konzert #109: faber, gospel dating service, jay cooper, romano, isolation berlin @ rockhouse salzburg | 08.10.2016

ich bin nicht nur ein bisschen süchtig nach konzerten sondern ebenso nach reisen. immer wenn ich von einer reise zurückkomme, muss ich den nächsten trip bereits geplant haben, sonst sitze ich ganz kribbelig da und kann mich nicht konzentrieren. deswegen war es klar, dass ich nach hamburg ganz schnell wieder weg musste – und was hätte sich besser anbieten können, als die rockhouse-geburtstagsfeier in salzburg? zufälle ergaben es, dass sich sogar eine mitfahrgelegenheit von wien nach salzburg und wieder retour ergab (danke joni!) und somit war es in stein gemeißelt, dass ich diesen roadtrip antreten würde.

es war ein sehr regnerischer, ungemütlicher samstag. als ich in meiner unterkunft eincheckte wär ich am liebsten im bett geblieben und hätte einen serien-marathon gestartet. aber ich war nun eben mal da, mitten in salzburg, und das ticket war hinterlegt, ich konnte nicht einfach fernbleiben. also aufgerappelt, das nächste taxi angehalten und im rockhouse gelandet. ich trödelte mal wieder und checkte erst viel zu spät, dass der erste act „faber“ bereits spielte und ich mich beeilen musste um noch ein bisschen was von seinem set zu sehen.

no worries, natürlich sah ich noch einige songs. sogar von ganz vorne. allzuviel los war kurz nach 19 uhr nämlich noch nicht. aber das wunderte mich kaum, wer geht denn auch schon so früh aus dem haus, vor allem wen es draussen winterlichte temperaturen hat und regnet? eben. ich verstaute meine jacke, lehnte mich an die wand des rockhouse-bar-gewölbes und genoss die klänge vom schweizer singer-songwriter namens faber. er war nicht allein auf der bühne, auch einen multiinstrumentalisten hatte er bei sich, der schlagzeug, trompete und ganz viel anderes zeugs spielte. beeindruckend! was faber aber auszeichnete war sein humor – er erzählte allerhand witziges und man musste schon sehr humorresistent sein um nicht zu schmunzeln.

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ja, ich war an diesem abend zum ersten mal überhaupt in meinem leben im rockhouse und da mich während meinen aufenthalt immer wieder mädls fragten, ob ich wüsste, wo denn die toilette sei, war mir klar, dass ich wohl nicht die einzige war, die sich zurecht finden musste. okay, so kompliziert ist die location nicht aufgebaut, aber die damentoilette war trotzdem gut versteckt einen halbstock höher, was von unten aussah wie ein vip-bereich.

weiter im programm: im größeren konzertsaal des rockhouse‘ stand die nächste band bereits in den startlöchern: gospel dating service. erst zwei tage davor davor hörte ich ein mini-set im rahmen ihrer vinyl-präsentation im wiener plattenladen „schallter“. ich war also bestens aufgewärmt und im richtigen mood für die band. nur: das publikum war noch nicht ganz da, während die ersten töne durch die lautsprecher gejagt wurden. egal – so hatte wenigstens ich genügend platz in der ersten reihe. leider konnte ich ganz vorne nicht lange verweilen, da die generelle lautstärke so stark war, dass ich kurze zeit später mich nach ganz hinten verdrücken musste. vor allem die keyboard-töne schmerzten schon ein bisschen in den ohren. und das sag ich als hardcore-konzertgeher.

das set der gospel-burschen war in der ersten hälfte schon sehr smooth und hörbar, aber mir fehlte doch öfter mal die dynamik, der pfeffer, das scharfe gewürz, das einem die tränen in die augen drückt. aber, der geübte gospel-dating-service-hörer weiß ja: sie hatten „red“ – die tabasco-sauce unter ihren nummern – noch im ärmel. spätestens als die schärfe dieses songs in alle hörorgane der anwesenden drang war klar, dass man spätestens ab diesem lied sein erstes highlight gesehen hat. als zusätzliches schmankerl gab’s dann auch noch einen rapper auf die ohren und den catchy song „champagne“ vom gleichnamigen, neuen album, der einen in tanzlaune versetzte!

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in der rockhouse bar, dem kleinen konzertsaal des rockhouse‘, legte für die nachfolgenden stunden ein dj auf. schade, dieses hin und her wechseln zwischen mehreren bands hätte mir spass gemacht, vor allem weil mir zwischendurch tatsächlich immer mal wieder ein bisschen langweilig war, weil der akku meines handys leer war und ich in den umbaupausen nicht ganz wusste, was ich mit mir anfangen sollte. aber irgendwie überbrückte ich die warterei und dann war es auch schon an der zeit wieder den großen konzertraum zu stürmen, denn „jay cooper“ folgte als nächstes.

ich war mega gespannt – nicht weil ich erwartete, das konzert meines lebens zu sehen, sondern weil ich im vorfeld gerüchte hörte, wie das konzert denn diesmal werden sollte. jay cooper ist nämlich im grunde wie madonna – er hat ständig den drang sich neu zu erfinden, nur in wesentlich kürzeren intervallen als die pop-queen. er erfindet sich nämlich bei jedem gig neu – das kann spannend sein, das kann aber auch verwirrend und nervig sein. für mich war es also quasi das dritte mal, dass ich den herrn auf einer bühne sah und es war auch diesmal wieder ein komplett neues „erlebnis“.

