konzert #97: we bless this mess, alex vargas, vague, frances, joy denalane, methyl ethel @ reeperbahn festival in hamburg | 21.09.2016

als ich das letzte mal im jahr 2014 in hamburg war, hat es eine woche lang durchgehend geregnet. die reeperbahn hatte ich damals für 2 stunden besucht und dann die schnauze voll von der touristenmeile. hamburg blieb mir in schlechter erinnerung. deswegen war ich umso gespannter, ob ich während dem reeperbahn festival mit der stadt frieden schließen könnte.

ich reiste bereits am montag an und die stadt empfing mich mit jeder menge sonne, zum glück! ich nächtigte wieder in jener ecke, in der ich bereits beim letzten hamburg-besuch gewohnt hatte. somit war es mit der orientierung ein leichtes und ich befand mich in jenem viertel, welches ich am liebsten hatte: dem schanzenviertel. umgeben von gemütlichen kneipen, restaurants und cafes, von plattenläden und jeder menge hippen friseur-läden (bester name: friesenleger!) fühlte ich mich sofort wohl in meiner hood. ausserdem war es unweit der reeperbahn und somit idealer ausgangspunkt für mein showcasefestival-erlebnis. den dienstag nutzte ich noch um am hafen zu sitzen, durch die speicherstadt zu schlendern und natürlich um weitere ecken meiner näheren umgebung und st. pauli zu erkunden, bevor das festival am nächsten tag startete.

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und dann war es soweit, es war mittwoch und ich muss eines zugeben: ich war übermotiviert und bereits gegen mittag am ticket desk um mein festivalband abzuholen. auf dem spielbudenplatz, das „epizentrum“ des festivals, war noch alles im aufbau und es trudelten nur sehr langsam menschen ein. zum glück war die festival lounge schon geöffnet und ich konnte die ersten bekannten gesichter erspähen und mit dem ersten networking beginnen. apropos networking: das war nämlich ein weiterer grund (abseits der entdeckung neuer musik), das festival zu besuchen: nämlich um menschen kennen zu lernen, die die selbe leidenschaft für das musikbusiness und dessen weiterentwicklung besitzen.

irgendwann am späten nachmittag war es dann soweit: mein erster musik-programmpunkt stand am plan. oder sagen wir so: ich stolperte eher zufällig zu einer bühne, die ich am ende des festivals sehr ins herz geschlossen hatte. die rede ist vom „n-joy reeperbus“ am spielbudenplatz. ein bus mit integriertem radio-studio und bühne, frei zugänglich auch für nicht-festival-besucher, auf der sich das gesamte festival über bands und künstler präsentierten, aber: jeweils nur für ca. 15 minuten in reduzierter akustik-form. was ich anfangs doof fand, fand ich später sensationell. denn: in so kurzer zeit, haut man dann doch eher die hits raus und erreicht auf dem riesenplatz dann doch einige hörorgane.

also war ich da, vor diesem bus und auf der bühne befand sich „we bless this mess“. ein typ, der mich sehr an graham candy erinnerte, zumindest von der art her. der moderator hatte ihn auf der schippe, wegen seinen übermäßig vielen tattoos – anyway, drei songs später war ich fasziniert von der schönen frank-turner-ähnlichen mukke und wusste, den sollte ich mir für die zukunft merken. apropos merken: ich schaffte es tatsächlich mir die reeperbahn-festival-app runterzuladen und war gleich mal beeindruckt, wieviele nützliche informationen ich dort finden konnte. ausserdem konnte ich dort künstler „favorisieren“ und hatte somit einen guten überblick, was ich sehen wollte (und auch gesehen hatte).

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normalerweise höre ich mich vor einem showcase-festival immer durch das gesamte line up; diesmal fehlte mir schlicht und einfach die zeit um vorab wirklich alles auf herz und nieren zu prüfen. ich versuchte einen anderen weg: nämlich mich treiben zu lassen und ein bisschen auf die leute rundherum zu hören, auf empfehlungen zu achten und auch mal zufällig auf eine band zu stoßen. oder auch: beobachten, bei welchem club sich die meisten leute anstellen.

