konzert #112: coals, april red, cari cari, cold cold nights, nihils, zeal & ardor, hunger, yungblud, jordan klassen, be charlotte, clap your hands say yeah @ waves vienna festival | 28.09.2017

ende september und das bedeutet freilich nur eines: waves vienna festival! zum siebten mal ingesamt und zum zweiten mal im und rund um das wuk gab es am eröffnungstag haufenweise bands zu entdecken und den gemütlichen innenhof zu genießen.

ich war gestresst und auch ein bisschen genervt: die putzfrau im büro musste natürlich genau an diesem tag länger staubsaugen und hielt mich davon ab, pünktlich loszustarten und anzukommen. aber schlussendlich stolperte ich dann trotzdem rechtzeitig ins festivalgeschehen. als networking-affiner mensch musste ich zunächst mal gefühlt tausende hände schütteln, umarmungen vollziehen und bussis verteilen. und dann verkroch ich mich und zwar ins wuk foyer.

im wuk foyer musizierten „coals“ aus polen. meine aufgewühltheit brauchte klare töne, coals gaben mir aber düsteres, vernebeltes soundwirrwarr. nach einem song musste ich weiterziehen, ich konnte mich darauf nicht einlassen. „april red“ im wuk beisl waren ähnlich, nur mit hohen piepsstimmen. auch das stimmte mich nicht zufrieden. also weiter zur ottakringer stage, zu „cari cari„. dort wusste ich, was mich erwarten würde und ich bekam genau das, was ich bekommen wollte. hämmernde schlagzeugbeats, krachende gitarren, sanfte stimmen. rock runtergebrochen auf genau diese ebene, wo man ihn am besten spüren kann. ein paar balladen zum runterkommen reingestreut, und fertig war ein gig in diesem schulsaal, der an diesem abend leider abseits der musik so gar keinen flair versprühen wollte.

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ich wanderte weiter in die wuk halle, „cold cold nights“ nannte sich die vierköpfige band auf der bühne. was ich anfangs noch als „exotisch“ empfand, nervte mich zusehends: die trompete. der versuch etwas innovatives erschaffen zu wollen, ging nicht ganz auf, vielmehr hingen sie fest in einer endlosschleife an immer gleichen soundstrukturen. die nicht sehr stabilen stimmen oben drauf, ließen das gerüst wackeln – vielleicht sind showcase-festivals noch eine nummer zu groß für cold cold nights.

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aus mangel an alternativen und geh-faulheit blieb ich in der unmittelbaren nähe der wuk-halle und stolperte zu der tiroler-mittlerweile-berlin-based-band „nihils„. schon im frühjahr besuchte ich von ihnen einen auftritt im museumsquartier und war semi-begeistert. dieses mal erwartete ich einen ähnlichen gig.

einige nummern zeigten sich groß, einprägsam, ja sogar als richtige ohrwürmer, andere wiederum wollten nicht ganz haften bleiben und präsentierten sich eher als lückenfüller. eine beeindruckende live-performance hätte das noch kompensieren können, aber wieder klebten sie an ihren instrumenten – vielleicht die bittere seite am elektro-pop. gewünscht hätte ich mir auflockernde visuals, etwas mehr zugehen aufs publikum durch den herren an der front, irgendwas, was das set ein bisschen in richtung „keep in mind“ gedrängt hätte. vielleicht nächstes mal dann.

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aus allen ecken schallte es, überall wurde gemunkelt: „zeal & ardor“ sei eines der großen highlights. erwartungsvoll stürmte ich zur ottakringer stage und war erstaunt. ich war so perplex von der mischung aus metalband und front-schönling, aus höllenrock und ästhetik, aus gefällt-mir-gar-nicht und wow-was-ist-das. „avant-garde metal“ titelt es sich in einigen publikationen und das ist wahrlich ein doch sehr passender ausdruck.

man muss schon metal-affin sein um zeal & ardor auszuhalten. leider war mir persönlich das ganze dann doch einen tick zu zerstörend, einen tick zu krachend. vor allem weil meine mission an jenem tag die suche nach schönen melodien und soundbalsam für’s ohr war. zeal & ardor wäre perfekt zum aggressionsabbau gewesen, hätte ich welche gehabt.

