konzert #123: shoshin, beatsteaks @ arena | 25.10.2017

wenn eine band einfach mal die komplette setlist über den haufen wirft, weil sie den wert des moments erkennt, dann weiß man, dass man einem ganz besonderen konzert beiwohnt. die beatsteaks aus berlin haben genau das bei ihrem gastspiel in der ausverkauften arena gemacht und für viele glückliche gesichter gesorgt.

vor jedem beatsteaks-konzert melden sie sich, die „gemischten gefühle“. die freude auf völlige ekstase und die angst, dass man nicht in den flow findet und teilnahmslos in der menge steht. das gute ist aber: zweiteres ist mir bei einem beatsteaks-gig noch nie passiert und wird mir wohl auch nie passieren. der grund: die berliner band hat ein händchen dafür, momente zu verzaubern, einen ganz eigenen spirit zu versprühen, ausnahmslos einzigartig zu sein und high-level-stimmung zu produzieren. aber bevor das alles passierte, durften wir uns zuerst noch an der vorband „shoshin“ erfreuen.

okay, erfreuen ist vielleicht das falsche wort. shoshin aus manchester wirkten wie ein trio, welches man unabsichtlich während einer durchzechten partynacht in london aufgabelt und nicht mehr los wird. ein bisschen so wie kaugummi auf der schuhsohle. nichtsdestotrotz versuchte ich ihnen ein zuzuhören. sie wollten punk-grunge-underground-attitüde vermitteln, was ihnen auch teilweise mit ihrer musik und auch mit selbstironischen „fuck shoshin“-rufen gelang. nach und nach flaute das wilde gehabe aber ab und das andauernde quatschen der zuschauer blubberte viel mehr an die oberfläche. jeder wollte die beatsteaks sehen, und nicht mehr das dahinvegetierende punk-trio shoshin. sorry.

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zugegeben, ich brauche immer ein paar songs um mich auch wirklich einlassen zu können, um mich wirklich auf das konzert zu fokussieren. mit „mrs. right“ starteten die „beatsteaks„, gingen über in das mitreissende „hello joe“ und legten dann „frieda und die bomben“ nach. kein schlechter beginn, aber „frieda und die bomben“ war mir irgendwie zu früh, zu schnell da, weil der song für mich eher so ein letzter-drittel-song ist.

es folgten zwei nummern vom aktuellen album „yours“ und kurz dachte ich, das teilnahmslose szenario würde einsetzen. noch dazu hatte ich meine lieblings-beatsteaks-konzert-begleiterin irgendwo in der masse verloren. ich versuchte dennoch, dem konzert zu folgen obwohl ich ununterbrochen das gesamte publikum nach meiner freundin abscannte. arnim, sänger der beatsteaks, verzerrte während „attack und decay“ seine stimme, stellte sich auf vorgefertigte podeste um näher beim publikum sein zu können und plötzlich, plötzlich war meine konzertbegleitung wieder da! „hoffentlich spielen sie auch ein paar alte lieder“ flüsterte sie mir zu, und ich nickte zustimmend. hoffentlich.

wie als wäre unser kurzes gespräch bis zu arnims ohren gedrungen, folgten die herrlichen alten nummern „cut off the top“, „she was great“, „as i please“ und „demons galore“. beinahe das komplette publikum tanzte und sang lautstark mit, bis auf das paar hinter uns. „könnt ihr zum tanzen bitte nach vorne gehen?“ fragten sie angepisst, und bei uns ratterte die arzte-textzeile „wie kannst du ruhig bei den beatsteaks sitzen (stehen) bleiben?“ durch die köpfe. wir waren doch bereits sehr weit vorne, in den lebensgefährlichen moshpit wollten wir uns nicht begegeben und überhaupt, warum dürfen wir bei den beatsteaks nicht tanzen?

