fm4 frequency festival 2026: bauzäune, schottergatsch, menschenmassen, reizüberflutung – und mittendrin zara larsson, fontaines d.c. und lorde.

erster akt: vergangenheit

alles begann im jahr 2008, als ich zum allerersten mal das fm4 frequency festival in salzburg besuchte. ich verliebte mich sofort – in das festival, in die gute musik und in die vielen netten menschen, die ich dort kennenlernte. selbst der regen konnte meine begeisterung nicht stoppen.

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als das festival 2009 nach st. pölten übersiedelte und es dort auch noch einen nightpark in einer ehemaligen kaserne mit eigenem alternative floor gab, war ich endgültig hin und weg. die line-ups waren ein traum, ich wusste oft gar nicht, wo ich zuerst hin sollte. und der nightpark zum weiterfeiern war genau das, was ich mir von einem festival wünschte. campingplatzpartys fand ich schließlich immer schon eher unnötig.

irgendwann war ich sogar so verliebt, dass ich das festival regelrecht heiraten wollte. aber 2016 kam dann der erste große einbruch. plötzlich waren deutlich weniger menschen anwesend und irgendwas hatte sich verändert. 2017 verbrachte ich viel zeit mit meinem jetzigen partner auf dem frequency – und hatte mehr augen für ihn als für das vaz-gelände. gleichzeitig begann sich aber auch das festival zu verändern. es wurde zu einer anderen version seiner selbst, die nicht mehr wirklich zu mir passte. und deswegen blieb ich dem fm4 frequency festival jahrelang fern. erst 2025 kehrte ich für einen tag zurück. es war – sagen wir so – halbwegs erträglich. trotzdem wollten wir es dieses jahr noch einmal versuchen. aber eines vorweg: vielleicht bedeutet 2026 nun endgültig die trennung von einem festival, das für mich einmal ein traum war.

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zweiter akt: das fm4 frequency festival 2026

fast forward zu jenem tag, an dem wir das fm4 frequency im jahr 2026 besuchten: die voraussetzung, dass mein eigentliches festivalgewand schon durchnässt war, obwohl ich nur kurz vor die tür ging, um einkaufen zu gehen, machte mich etwas unrund. schnell umziehen und vor allem etwas finden, das für hitze, kälte und regen gut geeignet war. und wasserdichte schuhe, die nicht gummistiefel waren. naja. irgendwann saßen wir im zug nach st. pölten und ich hoffte einfach nur auf einen gemütlichen tag.

schnell zum shuttlebus, richtung gelände fahren, aussteigen und kurz enttäuscht sein: wenn man beim gelände ankommt, ist der erste eindruck einfach: wow, es sieht hier aus wie auf einer baustelle mit all den bauzäunen! wunderschön! dann securitycheck, bandausgabe und als wir dann am kerngelände waren, wollte ich kurz zur green stage schauen. einfach nur, um zu sehen, „wie der vibe“ ist. und der hatte sich gegenüber dem letzten jahr natürlich nicht verändert: was bei der green stage als grün bezeichnet werden darf, ist mir bis heute ein rätsel. es herrschte hier schotterwüste samt wenig frequentierten essensständen. ich bekam verlassener-wilder-westen-vibes.

dann huschten wir zur hauptbühne, stolperten davor über überteuerten fm4-frequency-festival-merch und staunten auch beim band-merch nicht schlecht, dass er nicht nur teuer war, sondern auch hässlich. also ja, deswegen hauptbühne, oder doch nicht? „sdp“ waren gerade dabei, das schlimmste aus den menschen zu holen, mit ihrer musik, die einfach nur fürs saufen komponiert wurde. sagt mir nicht, dass sie einen anderen zweck hat, ich glaubs sowieso nicht.

wir holten uns ein getränk, checkten die „etwas ruhigere“ gastro area ab und entdeckten die lange vermissten hängematten (vielleicht fünf an der zahl, viele waren es nicht, und entspannen bei dem lärm … naja). „was machen wir jetzt?“, fragte mein freund, und ich vermittelte ihm einfach nur, dass wir durchhalten müssen. 20 minuten später war der sdp-spuk vorbei und wir machten es uns im wavebreaker gemütlich. dann ratterte kurz mein gehirn, weil wavebreaker gibt’s echt nur in österreich (und auch in den usa, aber dort etwas anders) und auch das bereits vorhandene schild „bitte hört sofort auf zu drängen“ ist einfach peak österreich. ach heimat.

während des wartens begann dann der regen und irgendwann kam „zara larsson“ auf die bühne, die den regen leider auch nicht wegzaubern sollte, obwohl sie so schön in den landesflaggenfarben von niederösterreich strahlte. die ganze zeit angeregnet zu werden und gleichzeitig eine gehypte pop-show zu sehen, ist eine ambivalenz, die ich schon lange nicht mehr erlebt hatte.

aber hey, man musste es ihr lassen: sie war höchst sympathisch, tanzte viel, sang ein bisschen, hatte tolles bühnenbild und holte den argentinier felipe auf die bühne für ihren „lush life“-tanz. sie gab alles, auch wenn die regenbarriere das erlebnis ein bisschen für uns trübte.

