konzert #82: rat boy, palastic, schmieds puls, conner youngblood, metronomy, alice merton, foals, phoenix @ out of the woods festival in wiesen | 21.07.2017

sehnsüchtigst wurde der zweite festivaltag vor allem wegen einer band herbeigesehnt: phoenix! aber auch das restliche line up war nicht von schlechten eltern: foals und metronomy standen ebenfalls auf dem programm. es war klar, dass der abend legendär werden würde, nur der grad an großartigkeit konnte (natürlich) erst am ende festgelegt werden.

drei stunden schlaf, ein stressiger tag im büro und dann ins burgenländische wiesen tuckern: ein zuckerschlecken war die zeit bis zur erneuten ankunft am festivalgelände nicht. aber als wir dann in diesem musikalischen mikrokosmos ankamen, waren alle strapazen vergessen. schnell ein getränk checken um bei den temperaturen nicht umzukippen und dann konnte es auch schon losgehen mit dem wahnsinn, der uns on stage erwartete.

ein paar sehr junge burschen stolperten auf die bühne – der name: „rat boy„. und dieser name passte zu den unfrisierten briten, die da oben standen und zum verwechseln ähnliche musik a la jamie t machten. besonders ins auge stach der herr am synthesizer, der dieses instrument mit so einer hingabe bediente, dass man nicht wusste, ob er das ernst meint oder ob er zum spass und zur allgemeinen belustigung sich auf das tasteninstrument regelrecht stürzte.

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sehr gespannt war ich auf das österreichische producer-duo philipp und sebastian aka „palastic„. nach heftigem airplay beim lieblingsradiosender wollte ich endlich wissen wer dahinter steckt und am out of the woods festival hatte ich die gelegenheit dazu.

und wie das so oft ist, stimmte die erwartungshaltung mit der realität nicht ganz überein. ein einfaches setting auf der bühne, ein sänger im hintergrund (der die stage nach einigen nummern wieder verließ), die elektronischen musikgeräte im vordergrund und: geneigte köpfe. wie man sich introvertierte produzenten eben vorstellt. erwartet hatte ich trotzdem etwas festivaltaugliches. menschen, die aus sich herausgehen, die irgendwie stimmung machen. da ich ihren poppigen elektrosound zwar sehr mochte aber der auftritt ansich keinen mehrwert brachte, zog ich weiter.

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zeitgleich trat „schmieds puls“ auf der main stage auf. bisher hatte ich sie nur einmal vor ein paar jahren live gesehen und mir wurde schlagartig wieder bewusst, warum es zu keinem weiteren mal gekommen ist. ich kann mit der art von musik und gesang einfach gar nichts anfangen. die zirpende stimmfarbe und der dahingaloppierende melancholie-pop löst in mir eher einen fluchtinstinkt aus, auch wenn ich versucht habe dagegen anzukämpfen, beschloss ich schlussendlich ein bisschen spazieren zu gehen (und was zu essen zu holen) und auf den nächsten act zu warten. sorry. (wer mich deswegen hassen will, schreibt mir bitte an wienkonzert[at]yahoo.com)

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weiter im programm: in der kleinen, dunklen halle auf der second stage war der amerikaner „conner youngblood“ an der reihe. ich wollte ihm zumindest kurz mein gehör schenken, denn ich war eigentlich schon voller vorfreude auf „metronomy„, die einige minuten später auf der main stage auftreten würden.

in hübsches, tiefrotes licht getaucht kam der mann mit dem imposanten haar auf die bühne und sang ganz behutsam ins mikrofon. das war schön. aber auch hier packte mich der wunsch nach entertainment – mir passierte einfach zu wenig um das set weiter anzusehen. und für schunkelnde romantik-sounds war ich freitag nachmittag einfach nicht in der stimmung.

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den wunsch nach unterhaltung hatten wohl viele menschen. deswegen versammelten sie sich alle bei der main stage, bei „metronomy„. das gelände erschien richtig voll und als die band zu spielen begann konnte man neben freudigen grinsern auch erste tanz-versuche vernehmen. auf der bühne und im publikumsbereich!

meine repertoire-kenntnisse beschränkten sich bei der britischen band nur auf die hits „the look“ und „the bay“. alles andere war eine große überraschung für mich. betonung auf sehr große überraschung! unheimlich bewegungsmotivierend wirkte die „bunte“ truppe und ihr „inditronic“ auf mich. sie strahlten um die wette und pfefferten nebenbei auch noch jede menge ohrwürmer durch die boxen und zack, hatte man alle notwendigen zutaten für einen gig der extraklasse, für einen gig, an den man sich noch lange erinnern möchte.

und jeder der anwesenden sprang darauf an! kaum jemand war trotz unzureichender kenntnisse der discographie in versuchung gekommen, die gruppe zu ignorieren, im gegenteil. selbst bei erstmaligen hören, gingen die tunes sofort ins ohr und fabrizierten ein wohlig warmes ich-will-die-ganze-zeit-tanzen-gefühl.