„wir spielen heute nur alte sachen!“

das lied „monster“ ertönte und wir begannen wieder herumzuspringen und uns die lyrics gegenseitig zuzuschreien. „so kick it, so kick it, oh oh you got it“ brüllten wir, während arnim wieder den kontakt zum publikum suchte, hände hielt und lehnend über der masse performte. irgendwas passierte während diesem lied, irgendwie sprang ein funke über. die menge brodelte richtig, die crowdsurfer hatten hochsaison, ein moshpit folgte auf den nächsten. arnim verkündete danach nicht nur, dass wir unsere mobiltelefone lieber in der tasche lassen sollten, sondern teilte uns auch mit, dass sie bereits zum zehnten oder elften mal in der arena spielen und dass sie immer so gerne nach wien zurückkommen. und weil diese 800-menschen-halle richtig familiär auf die band wirkte, überraschten sie mit dem satz „wisst ihr was, wir spielen heute nur alte sachen“!

das funkeln in unseren augen konnte man sich kaum vorstellen, kurz vorher noch gehofft, und dann kam tatsächlich eine spontane setlist voller alter hits zum vorschein. denn dieses „wir spielen heute nur alte sachen“ war keine floskel, man konnte wirklich beobachten, wie sie sich zwischendurch immer beraten haben, was sie als nächstes spielen sollten. ich fühlte mich währenddessen wie auf wolken, ein lieblingslied nach dem anderen zu hören und vor allem als „to be strong“ ertönte war ich den freudentränen nahe. auch schön war, dass viele stellen einfach vom publikum gesungen wurden und die band diese momente richtig genoss, richtig einatmete, dass an diesem abend wohl sehr viele fans von ganz früher anwesend waren.

„automatic“ kennzeichnete einen kleinen durchhänger – nicht bei allen wohlgemerkt. arnim spazierte durchs publikum, und für den großteil war der sänger leider einfach in der menschenmasse „verschwunden“. mit „i never was“ und „milk & honey“, meinem absoluten lieblingssong, wurde der durchhänger wieder bestens abgefedert. nach „dna“ gab es dann eine sehr besondere vorstellrunde. bei lounge-musik wurde jedem bandmitglied richtig viel aufmerksamkeit geschenkt, soli wurden rausgeschleudert und man durfte sich an einer überglücklichen, lächelnden band erfreuen.

„gentleman of the year“ und „let me in“, mit dem obligatorischen zu boden gehen und in die höhe zu springen waren dann das vermeintliche ende. zu dem akt des zu boden gehens muss man noch sagen, dass einige „coole“ leute sich zu gut waren, mitzumachen und selbst nach mehrmaliger aufforderung stehen blieben. zum glück trübte das die stimmung nicht. die störenfriede konnten die große party nicht aufhalten!

beatsteaks, beatsteaks, beatsteaks!

natürlich – ohne zugaben geht’s nicht! mit „i do“ (inklusive heiratsantrag von arnim an das wiener publikum), dem cover „i want to break free“ und schlussendlich „i don’t care as long as you sing“ wurde das bereits erschöpfte publikum noch einmal gefordert. dass spassbremsen-paar hinter uns war mittlerweile übrigens verschwunden, wir hüpften noch so gut es ging mit und schließlich kam die endgültige verabschiedung der berliner band. das licht ging an, partymusik wurde aufgedreht und langsam bewegten wir uns raus. wir waren erledigt, ausgepowert, aber von der guten sorte, inklusive diesem guten glücksgefühl.

so cool die neuen lieder wahrscheinlich live sind, so erfreut waren wir dennoch, die ganz alten sachen zu hören. bei einer band wie den beatsteaks geht es ja am ende immer mehr um die stimmung, um die ekstase und um das völlige durchdrehen, als um das ständige neu-erfinden. zeitlos nennt man das wahrscheinlich. ich freue mich auf alle fälle, dass man sie ruhig als „die rolling stones des deutschsprachigen raumes“ betiteln kann und dass sie alle paar jahre kommen können, sich durchs alte repertoire spielen können und die leute trotzdem immer wieder zu den konzerten strömen. die nächste gelegenheit gibt es übrigens am 06.06.2018 im rahmen eines arena open airs – tickets gibts hier!

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