quasi fast neben dem reeperbus befand sich das docks und die schlange davor war enorm lang. ein blick auf den timetable verriet mir, dass „alex vargas“ dort als nächstes auftreten würde. also wurde dieser gig mein nächstes ziel. als ich dann endlich in der location war, füllte sie sich immens schnell und ich hörte auch nach und nach, warum der ansturm so groß war: alex vargas ist ein superstar in seinem heimatland dänemark und diese information bezüglich seiner qualität ist natürlich bis nach hamburg vorgedrungen. und tatsächlich: nach einigen nummern war klar, seine stimme war der wahnsinn, nur die musikalische umsetzung war nicht immer so ganz meins. er klang ähnlich wie jack garratt, nur dass jack garratt viel mehr pfeffer in seine musik bringt. alex vargas dagegen präsentierte sich eher als cooler schmuse-typ. was ja ansich eh voll okay ist, nur mir persönlich fehlte immer ein bisschen die steigerung, die dynamik, die explosion in seiner musik. dennoch: qualitativ wirklich ganz groß, nur die gewürze, das chili, die tabasco-sauce… das fehlte mir noch in seinem selbst-betitelten „noise soul“.

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um musik und bands effektiv und sinnvoll raus aus einem land zu bringen und in anderen ländern zu präsentieren, ist ein „musik export büro“ ganz nützlich. auch österreich besitzt so einen „music export“. diese organisation veranstaltete am ersten abend das sogenannte „austrian heartbeats at reeperbahn festival“ in einem lokal namens häkken. natürlich musste ich da mit von der partie sein und die österreichischen bands, die in diesem rahmen dort einen auftritt hatten, supporten. aber bevor es soweit war, hatte ich noch einen fan-girl-moment. und diese anekdote kann ich euch nicht vorenthalten!

meine erste große musikliebe war die band „echt“ aus flensburg. mit 13 jahren durfte ich mein erstes konzert von ihnen besuchen und hatte zudem die ehre bei der goldenen schallplattenverleihung im backstage-bereich dabei zu sein (wie es dazu kam, ist wieder eine andere geschichte). wie auch immer: nach ihrer auflösung anfang der 00er jahre waren sie wie vom erdboden verschlungen. das einzige was ich wusste: der manager danny war seitdem für andere bands tätig, wie „wir sind helden“, „boy“ und „deine freunde“. letztere besuchte ich im februar bei einem konzert im b72 und hatte in diesem rahmen auch die möglichkeit endlich mit dem ex-manager meiner damaligen lieblingsband zu plaudern (und ein interview mit „deine freunde“ zu vereinbaren; in dieser band rappt übrigens der ex-echt-schlagzeuger flo, nur um zu verstehen warum dieses interview so wichtig für mich ist, hehe). soviel mal zur vorgeschichte.

das häkken war noch nicht geöffnet und ich musste draussen warten. plötzlich sah ich dieses gesicht und ich wusste: ui, das ist der danny. und: ich muss was sagen, weil wegen dem interview und sowieso und überhaupt. gesagt, getan. als wir so quatschten, erwähnte er den eigentlichen grund seiner anwesenheit auf dem spielbudenplatz: er würde einen freund besuchen, der hier arbeitet. erst etwas später stellte sich heraus, wen er damit meinte: nämlich den kai. den kai, von meiner damaligen lieblingsband echt. damals vor 16 jahren. und: natürlich stand ich wie angewurzelt da und sagte nichts, als kai zu unserer runde dazu stieß. mein 13-jähriges-ich ärgert sich noch immer, aber freut sich gleichzeitig, weil solche situationen eigentlich nur in filmen passieren und ich niemals gedacht hätte, fast 2 jahrzehnte später in hamburg ex-mitgliedern meiner ersten absoluten lieblingsband zu begegnen. hach. mein abend war zu dem zeitpunkt schon perfekt!

wie auch immer – das häkken öffnete endlich, ein freund querte meinen weg und begab sich mit mir in die location. wir erhielten getränkebons (danke austrian music export!) und orderten, oder besser gesagt ich orderte, ein astra. mein wegbegleiter trank irgendwas anderes, was sicher nicht so gut war wie mein bier, haha. nun gut – die getränke waren da, die erste band on stage, das lokal bereits gut gefüllt und der austrian-heartbeats-abend konnte losgehen. „vague“ musizierten und konnten mich leider nicht ganz „kriegen“ – und das hatte wohl mehrere gründe. soviele menschen quatschten um mich herum, zudem sah ich aufgrund meiner geringen körpergröße über die 2-meter-menschen leider nicht drüber und irgendwie war der sound auch voll leise. und ja, ich trank bier, ein weiterer ablenkungsgrund. ausserdem musste ich auch mal raus auf den balkon, dort befand sich nämlich die „schnaps-bar“. naja – wie soll man sich da auf musik konzentrieren können? sorry vague, beim nächsten mal ohne alkohol dafür mit viel aufmerksamkeit, versprochen!