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es war nicht mein plan aber irgendwie stolperte ich dann doch zu „hunger“ ins wuk foyer. hunger sind inszenierungskünstler: mit gesengten köpfen, glitzerjacke und großen gesten versuchten sie ihrer popmusik etwas ernsthaftigkeit und glamour einzuhauchen. die damen der ersten reihe kreischten, das popkonzert funktionierte.

der rest des publikums beobachtete. beobachtete wie handwerklich gut die herrschaften mit ihren instrumenten umgingen und wieviel rockband-flair sie da versuchten zu verstecken, aber immer wieder hervorblinzelte. in der richtigen dosis setzten sie dieses flair, diese attitüde dann ein, um den popsongs mehr stärke zu geben, um sie eindringlicher zu gestalten – ich war positiv überrascht.

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der zweite, sehr gehypte act am waves vienna festival war „yungblud„. ich wusste ja nicht was auf mich zukommen würde, bis sänger dominic harrison aus england samt band auf die bühne stürzte und wie ein gewaltiger wirbelsturm daherkam. der 19-jährige war kaum zu bändigen, explodierte regelrecht vor kaum zähmbarer energie und katapultierte eine mischung aus altem artic-monkeys-stuff und neuen, coolerem jamie-t-stuff entgegen.

vielen menschen in der menge flippten bei dem jungen herren regelrecht aus, ich stand nur mit offenem mund da und freute mich, dass endlich mal etwas passierte. endlich fand auf einer bühne bewegung statt, statt stumpfes vorsingen. zugegeben: angesprochen hat er dennoch die jüngere generation. bis „erwachsene“ endlich über ihren schatten springen und jüngere künstler ebenso als vollwertige musiker sehen und feiern, muss wohl noch zeit vergehen…

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ich sprintete ganz schnell wieder zur ottakringer stage, ich wollte „jordan klassen“ sehen. aber am weg dorthin traf ich etliche freunde, die mir allesamt sagten: geh nicht hin. geh dort hin, wo du hergekommen bist. aber ich wollte mir trotzdem meine eigene meinung bilden, also sprintete ich weiter, direkt in die erste reihe und dann durchschoss es mich: der ist ja wirklich ziemlich fad. der steht wirklich nur da, streichelt die gitarre und singt herz-schmerz-lyrics.

es ging wieder zurück ins wuk foyer. dort wurden gerade alle vorbereitungen für „be charlotte“ abgeschlossen und es konnte losgehen. als die junge dame in glitzerschuhen und glitzer-überwurfskleid dann zu performen begann, war es ein bisschen, wie auf wolken zu schweben. ihre weiche cosy-stimme, ihr riesenbrille – all das ließ sie als „gute freundin“ wirken, obwohl sie mit jedem ton vermittelte, dass sie eigentlich in die riege der großen künstlerinnen wie amanda palmer, pj harvey und konsorten gehörte. ich blieb erstmals das ganze konzert lang, wippte mit, schloss die augen und erfreute mich sehr an den kleinen spezial-einlagen wie zum beispiel ein eindrucksvoller trommelpart.

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wir waren alle schon sehr müde aber auch sehr gespannt auf die headliner des abends, auf „clap your hands say yeah„. als die gruppe aus new york die ersten songs spielten, wurde daraus leider „clap your hands say goodbye“. in welcher verfassung man das konzert am besten genießen sollte, konnte ich nicht rausfinden, für mich war klar, der fadesse ein ende zu bereiten und dem uber-fahrer ein zeichen zu geben, mich abzuholen. die gefahr direkt vor der bühne einzuschlafen war einfach zu groß.

wie auch immer: der erste tag auf dem waves vienna festival war trotzdem ein großartiger. das wuk präsentierte sich wieder als perfekte festivalzentrale, die locations waren fast schon in sekundenschnelle zu erreichen und trotz ausverkauften tickets am donnerstag, verteilte sich die zuseherschaft relativ gut und man hatte nie das gefühl, dass es zu voll wäre. es war genau richtig. genauso wie die musik genau richtig war.

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