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nach „zara larsson“ leerte sich der wavebreaker plötzlich. „fontaines d.c.“ hieß die band, die als nächstes folgte und im ausland teilweise als headliner fungiert, in österreich vom generischen volk aber verschmäht wird. ein paar tapfere, die eigentlich unbedingt das programm danach sehen wollten, hielten durch. und derweil waren „fontaines d.c.“ sogar richtig gut!

die visuals unterstrichen ihre soundästhetik, der graue himmel war eine dramaturgische draufgabe des wettergotts (böse zungen behaupten, es gab blauen himmel). alle hits wurden gespielt, ein paar leute sprangen im schottergatsch, ich versuchte nur regelmäßig, meine jacke zu winden und die nässe herauszudrücken.

„in a modern world …“ klang es von der bühne und ich fühlte es so sehr, eingequetscht wie eine sardine in der menge, dreckig von unten bis fast nach oben. drängen, drängen, drängen … ich wusste nicht, was mich trauriger machte: das publikum oder die düsteren fontaines-d.c.-songs. ich genoss es trotzdem – also die musik, nicht das andere.

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in der 45-minütigen umbaupause überlegte mein freund, ob er sich noch etwas zu trinken holt oder kurz aufs wc geht. aber es war absolut nicht realistisch, dass wir uns danach noch einmal wiederfinden würden. ich war komplett eingepfercht, von allen seiten spürte ich körperteile – ich konnte also seinen platz gar nicht verteidigen, weil ich meinen schon nicht mehr unter kontrolle hatte. also hielten wir einfach durch. und dann war es irgendwann endlich so weit!

lorde“ kam mit einer show auf die bühne, die zeitgemäß, kunstvoll, aber auch ganz weit weg von allen anderen performances war. sie fiel nicht nur mit ihrem ganz anderen verständnis von show aus dem rahmen, sie war auch viel weniger zugänglich für den normalen, alkoholtrinkenden fm4-frequency-festivalbesucher.

ich ließ mich von den reaktionen rundherum nicht beirren, für mich war lordes erster österreich-auftritt sehr besonders! 2017 durfte ich sie schon auf einem festival erleben, und dazwischen noch zwei weitere male auf einem festival – und natürlich musste auch ihr erster österreich-auftritt auf einem festival stattfinden. wie auch immer: ich liebte ihr set, ich liebte das bühnenbild mitsamt dem licht, ich liebte ihre bewegungen. was ich nicht liebte, war, dass „perfect places“ nicht auf der setlist stand. aber sonst war ich wie weggeblasen!

es war auch wirklich, wirklich, wirklich schön zu hören, dass sie deutsch sprach und dass sie sich mit der österreichischen (hoch-)kultur auseinandersetzte (sisi!). ich mag es, wenn künstlerinnen wissen, wo sie gerade spielen, haha. jedenfalls: ich fand das konzert supertoll, obwohl ich ihr letztes konzert am primavera sound vielleicht noch ein bisschen besser fand, weil sie da ihren typischen tanzstil ausleben konnte. das ging bei diesem set und der choreografie nicht. aber egal – lorde wunderbar!

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dritter akt: der heimweg und die große erkenntnis

in einer welt, in der alles funktioniert, wären wir noch geblieben und hätten uns den headliner „kraftklub“ angesehen. aber weil ich am nächsten tag arbeiten musste, machten wir uns auf den weg zum ausgang. und ich war geschockt. so viele menschen! von jeder ecke schallte andere musik. es war so unfassbar reizüberflutend. ich wollte nur noch raus, aber der ausgang war nicht beschildert und schließlich gingen wir bei den eingangsschleusen raus. alles war irgendwie chaotisch.

beim shuttlebus standen schon jede menge leute an und ich fürchtete, dass wir es nicht rechtzeitig zum bahnhof schaffen würden … aber wie durch ein wunder waren wir eine minute vor zugabfahrt am bahnhof und konnten unsere heimreise – durchnässt und dreckig – antreten.

und dann kam die große erkenntnis: das war’s jetzt. es wird nichts mehr zwischen mir und dem fm4 frequency festival. wir sind zu verschieden, wir haben uns auseinandergelebt.

auch wenn zara larsson, fontaines d.c. und lorde wirklich fantastisch waren – es hilft dem festival auch nicht, schöner, angenehmer und lebenswerter zu werden. zum glück kann ich bei guten konzerten sehr viel ausblenden, aber wenn man sich beim ankommen, beim verweilen und beim heimweg nicht wohlfühlt, weil es sich ein bisschen wie die sensorische hölle auf erden anfühlt … dann muss man einfach akzeptieren, dass diese beziehung zu ende ist.

es tut mir leid, liebes fm4 frequency festival, wir passen nicht mehr zusammen. es liegt vielleicht ein bisschen an dir, aber es liegt auch an mir – ich habe so viele andere, schöne festivalerfahrungen gemacht, und ich glaube, dort bin ich einfach besser aufgehoben als auf dem gelände neben dem vaz st. pölten.

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