbeit.
als wir ankamen, legte gerade adame auf. eher monotone clubmusik donnerte uns entgegen, und ich hoffte einfach, dass es bald 00:45 uhr sein würde und wir endlich emotional dancen könnten. der übergang zu swimming paul war allerdings nicht optimal. er stellte sich zu adame, legte eine weile gemeinsam mit ihm auf und übernahm irgendwann. im hintergrund liefen weiterhin adames visuals. als auch das korrigiert wurde, war ich erleichtert. einem großartigen set konnte somit nichts mehr im wege stehen!
schon nach wenigen nummern schallte „fading“ aus den boxen. das publikum war begeistert, die arme gingen in die höhe. swimming paul verstand es, die menge mitzureissen, und animierte sie im minutentakt dazu, die hände hoch zu strecken. und alle machten mit. immer wieder. und immer wieder. bis es mir irgendwann unverständlich wurde.
ich war offenbar in der falschen annahme, dass swimming paul hauptsächlich eigene songs spielen würde. immerhin hat er mittlerweile drei alben und damit eigentlich genug material für ein dj-set. stattdessen kamen immer mehr tracks anderer artists. es fühlte sich ein bisschen wie ein millennial-gedenk-dj-set an: viele nummern, die es in der jugend der millennials in den 00er- und 10er-jahren zu feiern gab. und das ist im grunde gar nicht schlimm, das machen (party-)djs eben. in diesem fall wirkte es auf mich allerdings wie auf nummer sicher gehen. keine experimente, keine überraschungen, dafür prolo-disco-vibes und jede menge mitgröhlmomente.
ich hatte einen französischen producer erwartet, der uns in seine emotionale dance-welt mitnimmt, mit dramaturgie und visuals überrascht und sounds präsentiert, die man nicht in jeder 0815-disco hört. doch meine erwartungen wurden schnell enttäuscht. die wenigen, immerhin wechselnden visuals waren nett, aber bald ziemlich langweilig. auch das licht war zu wenig, um daraus eine wirklich fesselnde show zu machen. wobei ich natürlich sagen muss: die allermeisten ließen sich trotzdem mitreissen. er hatte von anfang bis ende ein sehr begeistertes publikum.
aber als musikliebende person fühlte ich mich ein bisschen hängen gelassen. ich wollte swimming pauls eigenes werk erleben und in seine musikalische welt eintauchen. stattdessen bekam ich eine party, deren hits und mitsingmomente austauschbar wirkten. vielleicht hätte ich mich besser informieren müssen, vielleicht war ich mit den falschen erwartungen dort. die stagetime hätte mich jedenfalls warnen können.
im endeffekt bin ich um eine elektronische-musik-erfahrung reicher. und um die erkenntnis, dass mir nicht automatisch gefallen muss, was ein artist live aus seiner musik macht, nur weil ich seine songs liebe. und nach mitternacht gehe ich in nächster zeit bestimmt auf kein konzert und kein clubbing mehr.








