interview | granada

den grazer thomas petritsch kennt man vor allem durch seinen werdegang als „effi“. warum er das projekt „granada“ gegründet hat, was das mit dem film „planet ottakring“ zu tun hat und viele weitere aspekte rundherum hat er im interview mit wienkonzert.com verraten.

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warum ist granda entstanden und wieso heißt das projekt „granada“?

granada ist entstanden im zuge eines auftrages für filmmusik. im sommer 2015 ist der film „planet ottakrig“ herausgekommen und ich bin gefragt worden ob ich die titelmusik für den film machen möchte. ich habe dann hin und her überlegt, layouts gemacht. versucht mich das erste mal am deutschen zu profilieren, was dann ziemlich gut funktioniert hat. der titeltrack ist dann entstanden, alle waren glücklich und ich war auch sehr glücklich. am anfang hat es ein wenig berührungsängste gegeben, weil eigentlich komm ich ja aus der englischsprachigen musik und auf deutsch zu schreiben, auf das habe ich mich eigentlich nie hinübergetraut und es hat auch keinen grund gegeben. bei der arbeit habe ich es dann aber wirklich schätzen gelernt und es hat mir so viel spaß gemacht, dass dann nicht nur zwei, drei sondern gleich sechs, sieben nummern entstanden sind. nachdem dieser titeltrack verwendet worden ist habe ich mir gedacht, es wäre eigentlich schade um die nummern die eigentlich schon vorhanden sind. weil sie zum „wegwerfen“ zu schade gewesen sind, wollte ich den schreibfluss noch ausnutzen und weitere nummern machen. im endeffekt ist das ganze granada projekt dann darauf entstanden.

hat das da schon den namen granada gehabt?

nein, da war das ganze noch namenlos. das ist dann im zuge eines langwierigen denkprozesses dazu gekommen. wir haben bald einmal gewusst, es sollte ein eigenständiges projekt sein, weil es ja die nummern gibt und es uns extrem gut gefallen hat. am anfang besonders dem bernhard, unserem manager und mir. dann ist es zur namensfindung gekommen und wir haben uns überlegt, was könnte am besten passen? österreichische musik. welcher name gibt am besten das wieder was es ist? dann haben wir austrozismen durchsucht.. so circa 200-300 austrozismen die in österreich gebräuchlich sind. es hat aber nichts so wirklich gepasst. dann war im endeffekt die idee, dass wir einfach von den austrozismen weggehen und es komplett anders nennen. granada, wie die stadt in spanien. was halt sehr schön ist, weil es hauptsächlich mehr die mentalität und den spirit der songs beschreibt und wir den da gut eingefangen gesehen haben. das war dann die namensfindung und die band hat sich dann rundherum formiert. im laufe der zeit hat man die man leute kennengelernt, hat geschaut ob das ganze eine stimmige formation ist. damals wusste ich auch schon, wenn ich das live umsetzen will, dürfen das keine profimusiker sein, die auf er bühne stehen und mich nur begleiten, sondern das muss eine eingeschworene einheit sein. weils es eine sehr energetische musik ist. angeführt vom akkordeon, die e-gitarre, bass und schlagzeug. das ist schon sehr harmonisch.

ist auch jemand aus der band, die live mit dir bei effi gespielt haben, dabei oder sind das komplett neue musiker?

ja, der roland hanslmeier. mein lieber herr schlagzeuger.

effi ist immer ein soloprojekt gewesen und bei granada ist das jetzt das ganze. stimmt das oder habe ich das jetzt falsch verstanden?

das stimmt schon eigentlich. mit effi habe ich solo angefangen, viele sachen selbst produziert. viel vorgearbeitet und viel alleine gemacht. es hat natürlich den punkt gegeben wo man das mit band aufgeführt haben. da sind dann schlagzeug und bass dazugekommen und die band hat sich erweitert. das war im endeffekt eine gut funktionierende band und man hat sich gut verstanden. bei granada ist das jetzt aber wieder eine kleine spur anders. das ist von der mentalität her eine ganz andere geschichte. wir waren zusammen im studio, haben zusammen augenommen, geprobt, viel an der liveumsetzung gearbeitet. wir haben uns persönlich sehr gut kennen und lieben gelernt. hoffentlich nicht hassen… das kommt vielleicht noch. (lacht) dadurch ist das eigentlich schon ein großer unterschied zum effi projekt.