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die festivalapp erinnerte mich an meinen nächsten, favorisierten programmpunkt: „frances“ im docks. okay, dachte ich, schau ich mal rüber, denn die option wieder zurück ins häkken zu gehen, war ja eh gegeben.

frances kam auf die bühne, setzte sich ans klavier und startete mit ihrem atemberaubenden gesang und dem wunderbaren piano-spiel. grundsätzlich hab ich ja eine schwäche für klavierklänge; wenn diese aber noch mit einer grandiosen stimme on top um die ecke kommen, stellt sich bei mir binnen kürzester zeit gänsehaut en masse ein. ich war so geflasht von dieser künstlerin, dass ich wirklich hoffte, der gig würde nie zu ende gehen. was ich ausserdem sensationell fand: ihren humor! sie wurde von einem ventilator angeblasen und ließ dann folgende meldung los: „ich habe ein windmaschine und es befindet sich eine discokugel in diesem raum – ich fühl mich wie beyonce!“. sich in dieser art und weise mit beyonce zu vergleichen fand ich wahnsinnig cool, somit hatte sie mich auch menschlich auf ihrer seite. ausserdem war es während dem gesamten auftritt mucksmäuschenstill – niemand wagte auch nur ein wort zu sprechen. ich fand das so aufmerksam, so toll, ich war einfach hin und weg. danke frances!

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nach dem auftritt von frances wollte ich eigentlich wieder zurück ins häkken. aber die schlange vor dem lokal war so lang und der ansturm so groß, dass ich wieder zurück ins docks ging um auf „joy denalane“ zu warten. und: die wartezeit war gar nicht so schlimm, denn das docks hatte etwas, was viele andere locations nicht haben: gemütliche sitzgelegenheiten und steckdosen! perfekt für das zeitalter der immer-leeren-akkus!

und dann war es auch schon soweit und joy denalane kam auf die bühne. aber ich fand irgendwie gar keinen zugang zu ihrer musik. zuviel soul, zuviel musical-attitüde und mit ihrem outfit konnte ich auch nicht viel anfangen. aber ich blieb noch ein bisschen; um den akku meines handys weiter aufzuladen und mir einen weiteren plan zu überlegen.

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ich erinnerte mich an die worte einer lieben bekannten: wenn du keinen plan hast, geh einfach ins molotow! und da ich das lokal eh mal sehen wollte, machte ich mich auf den weg ans andere ende der reeperbahn. zufällig spielte auch noch eine band, die mir empfohlen wurde: „methyl ethel“. perfekt, dachte ich, bis ich den konzertraum betrat.

es war so dermaßen voll, dass es nur noch einen einzigen platz gab um das konzert mitzuverfolgen: auf der bühne. also seitlich auf der bühne. war mir auch recht; ich setzte mich an den rand und hatte freie sicht auf die band, konnte okaye fotos machen und hörte die musik auch völlig ohne einschränkungen. sogar fast ein bisschen zuviel über die monitor-verstärker, so „mittendrin“ befand ich mich – aber das ist jammern auf hohem niveau.

methyl ethel erwiesen sich dann noch als perfekter ausklang meines ersten festivaltages: mit viel hingabe und viel schrammeligen gitarren zischten sie ihre musik durch die boxen und versetzten das publikum in kollektive begeisterung. mich beeindruckte abseits des sounds aber noch ganz was anderes: nämlich die hochwasser-hosen der bandmitglieder. wo kann man denn sowas heutzutage noch kaufen? mode-blogger und trendsetter, gebt mir eine antwort! ich fand das als gemeinsames erkennungsmerkmal gar nicht so blöd, sondern sogar äußerst kreativ in zeiten von skinny-jeans.

nach diesem schönen konzert schlenderte ich glücklich und zufrieden durch st. pauli geradewegs in meine unterkunft und konnte mich gegen halb 2 uhr morgens in mein bettchen schmeissen. reeperbahn festival tag 1: du warst sehr schön!

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Comments

  • Ramona Ramona September 28, at 10:46

    Toller Bericht! Ich freu mich schon auf die zu den restlichen Festivaltagen 🙂
    Und die Hosen heißen übrigens Culottes. Hab da auch eine 😀

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    • ndreya ndreya September 29, at 16:53

      Hehe, die restlichen Tage folgen heute und morgen 🙂 Juhu!
      Und danke für die Aufklärung bzgl der Hosen… man lernt nie aus! 😀

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