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auf „alice merton“ stieß ich zufällig. hätte mir ein radiogerät nicht ihren aktuellen hit „no roots“ vorgespielt, hätte ich während dem festival auch nicht ihrem auftritt beigewohnt. aber so musste ich mir das ganze live anschauen. was für eine gute entscheidung!

der line-check dauerte ewig, aber verhalf alice das eis zu brechen. die menschen jubelten bevor es überhaupt los ging, einfach weil die vorbereitungen mit humor vollzogen wurden. danach konnte es losgehen und die atmosphäre war unheimlich entspannt. diese frau hatte ein stimmorgan wie keine andere und konnte auch alle anwesenden im raum innerhalb kürzester zeit von sich überzeugen und zum „dableiben bewegen“. dass immer mehr menschen zur second stage wuselten war also kein wunder! ich musste aber weiter, denn eine meiner lieblingsband war gerade dabei die main stage zu stürmen…

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wenn die „foals“ auf einer bühne stehen, dann kann man sich sicher sein, dass die band aus oxford in england alles geben wird. sie buttern immer sämtliche energie in die bedienung ihrer musikalischen hilfsgeräte und scheuen es nicht, ihre anstrengung und den dazugehörigen schweiß zur schau zu stellen.

bei ihrem wiesen-gig eröffneten sie ihr gastspiel mit dem fabulösen „mountain at my gates“ und die menschenmasse stürmte hin, als hätten sie einen lockruf vernommen. und ab der ersten minute wusste man: die band gab gerade alles! vor allem sänger yannis ließ es sich nicht nehmen, blickkontakt zu seinen anhängern aufzunehmen, seine gitarrenkünste zu präsentieren und sich die seele aus dem leib zu singen. da steckte soviel herzblut drin, da wurde soviel adrenalin ausgeschüttet, man sah es förmlich in seinem angestrengten gesicht. aber die anstrengengung war klar nachzuvollziehen, bei einem achterbahn-set aus eingängigen rock-pop-nummern und zerstörerischen krach-gitarren.

„inhaler“ war der song im endspurt, der soviel kraft ausstrahlte und nicht nur einmal dazu verleitete voller ehrfurcht zu erstarren und dann wieder in die mitreissenden schwingungen des kratzenden sounds zu verfallen. schließlich war es auch yannis, der in den bühnengraben stürmte um den menschen ganz nah zu sein, mit ihnen zu singen, sie zu berühren und festzuhalten. es war einer dieser wow-momente, die einen unfassbar zurückließen. ich staune immer noch!

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eine ewige umbaupause folgte, die ich nutzte um mit freunden zu plaudern. die spannung auf „phoenix„, den headlinern des abends, stieg ins unermessliche. vor allem weil ich darüber sprach, was einen erwarten könnte. wer regelmäßiger leser ist, der weiß, dass ich die gruppe vor einigen wochen in new york gesehen hatte und die band mit massiven besucherschwund zu kämpfen hatte. von anderen festivals aber hörte man, dass die band grandiose konzerte ablieferte. wie würde das nun im beschaulichen wiesen werden?

wieder war es der überdimensional riesige und gleichzeitig banale spiegel im hintergrund, der gleich zu beginn begeisterte. reflektierungen in alle himmelsrichtungen und phoenix, die mit „ti amo“ und „lasso“ zwei sehr gute opener übers gelände schallen ließen. was mir bereits am anfang aufgefallen ist: die unglaublich gute laune der band. die grinsten, sie freuten sich, sie hüpften herum! es war nicht der 7685ste gig, den sie halt spielen mussten, nein, es war ein auftritt in österreich, mitten im wald, den sie anscheinend sehr genossen.

unglaublich war die reaktion als „lisztomania“ in wiesen erklang: alle sangen lautstark mit und thomas mars, sänger von phoenix, schien ein bisschen fassungslos. das war so unglaublich schön, so ergreifend! gleich danach folgte der aktuelle kracher „j-boy“, und mein herz tanzte. ja, der erste teil des sets war einfach grandios!

danach flaute das ganze aber leider etwas ab. die songs waren nicht so aufregend, frontmann mars lag sogar einmal minutenlang am boden um sich auszuruhen(?). auch „if i ever feel better“ war grundsätzlich nice-to-have, aber live dann doch nicht mit der explosionsgewalt, die man sich gewünscht hätte. vielleicht bemerkte die band, das fehlen des musikalischen wow-effekts… thomas mars stürzte sich jedenfalls zur ersten reihe, um ähnlich wie foals-vocalist yannis, mit den menschen an der front zu kuscheln und zu singen. da war er wieder, dieser unerwartete moment, der puren überraschungsemotion!

von ganz hinten sah ich mir die letzten nummern an, um nochmal ein bisschen overview zu haben. als thomas mars ganz am schluss dann beschloss zu crowdsurfen, war die völlige ekstase vorprogrammiert. jubelnde menschen wohin man sah, ja fast schon freudentränen. der sänger genoss es in vollen zügen, ließ sich feiern, winkte und lächelte übers ganze gesicht. das war unglaublich, ja das war vielleicht sogar einer des besten momente seit meiner 11-jährigen beziehung mit dem festivalgelände in wiesen. danke phoenix, dass ihr den ersten (schlechte) live-eindruck in new york zunichte gemacht habt und mir bewiesen habt, dass ihr es doch drauf habt!

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