das hat jetzt im großen und ganzen meine ersten drei fragen beantwortet.

super!

warum ist nicht die komplette alte band mit ins boot eingestiegen?

weil die instrumentierung eine andere ist. der ausgangspunkt von dem ganzen projekt war für mich immer ganz klar das akkordeon, als verbindendes element der wiener seele. als ich den titeltrack für „planet ottakring“ geschrieben habe, habe ich mich gefragt, was passt am besten zu ottakring? diese altwiener wurzeln sind vorhanden und natürlich ist es auch ein instrument das häufig in der balkanmusik verwendet wird. wien hat ja auch einen großen balkaneinfluss. das war also irgendwie so die grundidee, alles auf einem akkordeon aufzubauen und rundherum die songs zu arrangieren. bei der effi band hat halt niemand akkordeon gespielt und außerdem ist die instrumentalisierung komplett unterschiedlich. es kommen zwei gitarren vor, bass und schlagzeug bleibt natürlich gleich, aber der bassist von effi hat eh wenig zeit und außerdem war es wichtig mit neuen leuten zu arbeiten. gerade für dieses projekt war mir sehr wichtig so viel wie möglich neues drinnen zu haben. um neues zu schaffen, um neue wege gehen zu können und außerdem ist es ja auch eine andere musik. wenn die alte band für granada geblieben wäre, hätte es geheißen „effi macht jetzt schon effi aber was anderes“. so kann man das ganze differenzieren und effi bleibt was eigenständiges und hängt mit granada jetzt nicht zusammen.

im herbst geht es mit den sportfreunden stiller auf tour und danach gibt es eine eigene tour. wie laufen die vorbereitungen und wie oft probt ihr?

man muss dazu sagen, es ist sommer, es ist schön draußen. im proberaum ist es heiß. (lacht) wir sitzen zur zeit noch lieber im biergarten, aber wir haben im sommer eh schon einige festivals gespielt und vorgeprobt. die intensiven proben beginnen dann mitte september.

es sind ja eigentlich zwei verschiedene touren. gibt es zwei verschiedene setlisten oder wird die vorband setlist eine abgespeckte version?

es wird sich schon unterscheiden, wir haben als support bei den sportfreunden stiller ja nur eine begrenzte zeit um sachen zu präsentieren. ich glaube das sind ca. 40 minuten im schnitt. vielleicht ein bisschen weniger, aber so zwischen 35 – 45 minuten wird sich das einpendeln. da kann man natürlich nicht das ganze set spielen. das wird sich dann aber bei der releaseshow und der tour im dezember ändern. die setlist wird länger und wir werden wahrscheinlich auch neue nummern ausprobieren und neues material spielen.

also gibt es keinen gravierenden unterschied?

einen gravierenden unterschied.. najo, also bei der instrumentierung und der energie bleibt alles gleich. es werden einfach weniger nummern gespielt.

in deinen/euren videos wird ja viel getanzt..

haha, ja! (lacht)

…kann man dann auf der bühne auch irgendwie erwarten, dass es tanzeinlagen gibt?

dass es tanzeinlagen gibt auf der bühne! (lacht) puh, es sind eigentlich alles gute tänzer, aber ich bin kein guter tänzer! jedes mal wenn ich es versuche scheitert es kläglich, also von mir wird es keine einlagen geben. so wirkliche tanzeinlagen wird es nicht geben. das wird eher so ein mitschwingen mit den nummern. aus den erfahrungen kann ich sagen, man schaut sich an auf der bühne und dann fangt man zu tanzen an. das ist ziemlich lustig, aber eine einstudierte choreographie wird es nicht geben.

schade! (lacht)

in erster linie sind wir ja eine band und keine tanzgruppe. (lacht)

gibt es sonst schon irgendwelche vorstellungen rund um das gemeinsame musizieren auf der bühne? wie sich granada dann präsentiert? gibt es irgendeine spezialeinlage? konfetti zum beispiel?

eigentlich gar nicht. ich glaube das wichtigste bei granada ist die energie die wir haben auf der bühne, richtig rüberzubringen. bei den konzerten die wir bis jetzt gespielt haben ist das eigentlich immer supergut gelungen und wir haben die super möglichkeit gehabt das auf der bühne auszuprobieren. wie funktioniert jeder auf der bühne und wie stellt man sich aufeinander ein? wir haben im oktober mit der fiva gespielt und so hat unsere doch noch sehr junge bandkarriere eigentlich angefangen. dann gab es noch etliche andere termine auch. man stellt sich aufeinander ein und so special effects und so weiter haben wir jetzt nicht im programm, auf die kann man gerne verzichten. uns geht es mehr darum diese energie zu transportieren. dieses „man lebt für das was man macht!“ man nimmt die energie und macht sich dann mit den menschen die zum konzert kommen einen schönen abend.