er und seine band wirkten wie eine hippie-kapelle – mit den langen haaren und dem kopfschmuck. die bühne war mit kerzenständern und weißen rosen verziert und fügte sich vollkommen in die konzertlandschaft ein. soweit so gut. nur als sich die truppe von lied zu lied schlängelte fiel auf, dass bandnamensgeber jay cooper selten bis nie sang. alles machte sein freund, sein gitarrist neben ihm. dieser war anscheinend nicht nur für die musikalische umsetzung auf der bühne zuständig, sondern steuerte auch noch ein bisschen pete-doherty-unberechbarkeits-attitüde bei. ja, das sind die eckdaten, die natürlich beste grundlage wären, für das nächste große (hippie-)ding. aber es fehlte einfach an nummern, die ins ohr gehen, einen fangen, die einen tanzen lassen. dahinplätschernde indie-rock-songs gibt es wie sand am meer, jay cooper hat noch ein paar sandkörner mehr zum strand gebracht mit diesem auftritt, der irgendwie gar nicht sein auftritt war. auch das rosen-ins-publikum-schmeissen gegen ende des sets hat das ganze nicht wirklich wieder gut gemacht. sorry jay cooper, vielleicht mal bei einem setting bleiben und sich mehr auf die songs, statt die andauernde, wechselnde neuerfindung konzentrieren?

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auf den nächsten künstler des abends freute ich mich besonders: romano! nicht, weil ich seine musik so unglaublich toll finde, sondern weil ich romano als person einfach unglaublich einprägsam und unterhaltend finde. zumindest, was ich bis dato von ihm so gehört hatte (stichwort: die betreuerin der plattenfirma muss da schon mal seine zöpfe flechten usw).

für mein erstes romano-konzert im rockhouse (und auch generell) sicherte ich mir einen platz ganz vorne in der ersten reihe. ich wollte ja schließlich nichts verpassen. kaum gemütlich gemacht stürmte der zopfträger auch schon aufs bühnenparkett. mit lässiger jogginghose und bomberjacke performte er schon ein bisschen gefährlicher, als die anderen männlichen kollegen on stage davor. nicht nur seine worte und sein gesang wirkten bissig und gnadenlos, auch seine moves waren reißend und sorgten mit seinen strengen blicken für aufmerksamkeit. ich war fasziniert. meinte er das alles ernst, oder spielte er seine rolle einfach nur verdammt gut?

ich stand ein bisschen sprachlos da vorne und beobachtete. seine ansagen zwischendurch ließen mich manchmal ein bisschen fassungslos dastehen, ebenso wie sein unermüdlicher kontakt zum publikum, auf den er viel wert legte. soviel wert, dass er auch eine flasche sekt köpfte und den vorderen reihen einschenkte. krasser typ. als gegen ende die herrschaften rund um jay cooper die bühne enterten und romano ein bisschen mit ihrer anwesenheit überraschten, merkte man schon, dass die hippie-band in wirklichkeit nur ein bisschen was von der coolness von romano haben wollten. vergebens: romano verscheuchte die lustigen wieder und brachte am schluss mit „klaps auf den po“ die stimmung zum überkochen. vor allem mit seiner scharfsinnigen attitüde.

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der letzte act – oder sagen wir late-night-act – war isolation berlin. sie wurden auf die bühne in die rockhouse bar verfrachtet, was aber nicht unbedingt ein nachteil war. die gruppe rund um sänger tobi braucht kleine, stickige locations, da wo das kondenswasser von der decke tropft und jeder am ende des abends verschwitzt und glücklich nachhause geht. ob das in salzburg auch der fall war?

am anfang war natürlich alles sehr verhalten – wobei beim song „annabelle“ bereits eine sanfte gefühlexplosion seitens der band aber auch seitens dem publikum zu vernehmen war. niemand kann schließlich so schön „annabelle“ schreien, wie isolation berlin. ist einfach so. weiter gings, mit lauten gitarren, mit viel sehnsucht und kneipen-hymnen. bei jedem weiteren song hatte zumindest ich das bedürfnis, unbedingt mal eine nacht lang mit den herrschaften durch berlin zu ziehen. oder um 4 uhr früh auf einer hausparty ein bier mit ihnen kippen, genau dann, wenn die party eigentlich schon vorbei ist. es war wunderbar – ich saß auf meinem hocker, lauschte der wunderbaren berliner nachtmusik und wär zu diesem zeitpunkt gern sturzbetrunken gewesen (war ich aber nicht).

aber dann passierte das unvorhersehbare: eine saite vom bass riss. das schöne, schwingende konzert wurde mehr oder weniger unterbrochen. der versuch mit einer aufblasbaren gitarre weiterzuspielen, scheiterte. bis irgendwann doch noch jemand einen ersatzbass bringen konnte und das konzert weiter ging. zum glück war ich in nullkomanichts wieder in diesem mood, der endlos langen, bier-getränkten nächte und schwebte in gedanken zwischen grauen tagen und verschwommenen sonnenaufgängen und hörte gleichzeitig ganz viel hoffnungslose indie-rock-gitarren-klänge.

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besser hätte der abend nicht enden können als mit isolation berlin. ich war schon ein bisschen verliebt in ihren sound. und gleichzeitig auch so müde, dass ich rausstürzte, das nächste taxi nahm und „zuhause“ sofort einschlummerte um mich am nächsten morgen von sonnenstrahlen wecken zu lassen. ein zwei-stündiger-spaziergang an der salzach später und meine mitfahrgelegenheit holte mich wieder brav ab und wir reisten zurück nach wien. was für ein schöner ausflug nach salzburg. rockhouse, du siehst mich wieder und salzburg, du sowieso!

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Comments

  • Ramona Ramona Oktober 19, at 10:10

    Nicht nur die Betreuerin seiner Plattenfirma musste schon mal Romanos Zöpfe flechten 😀 Er ist echt ein ziemlich lässiger, super netter Typ 🙂

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