du bist ja grazer und bei granada geht es eher um wiener themen. kam die wien affinität für die texte erst durch die arbeit für den film oder war die vorher schon da?

das so viele texte über wien im album vorkommen hängt hauptsächlich mit dem film planet ottakring zusammen. wobei ich aber sagen muss, dass ich wien über alles liebe. das ist eine wunderschöne stadt mit total schönen menschen, aber ich persönlich wohne lieber in graz. also nach wien treibt es mich jetzt nicht so zum wohnen. ich glaube es gibt sehr viele parallelen zwischen wien und graz. das ist sich teilweise doch sehr ähnlich, wobei graz dann vielleicht noch ein bisserl mehr das südländische drinnen hat. ein bisschen weniger das granteltum, wobei ich wirklich beide sehr sympatisch finde. ich habe eigentlich eh eine wien vergangenheit. meine ersten konzerte waren in wien. das war anfang 20 bei diesen open stage sessions im cafe concerto und am gürtel. da haben grade total viele leute in wien studiert und ich habe die große stadt kennen und lieben gelernt. daher kommt wahrscheinlich auch die liebe zu wien und da kann ich ohne probleme sagen, dass ich dazu stehe.

wo hast du dir für granada inspiration geholt? hat es irgendwelche musiker gegeben die dich da beeinflusst haben?

wien wort auf die ist zum beispiel eine cover version von billie joel. ein bisserl was von den stones, ein bisserl was von sts, ein bisserl was vom balkan. es ist eine bunte mischung eigentlich. ein bisschen indie, ein bisschen pop. ich bin generell ein mensch der irrsinnig gerne musik hört. ich höre quer durch die bank von nostalgischen aufnahmen bis hin zur modernen musik sehr viel. inspirative quellen, wo man sagen kann, dass ich aus denen alles schöpfe, gibt es in dem sinn eigentlich nicht. da bin ich schon etwas weitläufiger unterwegs.

wie war das dann beim songwriting, bist du da anders an die sache herangegangen als bei effi projekten?

total! am anfang war das natürlich sehr schwer. auf deutsch zu schreiben statt auf englisch ist am anfang natürlich ein großer unterschied. da muss man dann einen knopf drücken im hirn und dann schreibst auf einmal auf deutsch. das fühlt sich anfänglich irgendwie eigenartig an aber im laufe der zeit wird es dann aber eigentlich total normal. für mich ist es jetzt irgendwie das normalste der welt und die berührungsängste sind im endeffekt ziemlich schnell verschwunden. wie man einen song angelegt ist auf deutsch und im englischen eigentlich ziemlich ähnlich. eigentlich unterscheiden sich da nur die textliche arbeiten. was total schön ist, ist halt die andere sprache. die beiden sprachen haben total eine andere sprachmelodie. man sagt sachen anders, man betont die wörter anders. aber im schreibfluss ergibt sich immer alles, da ist es egal ob deutsch oder englisch.

der markt für die dialektmusik ist eigentlich nicht so groß, aber wenn du dir mit granada irgendeinen ort auf der welt aussuchen könntest wo du spielen magst, wo würdest du dann gerne mit granada auftreten?

poah, das ist eine gute frage. darüber habe ich mir noch keine gedanken gemacht.

vor allem weil es ja so um energie geht, vielleicht gibt es da irgendeinen ort wo das besonders gut rüberkommen würde? egal ob das jetzt realistisch ist oder nicht.

interessant wäre es auf jeden fall in südamerika. das stelle ich mir sehr sehr interessant und gut vor! auch wenn man sich sprachlich nicht versteht und die leute die texte nicht verstehen, ich glaube die energie würde man da doch sehr gut verstehen können. das kann ich mir schon vorstellen. meine erfahrung mit bekanntschaften aus südamerika zeigt mir, dass das halt ein ganz anderer zugang zur musik ist. das der text oft gar nicht wirklich eine rolle spielt und es eher mehr um die energie geht. dieses südamerikanische temperament, dieses feuer, wo man dann am ehesten verstanden wird. wo die musik die universelle sprache ist, egal in welcher sprache der text gesungen wird.

gehst du selber gerne auf konzerte? was war das beeindruckendste konzert in letzter zeit oder generell?

jaaa! gerne!! mich beeindruckt eigentlich ziemlich vieles und ich schau mir auch viel an. ich liebe auf jeden fall kleine konzerte, wo nicht so viele leute sind und ich bin jetzt nicht der große festivalgeher. die großen festivals schrecken mich eher ab, weil da so viele menschen sind und weil man die bands nicht richtig genießen kann. da bin ich nicht der typ dafür. aber kleinere festivals und kleinere konzerte schätze ich sehr. so im rahmen zwischen 50 – 200 leute ist das extrem schön, weil man so nahe am publikum ist und aus publikumssicht so nahe an der band ist. weil man halt teil des ganzen ist. das ist immer wieder faszinierend, egal was für eine band das ist. es gibt so viele facetten und so facettenreiche musik.

was hast du in letzter zeit so gesehen?

was ich in letzter zeit so gesehen habe und was mir so richtig imponiert hat.. hm, da muss ich jetzt überlegen. da bedarf es etwas nachdenkzeit. entschuldigung! was habe ich gesehen in letzter zeit..

oder so generell?

jaja das sind immer so schwere fragen, weil ich bin ein sehr vergesslicher mensch.

so gehts mir auch, darum schreibe ich alles auf.

ich sollte auch einen blog machen. was hat mir gut gefallen?
das ist furchbar. ich könnte dir jetzt schon ein paar aufzählen, aber vom gefühl her..

welches konzert von den eigenen war das beste?

von den eigenen? überspringen wir die frage! (lacht)
vielleicht fällt es mir noch später ein.

kommt effi irgendwann wieder zurück oder gibt es nur mehr granada?

zur zeit steht auf jeden fall nur granada im mittelpunkt meines musikalischen schaffens und werkens. aber ich habe natürlich nummern in petto. ich schreibe natürlich parallel, obwohls zur zeit schwierig ist. zwei projekte zur gleichen zeit zu realisieren ist halt ein ding der unmöglichkeit. das ist sehr zeitaufwändig und schwierig. vor allem orangisatorisch. so ist jetzt zur zeit granada im fokus bei mir und vielleicht kommt sogar nächstes jahr wieder etwas von effi. schauen wir einmal. kann aber auch in zwei jahren sein. geben wird es auf jedenfall wieder was.

welches konzert hat dir jetzt besonders gefallen?

eines der inspirierendsten konzerte und was mir irrsinnig imponiert hat war die performance von chilly gonzales, am springfestival in graz vor 2 oder 3 jahren. das ist ja ein festival der elektronischen musik und er hat dort nur mit klavier gespielt. er hat sein klavierkonzert dort durchgezogen und eine irrsinnige stimmung erzeugt. er ist ein riesiger entertainer und ein sehr sympatischer mensch auf der bühne. er hat eine großartige ausstrahlung und ist ein wahnsinnig guter musiker. wie er die elektronik eingebaut hat, mit einem kleinen drum computer, das hat mich schon sehr imponiert und auch sehr inspiriert.

danke für das interview!

granada – tourdaten:
13.12.2016 – wien – wuk
14.12.2016 – linz – posthof
15.12.2016 – dornbirn – conrad sohm
16.12.2016 – innsbruck – weekender
17.12.2016 – salzburg – rockhouse
18.12.2016 – münchen – muffatwerk

web: http://www.granadamusik.com/
facebook: https://www.facebook.com/granadamusik/

Comments

  • markusjerko markusjerko Dezember 13, at 15:27

    Hallo,
    super interessantes Interview, danke!
    Ich hab Granada auch kürzlich entdeckt und mag sie!
    Interessante Texte, sympathischer Dialekt, schöne Melodien, diese Mischung aus Wien und Süden… mein Favourite sind die Palmen am Balkon!
    Ciao Markus
    http://www.markusjerko.at/photos/saturday-morning/

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    • ndreya ndreya Dezember 15, at 17:48

      Hi Markus, oh, das freut mich dass dir das Interview gefällt 🙂
      Ja, Granada haben schon etwas sehr eigenes, spezielles… südländisches 🙂
      Liebe Grüße, Andrea

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